Der Lehrling des Soldaten – Alexis Jenni "Die französische Kunst des Krieges"

„Im Krieg fällt man völlig unvermutet. Und wenn dann mit lyrischen Worten darüber gesprochen wird, ist das eine fromme Lüge, um die Sache auszuschmücken; man erfindet eine Geschichte, walzt das Ganze aus und inszeniert etwas. In Wirklichkeit stirbt man sang- und klanglos, blitzschnell, in völliger Stille; und auch hinterher herrscht Stille.“

Zwei Männer: Einer kennt den Krieg nur aus der Geschichtsschreibung und dank der aktuellen Fernsehbilder des Golfkriegs, die über seine Mattscheibe flimmern. Der andere war leibhaftig dabei – im Zweiten Weltkrieg, in Südostasien, in Algerien. Beide lernen sich eines Tages in einem Bistro kennen. Der Erzähler, ohne Name und Alter, will das Malen von Victor Salagnon erlernen. Und der bringt dem anderen nicht nur die kunstvolle Tusche-Malerei bei. Er erzählt auch von seinem Leben, das vor allem ein Leben als Soldat ist. Krieg ist das große, alles umfassende Thema des Romans von Alexis Jenni, das sich auch direkt im Titel widerspiegelt. „Der Lehrling des Soldaten – Alexis Jenni "Die französische Kunst des Krieges"“ weiterlesen

Isa unterwegs – Wolfgang Herrndorf "Bilder deiner großen Liebe"

„Ich werde ganz klar im Kopf, morgenlichtklar. Universum hier, Isa hier, alles, wo es hingehört. Ich denke nicht nach. Ich schlafe.“

Husch, plötzlich ist sie weg. Isa hat sich aus dem Staub gemacht. Durch das große Eisentor hindurch. Ein Lkw sei dank. Die Anstalt lässt sie kurzerhand hinter sich. Die Welt da draußen ist spannender. So macht sich Isa auf, die Welt zu entdecken. Barfuß. Viele kennen sie bereits. In „Tschick“, dem großen, weil so witzigen wie ernsten Roman von Wolfgang Herrndorf, hat sie an der Seite von Maik und Andrej bereits Geschichte geschrieben. Nun ist sie wieder zurück und füllt selbst ein ganzes Buch. Das, so die ebenfalls traurige und wahre Geschichte, unvollendet blieb. Wolfgang Herrndorf setzte am 26. August 2013 seinem Leben selbst ein Ende. Mehrere Jahre litt er unter den Folgen eines bösartigen Hirntumors. „Isa unterwegs – Wolfgang Herrndorf "Bilder deiner großen Liebe"“ weiterlesen

Leben, um zu schreiben – Reiner Stach "Kafka. Die frühen Jahre"

„Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Das glaube ich.“ Franz Kafka

Er war ein leidenschaftlicher Schwimmer, liebte das Kino, mochte Indianergeschichten. Er hat auch nicht das Nachtleben in seiner Heimatstadt Prag verschmäht. Ganz im Gegenteil. Manchmal ging er auch zu den „leichten Mädchen“. Viele sehen womöglich, wenn sie den Namen Franz Kafka hören, einen schmalen Mann vor sich, der Tag und Nacht, über den Schreibtisch gebeugt, schreibt – ohne Unterlass. Zugegeben, Kafka war wirklich recht dünn. Das beweisen die historischen Fotografien, die ihn zeigen. Doch der am 3. Juli 1883, an einem schönen Sommertag in Prag zur Welt gekommene Schriftsteller liebte trotz einer nicht gerade fröhlichen Kindheit und gesundheitlichen Problemen sowohl das Leben als auch das Schreiben. Nur hatte er tragischerweise nur 40 Jahre Lebenszeit. „Leben, um zu schreiben – Reiner Stach "Kafka. Die frühen Jahre"“ weiterlesen

Drei Brüder – Favel Parrett "Jenseits der Untiefen"

„Er lebte dafür, für diese Augenblicke, wenn alles stillstand außer dem eigenen Herz und die Zeit sich ausdehnte und wogte – sich Bild für Bild vor das innere Auge schob und man jenseits der Zeit und vor der Zeit war und einem niemand etwas anhaben konnte.“ 

