Backlist #6 – Robert Seethaler „Der Trafikant“

„Es sind komische Zeiten gerade. Oder vielleicht waren die Zeiten immer schon so komisch.“

Die Zeit ist schon eine merkwürdige Erscheinung. Sie rast dahin, man möchte sie festhalten. Manchmal lässt sie Wunden in Narben verwandeln. Manchmal glaubt man,  meint man, hat es sie schon einmal gegeben.  In diesen Wochen, Monaten denkt man oft an eine Zeit zurück, die schließlich die Schwärze und das Grauen gebracht hat. Damals begann sich der Horizont dunkel zu verfärben. Wer den vierten Roman Robert Seethalers mit dem recht unscheinbaren Titel „Der Trafikant“ in die Hand nimmt und ihn liest, wird Parallelen zwischen dem historischen Geschehen, das dem Österreicher als Vorlage diente, und aktuellen Erscheinungen feststellen. Doch nicht nur deshalb sollte man dieses großartige Werk lesen und immer wieder weiter empfehlen. Backlist #6 – Robert Seethaler „Der Trafikant“ weiterlesen

Fremde Heimat – Ernst Lothar „Die Rückkehr“

„Die Wahrheit zu sagen ist immer eine Aufgabe.“

Im Vergleich zu Romanen über die Zeit des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkriegs ist die Zahl all jener Bücher über die Nachkriegsjahre spürbar geringer. In den letzten Monaten erschienen mit „Der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz (Klett & Cotta) und „Berlin, April 1993“ von Felix Jackson (Weidle Verlag) zwei Titel, die sich nicht nur mit den Anfängen der Nazidiktatur beschäftigen, sondern nunmehr in einer Neuauflage erschienen sind. Eine eindrückliche Wiederentdeckung ist auch der Roman „Die Rückkehr“ des österreichischen Schriftstellers und Juristen Ernst Lothar (1890 – 1974), der darüber erzählt, welche verheerenden und furchtbaren Folgen zwölf Jahre Schreckensherrschaft und sechs Jahre Krieg für Europa und Millionen von Menschen mit sich brachte.     Fremde Heimat – Ernst Lothar „Die Rückkehr“ weiterlesen

Welt der Kunst – Hanno Millesi „Die vier Weltteile“

„Dachten die Kinder allen Ernstes, sie könnten das Krokodil von einem Konflikt mit der Tigerin abhalten.“

In ein Kunstmuseum geht der kunstinteressierte Besucher freiwillig, und er will die Ausstellung auch wieder verlassen, wann er will. Doch die vier Kinder Konrad, Emily, Iggy und Tessa sowie ihre beiden erwachsenen Begleiter, Wanda und der Ich-Erzähler, werden eingesperrt in ein Haus voller Kunst-Schätze. Im Eingangsbereich hat es einen Anschlag gegeben. Wie dieser schreckliche Vorfall die Besucher beeinflusst und noch viel mehr – das erzählt Hanno Millesi in seinem schmalen, aber thematisch reichen Roman „Die vier Weltteile“, in dem es vor allem um die große Kunst und ihre eindrückliche Wirkung auf junge wie ältere Betrachter geht.   Welt der Kunst – Hanno Millesi „Die vier Weltteile“ weiterlesen