Joy Williams – „Stories“

„Wenn man erwachsen wird, fällt ein Schatten auf einen. Alles ist sonnig, und dann taucht über einem dieser verdammte Flügel oder irgend so was auf.“

Auf die literarischen Jahre der jüngeren Vergangenheit blickend, scheinen die USA für uns Europäer noch immer ein recht unbekanntes Land zu sein. Denn welch großartige (Wieder)-Entdeckungen sind doch zuletzt gemacht worden. Man meint, die herrliche Geschichte des süßen Breis als Vergleich zu bemühen oder vielleicht auch zu glauben, es gäbe ein schwarzes Loch, wo all die in Übersee (einst) bekannten und viel gelesenen Schriftsteller hineingefallen sind, um an der anderen Seite des Atlantiks nie aufzutauchen. Nun erscheint wieder ein Name, der „da drüben“ oft und viel und mit großer Bewunderung ausgesprochen wird, doch hierzulande selbst Kenner zwingt, die Suchmaschine zu benutzen: Joy Williams.  „Joy Williams – „Stories““ weiterlesen →

Janet Lewis – „Draußen die Welt“

„Es gab sie noch immer, diese Welt in ihrer erfreulichen Mittelmäßigkeit.“ 

Ihr Leben ist auf den ersten Blick so unaufgeregt alltäglich. Mary Perrault kümmert sich um Haus und Grundstück, um ihren Mann und die vier Kinder. Mit ihrer Familie lebt sie in der kalifornischen Provinz, im Santa Clara Valley, malerisch zwischen Bergen, Meer und Marschland und unweit von Sacramento gelegen. Ihr Haus ist ein Hort der Gastfreundschaft und Sicherheit. Doch auch die tragischen Schicksale und die großen Ereignisse der Welt machen nicht Halt vor ihrer Tür. Mit ihrem Roman „Draußen die Welt“ erzählt die amerikanische Schriftstellerin und Lyrikerin Janet Lewis (1899 – 1998) vom Alltag einer amerikanischen Familie sowie den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er-Jahre und Anfang der 30er-Jahre.  „Janet Lewis – „Draußen die Welt““ weiterlesen →

Sebastian Barry – „Mein fernes, fremdes Land“

„Kein Ort auf Erden, der nicht eine Heimat wäre.“

Ihr Leben gleicht einer Ansammlung von Verlusten. 89 Jahre alt ist Lilly Bere. Sie will nicht mehr, nachdem sie ihren geliebten Enkel verloren hat. Wie Bill will sie aus dem Leben freiwillig scheiden – mit Hilfe kleiner Tabletten. Ein letztes Mal zieht sie Bilanz. In einem Haushaltsbuch schreibt sie ihre Erinnerungen nieder, fasst ihre Trauer wie auch die Stationen ihres wechselvollen Lebens in Worte. In „Mein fernes, fremdes Land“ erzählt der irische Schriftsteller Sebastian Barry nicht nur von einer betagten Frau, sondern auch wie die große Geschichte immer wieder in das Leben der Menschen eingreift und es für immer verändern kann.

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Doreen Cunningham – „Der Gesang in den Meeren“

„Das Meer war voller Leben, schien Bewusstsein zu haben, Bewegung zu wollen.“

Von den Lagunen in der Baja California bis zum Arktischen Ozean vor der Küste Alaska erstreckt sich ihr Revier. Doch Giganten brauchen auch ein Riesenreich. Ein ausgewachsener Grauwal kann eine Länge von 15 Metern und ein Gewicht von bis zu 40 Tonnen erreichen. Und sie sind Langstrecken-Wanderer. Die im Ostpazifik beheimatete Population legt auf ihrer jährlichen Reise bis zu 10.000 Kilometer zurück – so viel wie keine andere Säugetierart auf der Erde. Die britische Umweltingenieurin und Wissenschaftsjournalistin Doreen Cunningham begleitete auf einer Tour die auf vielerlei Art imposanten und friedvollen Tiere vom Süden bis in den hohen Norden. Ihre Reise führt dabei auch zu einer inneren Heilung. „Doreen Cunningham – „Der Gesang in den Meeren““ weiterlesen →

Willy Vlautin – „Nacht wird es immer“

„Und ich werde alles geben und drauf achten, dass mich die Dunkelheit nicht überfällt.“ 

Sie schuftet für zwei, pendelt tagtäglich zwischen Bäckerei, College und Bar, um sich ihren Traum zu erfüllen. Die 30-jährige Lynette will das Haus kaufen, in dem sie mit ihrem Bruder Kenny aufgewachsen ist und darin ein Zuhause für die Zukunft schaffen, obwohl es alles andere als ein Prachtschloss ist, sondern eher einer Bruchbude gleicht. Sie versucht, das nötige Geld Cent für Cent zusammenzukratzen. Und das über Jahre. Doch ihre Mutter Doreen hat ganz andere Pläne. Doch das wird ihrer Tochter erst später bewusst. Mit „Nacht wird es immer“ hat der US-Amerikaner Willy Vlautin einen großartigen Roman geschrieben, der sowohl einen Grundkonflikt in einer bereits zerrütteten Familie schildert, als auch die Abgründe der US-amerikanischen Gesellschaft aufzeigt, in der unzählige Träume wie billiges Geschirr zerschlagen werden. 

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Thomas Savage – „Die Gewalt der Hunde“

„Verdammt, es ist ja auch der wilde Westen.“ 

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Schriftsteller in den vergangenen Jahren aus den Tiefen des Vergessens gehoben und wiederentdeckt worden sind; sowohl europäische als auch amerikanische. Man denke an die Dänin Tove Ditlevsen oder die US-Amerikaner John Williams und James Baldwin. Ein Autor, der da unbedingt eingereiht werden kann und sollte, ist Thomas Savage (1915 – 2003). Mit der Verfilmung seines Romans „Die Gewalt der Hunde“ aus dem Jahr 1967 unter dem Titel „The Power Of The Dog“ und mit der deutschen Erstausgabe wird an ein Meisterwerk erinnert, dessen Lektüre unbedingt lohnt – nicht nur für Western-Fans.

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