Das Leben der Currens wird vom Meer bestimmt. Es liegt nahezu vor der Haustür – jene riesige Wasserfläche, die manchmal platt erscheint, sich oft jedoch aufbäumt, in der sich unzählige Lebewesen regen.  Der Vater verdient sein Geld mit dem Fischen und Muschelsuchen, wenn auch illegal. Auch Miles muss auf dem Kutter mithelfen und harte Arbeit leisten anstatt zur Schule zu gehen. Der kleine Bruder Harry fürchtet indes das große Wasser. Und Joe, der ältere der Drei, will einfach nur weg – mit dem selbst gebauten Boot. Die australische Autorin Favel Parrett, 1974 geboren, hat ihre Heimat, die Küste Tasmaniens, zum Schauplatz ihres Debütromans „Jenseits der Untiefen“ gemacht. Hier ist nur wenig idyllisch. Doch daran hat nicht das Meer Schuld, sondern vielmehr einige Menschen.  „Drei Brüder – Favel Parrett "Jenseits der Untiefen"“ weiterlesen

Pate für ein Buch – Wie und warum ich Bloggerin wurde!

Wie lassen sich akustische Lautäußerungen am besten mit Worten beschreiben? Klar, es gibt Verben wie „schreien“, „juchzen“ und „in die Hände klatschen“. Aber so richtig fassen sie nicht, wie ich mich am vergangenen Freitagnachmittag verhalten und staunende Mienen bei meinen Kollegen hervorgerufen habe. Vor allem beschreiben sie nicht diese innere Freude, die einen ausfüllt und schier überwältigt. Was war passiert? Auf der Internetseite der Leipziger Buchmesse  unter der Rubrik „Blogger“ stand mein Blog „Zeichen und Zeiten“. Ich war zu einem Blogger-Paten ernannt worden – von insgesamt 15. Mit dieser erstmaligen Initiative will die Buchmesse den Bloggern einen größeren Raum geben. Und ich denke, ohne anmaßend sein zu wollen und im Namen aller Blogger, wir alle haben diese besondere Würdigung verdient. Wir alle sind leidenschaftliche Botschafter der Bücher und Literatur und stehen oftmals näher zu den anderen Lesern und Bücherfreunden als so mancher Kritiker. Weil wir womöglich klarer schreiben, wenn uns ein Buch gefällt oder nicht gefällt? Weil wir weit unabhängiger sind?  „Pate für ein Buch – Wie und warum ich Bloggerin wurde!“ weiterlesen

Das Leben des Einen und der Anderen – James Salter „Alles, was ist“

„Das Leben, das nicht vorhersehbar war, das Leben, das sich ihm eröffnet und das er gelebt hatte.“ 

Was bedeutet ein Leben? Das Fließen der Zeit zwischen Geburt und dem Tod, Erlebnisse und Begegnungen, Erfolge und Tiefschläge, Erfahrungen von Liebe, Freundschaft und Hass aneinandergereiht?  Vor allem aber hat es so viel zu bieten. In dieser Zeit kann viel geschehen. Auch im Leben von Philip Bowman. Als junger Mann erfährt er das schreckliche Ausmaß des Zweiten Weltkriegs hautnah aus nächster Nähe – als Marine-Soldat im Pazifik. Er überlebt, während andere Kameraden ihr Leben ließen. Bowman kehrt zurück, studiert, findet eine Anstellung als Lektor in einem renommierten New Yorker Verlag und mit Vivian die erste Liebe seines Lebens. Was dann kommt sind Veränderungen, nichts bleibt, wie gedacht und erhofft – das Leben halt. Aber das gibt ausreichend Stoff für Romane, andere Werke beweisen es. Bestes Beispiel: die beiden herausragenden Bücher „Stoner“ von John Williams und „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler. Und nun James Salters Roman „Alles, was ist“, der mit seinem eindeutigen wie sicherlich auch diskussionsanregenden Titel – das Original ist mit „All That is“ überschrieben –  die Neugierde weckt. „Das Leben des Einen und der Anderen – James Salter „Alles, was ist““ weiterlesen