Jean-Paul Dubois – „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“

„Es geschah oft, dass ich diese Abwesenheit spürte, stets war es dasselbe Unbehagen.“

Er sitzt hinter Gittern, in einem maroden Gefängnis in Montreal. Es sind nur wenige Quadratmeter Lebensraum, die er sich auch noch mit einem Mann teilen muss. Einem Hünen, der einer Rocker-Gang angehört und an einem Mord in der Szene beteiligt gewesen sein soll. Paul Hansen lässt in seinem monotonen und fremdbestimmten Knast-Alltag sein Leben Revue passieren; die guten wie die schlechten Tage eines einfachen wie wechselvollen Lebens, begleitet von den Toten aus seinem Leben – Vater, Frau und Hund. Mit „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“ hat der Franzose Jean-Paul Dubois einen melancholischen, lebensklugen und überaus menschlichen Roman geschrieben, für den er im vergangenen Jahr mit dem renommierten Prix Goncourt geehrt wurde. „Jean-Paul Dubois – „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise““ weiterlesen

Stefan Hertmans – „Die Fremde“

„Hamutal kommt sich nichtig vor, alle sind sie nichtig, nicht mehr als Insekten in einer Nussschale im Meer (…).“

Nach seinem eindrucksvollen Roman „Krieg und Terpentin“ über den Ersten Weltkrieg und die Erlebnisse seines Großvaters holt Stefan Hertmans erneut die Vergangenheit in die Gegenwart. In seinem neuen Buch „Die Fremde“ geht er in der Zeit indes noch weiter zurück, um mehr als ein Jahrtausend in das Mittelalter. Anlass und Inspiration bieten ihm Monieux, ein Bergdorf in der Provence, in dem er seit Jahren lebt, sowie ein Dokument aus dem 11. Jahrhundert, das vor mehr als 120 Jahren in einer Synagoge in Kairo entdeckt wurde und heute in der Cairo Genizah Collection der Universität Cambridge zu finden ist.

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Frédéric Brun – „Perla“

„Mein Schmerz lässt mich verstehen, dass der eigentliche Lebensweg ins Innere führt und Perla in mir ist.“

Am 31. Juli 1944 setzt sich von Frankreich aus der Konvoi 77 mit rund 1.300 Personen, darunter mehrere Hundert Kinder, in Bewegung. Das Ziel: das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Unter ihnen: Perla, eine junge, lebenslustige und attraktive Frau. Sieben Monate lang durchleidet sie die unerbittliche Gewalt, Qualen, Hunger. Sie sieht andere sterben, riecht den Geruch der Verbrennungsöfen, hört die Schreie und das Stöhnen. Perla überlebt und kehrt nach Frankreich zurück, ihre Erlebnisse brennen sich als Schmerz in ihr Innerstes ein. Gepaart mit einer unauslöschlichen Angst verursacht dieser starke Depressionen.  Frédéric Brun hat ein Buch über seine Mutter geschrieben, ein nur schmaler, indes preisgekrönter Band, der Worte für das Unfassbare findet und den Leser tief berührt und prägt. „Frédéric Brun – „Perla““ weiterlesen

Backlist #14 – Maylis de Kerangal „Die Lebenden reparieren“

„Wo er sich befindet, existiert die Zeit nicht mehr.“

Simon ist 19 und ein leidenschaftlicher Surfer, der das Meer, die Wellen, den Wind liebt. Nach einem Surfausflug mit seinen Freunden stirbt er bei einem tragischen Unfall. Von einer Sekunde auf die andere wird er aus dem Leben gerissen, sein noch kurzes Dasein auf Erden beendet. Die Ärzte stellen seinen Hirntod fest. Wenige Stunden später fassen seine Eltern eine folgenreiche Entscheidung: Sie geben Simon zur Organspende frei. In ihrem meisterhaften Roman beschreibt die französische Autorin Maylis de Kerangal den vielschichtigen Prozess eines solchen Ereignisses – vom tragischen Unfall bis zur Implantation der Spenderorgane in den Körper eines sehr kranken Menschen. „Backlist #14 – Maylis de Kerangal „Die Lebenden reparieren““ weiterlesen

Øistein Borge – „Kreuzschnitt“

„Wieso sollten auch Werke von einigen der anerkanntesten Künstlern Europas an der Wand dieses unansehnlichen Bauernhauses hängen?“

Geld schützt nicht vor Mord. Der Immobilienmogul Axel Krogh, einer der reichsten Männer Norwegens, wird in seiner Villa an der Côte d’Azur tot aufgefunden. Sein Leichnam wurde geschändet, im Rücken des bereits betagten Mannes hat der Mörder ein blutiges Kreuz hinterlassen. Kroghs Tochter Ella und Erik Jacobsen, Konzernchef der Krogh-Gruppe, finden den Toten und entdecken, dass auch ein Gemälde eines unbekannten Künstlers aus dem Anwesen gestohlen wurde. Der Osloer Kommissar Bogart Bull wird für die Ermittlungen nach Frankreich entsendet, wo er auf ein dunkles Geheimnis der Familie stößt und dass der Maler des Bildes nicht wirklich unbekannt ist. „Øistein Borge – „Kreuzschnitt““ weiterlesen

Romain Gary „Die Jagd nach dem Blau“

„Im Leben bleiben die Dinge selten heil.“

Sie tragen große Namen: DON QUICHOTE und MONTAIGNE. Manche heißen auch „nur“ WELTFRIEDEN und DICKERCHEN. Über die Grenzen seines Dorfes in der Normandie hinaus ist Ambroise Fleury, ein einfacher Landbriefträger, bekannt für seine selbst gebauten prächtigen Papier-Drachen. Für ihn wird sogar später ein Museum eingerichtet, das von seiner besonderen Leidenschaft erzählt. Über sein Leben berichtet auch sein Neffe Ludo. Im Roman „Die Jagd nach dem Blau“, dem letzten Buch des französischen Schriftstellers Romain Gary (1914 – 1980), ist er Ich-Erzähler und zugleich Held einer berührenden Geschichte über Geradlinigkeit, Hoffnung und eine große Liebe in einer düsteren Zeit. „Romain Gary „Die Jagd nach dem Blau““ weiterlesen