Robert Mcfarlane – „Im Unterland“

„Nicht nur Flüsse verschwinden und tauchen an unerwarteten Orten wieder auf, auch Geschichten.“ 

Alice hat es getan. Und auch Professor Otto Lidenbrock. Beide haben das Land unter der Erde gesehen. Die Helden aus den Klassikern „Alice im Wunderland“ und „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Lewis Carroll beziehungsweise Jules Verne finden sich denn auch in dem Band „Im Unterland“ des britischen Naturschriftstellers Robert Macfarlane ein. Doch seine persönliche Entdeckungsreise in die Welt unter der Erde, wie es im Untertitel des Buches heißt, ist hingegen wahrhaftig und real. Er erzählt von seinen Begegnungen mit Wissenschaftlern, von entlegenen Orten und gefährlichen Touren. 

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Robert Moor – „Wo wir gehen“

„Die Pfade der Menschheit sind weitverzweigt. Und nicht alle Straßen müssen zum Times Square führen.“

Zugegeben: Obwohl mir die ausgiebigen Strandtouren auf der Insel Usedom aus meiner Kindheit bestens in Erinnerung sind, vor allem dieses Durchhalte-Mantra „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm“, bin ich erst in den vergangenen Jahren zu einer leidenschaftlichen Wanderin und Flaneurin geworden. Kilometerweit am Meer entlang, durch Wälder oder die Straßenschluchten der Großstädte. Gehen ist existenziell, bewusstseinserweiternd, vereint das Gefühl der Freiheit mit dem Drang zur Entdeckung. Dass seit einiger Zeit dieses Thema auch in der Literatur verstärkt zu finden ist, hat sicherlich auch mit der Hinwendung zu Achtsamkeit und Entschleunigung zu tun. Auch der amerikanische Journalist Robert Moor hat über das Gehen und die Bewegung, vor allem über die Bedeutung von Wegen und ihre Entstehung ein ungemein bereicherndes Buch geschrieben.

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Maria Popova – „Findungen“

„Doch es gibt Menschen, die unsere Schubladen sprengen (…).“

Was macht nur dieses Buch mit mir. Ich bemerke, wie ich ein buntes Fähnchen nach dem anderen an die Seitenränder des Bandes klebe. Auf diese Weise markiere ich kluge Gedanken und Zitate, um sie später schnell zu finden. Mit der Zeit hat der sonst weiße Schnitt blaue, grüne und orangefarbene Flecken. Für die Lektüre des zugleich umfangreichen Bandes „Findungen“ von Maria Popova ist ein Vorrat an solchen bunten Klebezetteln überaus praktisch, ja notwendig. Denn dieses wundersame Buch ist voller kluger Gedanken.

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Andri Snær Magnason – „Wasser und Zeit“

„Das menschengemachte Feuer ist fast zweihundertmal größer als die gesamte vulkanische Tätigkeit auf der Erde.“ 

Island ist bekannt durch seine Geysire und Vulkane, seine bizarren Landschaften und seine besondere Tierwelt.  Doch wie wird die Insel, dieses faszinierende Naturparadies im Norden Europas, in 100 Jahren ausschauen? Denn die Welt ist durch den Menschen im Wandel. Bereits 2014 verlor Island wegen der Erderwärmung den Gletscher Okjökull, der 2019 offiziell für tot erklärt wurde. Nur noch eine Gedenktafel und vergangene Nachrichten erinnern an ihn. Oder Fotos wie jene aus einer vergangenen Zeit im Buch des Isländers Andri Snær Magnason „Wasser und Zeit. Eine Geschichte unserer Zukunft“, in dem er erzählt, was war und was kommen könnte. „Andri Snær Magnason – „Wasser und Zeit““ weiterlesen

Tim Flannery – „Europa“

„Ernst Haeckels Name für unsere Neandertaler-Vorfahren, Homo stupidus, mag immer noch einige Gültigkeit besitzen – und zwar für uns.“

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, erinnere ich mich an einen Film, der mich damals begeistert hat und noch immer fasziniert. „Reise in die Urzeit“ erzählt die Geschichte von vier Jungen, die sich nach dem Fund eines versteinerten Trilobiten mit einem Boot auf eine Reise in die Vergangenheit begeben. In jeder Epoche entdecken sie die darin typischen Pflanzen und Tiere. Für seinen Streifen erhielt der tschechische Regisseur Karel Zeman (1910 – 1989) bei den Filmfestspielen in Venedig 1955 den Preis für den besten Kinderfilm. Eine Art Zeitmaschine in die prähistorische Ära hält auch der australische Zoologe und Biologe Tim Flannery mit seinem herausragenden Band „Europa. Die ersten 100 Millionen Jahre“ bereit.

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Andreas Tjernshaugen – „Von Walen und Menschen“

„Unter den Wellen manövriert das größte Tier der Welt wie ein Kunstflugpilot oder ein verspielter Rabe in einer Windböe.“

Andreas Tjernshaugen hat bereits über die nur wenige Gramm schweren und nicht einmal Handteller großen Meisen geschrieben. Sein Buch „Das verborgene Leben der Meisen“ (Insel Verlag) wurde ein Erfolg, ein Bestseller, auch in Deutschland. In seinem neuesten Werk wendet sich der Norweger dem ganzen Gegenteil zu: den größten Tieren auf unserem Planeten –  den tonnenschweren Walen, wobei besonders der Blauwal im Mittelpunkt steht. Der Soziologe und Sachbuch-Autor scheint die Kontraste zu lieben. Sein Buch ist eine Liebeserklärung an die einzigartigen Säuger, aber auch eine Abrechnung mit dem gefährlichsten und gewissenlosesten Raubtier, uns Menschen.

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