Entwurzelt – Ada Dorian „Betrunkene Bäume“

„Nur manchmal, im kurzen Moment des Erwachens, empfand er Mitleid mit den Bäumen, die hier ebenso gefangen waren wie er.“

Die meisten Menschen haben ihre Topfpflanzen auf dem Fensterbrett stehen, vielleicht auch auf dem Balkon. Es sind Zimmerpflanzen, die geeignet sind für das Leben unter dem Dach und durch Wände abgeschirmt werden. Erich Warendorf weiß hingegen in seiner Wohnung Ahorn, Birke, Weißdorn und Co. um sich, die er hegt und pflegt, die sich in seinem Schlafzimmer ausbreiten und so manchen geflügelten Mitbewohner anziehen.  Der über 80-Jährige sehnt sich nach den weiten Wäldern Sibiriens, in denen er einst geforscht hat. Es ist ein besonderes Leben eines charismatischen Menschen, von dem Ada Dorian in ihrem Debüt-Roman „Betrunkene Bäume“ erzählt. „Entwurzelt – Ada Dorian „Betrunkene Bäume““ weiterlesen

Blogbuster: Im Gespräch mit Helmut Pöll

Helmut Pöll und sein Roman „Die Krimfahrt“ ist nach der Lektüre der mir zugesandten Exposés beziehungsweise Manuskripte mein Favorit, den ich ins Rennen um den Blogbuster – den Preis der Literaturblogger entsende. Ich habe ihn für ein Gespräch einige Fragen gestellt – zu seinem Buch, zum Schreiben und Lesen.

 

Wie sind Sie damals auf Blogbuster gestoßen und haben Sie schon Reaktionen auf Ihre Teilnahme erhalten?

Die teilnehmenden Blogs besuche ich regelmäßig. So habe ich vom Blogbuster-Wettbewerb erfahren. Es gibt ziemlich viele positive Reaktionen. Freunde und Bekannte haben mir per SMS, E-Mail und über Facebook zur Longlist-Platzierung der Krimfahrt gratuliert und geschrieben, dass sie mir die Daumen drücken. Das hat mich sehr gefreut.

„Blogbuster: Im Gespräch mit Helmut Pöll“ weiterlesen

Machtspiele – Anna Kim „Die große Heimkehr“

„Wenn Erinnerungen zu lange eingesperrt sind, müssen sie ausgesprochen werden, sonst verwandeln sie sich in Geister.“

Die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs politisch in zwei Staaten geteilte Halbinsel Korea scheint in hiesigen Breiten nahezu ein weißer Fleck auf der literarischen Landkarte zu sein. Wenige Romane widmen sich den beiden Ländern. Selbst ist mir da nur der Roman „Das geraubte Leben des Waisen Jun Do“ in Erinnerung, für den der Amerikaner Adam Johnson den Pulitzer-Preis erhalten hat. Und auch allgemein hält sich mein persönliches Wissen über Korea in Grenzen. Nun ist mit „Die große Heimkehr“ von Anna Kim ein Buch erschienen, das viel über die Geschichte beider Länder, vor allem die Schicksale von Menschen erzählen kann, die unter der Teilung des Landes und der Machtspiele zweier politischer Systeme zu leiden hatte. „Machtspiele – Anna Kim „Die große Heimkehr““ weiterlesen

Allein – Isabelle Autissier „Herz auf Eis“

„Die Stille ist ein Nicht-Geräusch, wie die Nicht-Existenz, die sie leben. Wie ein Albtraum, in dem alles verschwunden ist.“

Die Welt hat glücklicherweise noch immer Regionen, an denen die menschliche Zivilisation nicht angekommen ist oder sich von dort wieder zurückgezogen hat. Wer dorthin reist, sollte besondere Fähigkeiten haben. Es braucht keinen  Flug zum Mond, um Abenteuer bestehen zu können. Ziel kann da auch der südliche Zipfel Südamerikas sein. Mit ihrem Segelschiff landen Louise und Ludovic nahe Kap Hoorn. Ohne dass sie es zuvor erahnen können, wird die  Insel Stromness ihr „Zuhause“, ein vielmehr unfreiwilliges Gefängnis. Denn ihr Schiff „Jason“, das mit seinem Namen nicht ohne Grund an den griechischen Helden und Führer der Argonauten erinnert, verschwindet nach einem schweren Sturm. Das Paar aus Paris bleibt zurück. „Allein – Isabelle Autissier „Herz auf Eis““ weiterlesen

Liebesschmerz – Ulrich Schacht „Notre Dame“

„Die Seele ist schwach, wenn sie um Stärke bittet, und es ist keine Schande, schwach zu sein, wie Stärke kein Verdienst ist.“

Hinter der Mauer existierten viele Träume, Sehnsüchte. Auch Reisen in fremde Länder und ferne Orte waren für viele nur ein Traum und blieben es auch. Als die Mauer in der DDR 1989 bröckelte und schließlich fiel, galt die Freude der nun gewonnenen Freiheit. Jeder konnte reisen, geteilte Familien im geteilten Land konnten wieder zueinander finden, jeder konnte Menschen kennenlernen, die mit dem geteilten Deutschland wohl nie zusammengekommen wären. Eine dieser Geschichten erzählt Ulrich Schacht in seinem neuen Roman „Notre Dame“. Es ist die Geschichte einer großen, aber kurzen Liebe in den ersten Jahren der Nachwendezeit.  „Liebesschmerz – Ulrich Schacht „Notre Dame““ weiterlesen

Wunderkind – Morten Brask „Das perfekte Leben des William Sidis“

„Es gibt wohl kein Leben, das richtiger ist als ein anderes.“

Im Alter von 18 Monaten bringt er sich das Lesen selbst bei. Als Sechsjähriger lernt er Latein, entwickelt zudem eine eigene Sprache. Mit zehn Jahren liest er „Das Kapital“ von Karl Marx. Elfjährig wird er an der Elite-Universität Harvard immatrikuliert. William James Sidis (1898 – 1944) galt als Wunderkind. Er hätte ein großer Wissenschaftler werden, mit seinen Ideen die Welt womöglich ein wenig verändern können. Doch er zog sich in die Anonymität zurück und scheiterte – nicht wegen seiner beeindruckenden intellektuellen Fähigkeiten, sondern vor allem aufgrund seines teils feindlichen Umfeldes. Der Däne Morten Brask hat Sidis‘ Leben in seinem jüngst erschienenen Roman literarisch verarbeitet. „Wunderkind – Morten Brask „Das perfekte Leben des William Sidis““ weiterlesen