James Baldwin – „Giovannis Zimmer“

„Vielleicht begann in dem Sommer meine Einsamkeit, (…)“

Kein bereits verstorbener amerikanischer Schriftsteller scheint derzeit wohl wieder so öffentlich präsent zu sein wie James Baldwin. Die auf ihn gerichtete Aufmerksamkeit setzte indes bereits vor der aktuellen Debatte rund um Rassismus und dessen Folgen ein. Gefeiert wurde hierzulande seine Wiederentdeckung 2018, als sein stark autobiografisch geprägtes Debüt „Go Tell it on the Mountain“ aus dem Jahr 1953 in einer Neuübersetzung unter dem Titel „Von dieser Welt“ erschien. Nicht nur dem Rassenhass und der Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung widmete sich der Afroamerikaner in seinen Büchern. Mit „Giovannis Zimmer“, 1956 veröffentlicht, schrieb Baldwin eines der wohl frühesten und heutzutage bekanntesten Werke über Homosexualität, das nunmehr ebenfalls in einer Neuübersetzung aus der Feder der preisgekrönten Übersetzerin Miriam Mandelkow wieder zu entdecken ist.

„James Baldwin – „Giovannis Zimmer““ weiterlesen

Herbstlese(n) – Blick in die Vorschauen

Mit Blick in die im Frühjahr nach und nach veröffentlichten Vorschauen der verschiedenen Verlage ist ja schon seit einigen Wochen gefühlt wieder Herbst. Was uns die bunte Jahreszeit so bringt, stelle ich nach dem Durchstöbern der künftigen Programme an dieser Stelle vor. Welche kommenden Titel mein Interesse geweckt haben? Ich kann nur soviel sagen, es sind nicht wenige. Besonders auffällig: die Vielzahl an historischen Stoffen. Allgemein sollte nicht vergessen werden, dass durch die Absage der Leipziger Buchmesse und wegen einer Vielzahl fehlender Lesungen, die Frühjahrsbücher weniger Aufmerksamkeit erhalten haben, die sie allerdings vollauf verdient hätten. Deshalb lohnt sich ein bewusster Blick in die Vorschauen gleich doppelt.

„Herbstlese(n) – Blick in die Vorschauen“ weiterlesen

Dacia Maraini – „Die stumme Herzogin“

„Die Träume sind gewissermaßen wirklicher als die Wirklichkeit, wenn sie zu einem zweiten Leben werden (…).“

Was können uns historische Romane über ihre Einblicke in eine vergangene Zeit hinaus heute noch erzählen? Sind es nicht gerade besondere Persönlichkeiten und der Vergleich von Geschichte und Gegenwart, die dieses Genre so besonders reizvoll machen? Bereits 1990 erschien der Roman „Die stumme Herzogin“ der italienischen Schriftstellerin Dacia Maraini über eine besondere Frau, die im 18. Jahrhundert gesellschaftliche Tabus bricht – trotz ihres Geschlechts und ihrer Behinderung. Ein meisterhaftes Werk, das dank einer Neuausgabe nun wiederentdeckt werden kann.

„Dacia Maraini – „Die stumme Herzogin““ weiterlesen

Ann Petry – „The Street“

„Was würde die Straße aus ihr machen?“

Diese Stadt gilt als Inbegriff des amerikanischen Traums. In New York prallen die harschen Gegensätze wie in vielen anderen Metropolen, die zudem den Hauch eines Molochs verströmen, aufeinander, aber womöglich weitaus drastischer. Da ist das Finanzkapital in Form der Wall Street, dort sind die heruntergekommenen Armenviertel, wo der Aufstieg meist nur Fantasie bleibt, Gewalt und Kriminalität an der Tagesordnung sind. Mit „The Street“ hat die afroamerikanische Autorin Ann Petry (1908 – 1997) einen Roman geschrieben, der die verzweifelten Bemühungen einer jungen ehrgeizigen Frau schildert, die für ein besseres Leben für sich und ihren kleinen Sohn kämpft. Das Besondere: Dieses Buch ist bereits 1946 erschienen und es war das bis dato erfolgreichste Buch einer Afroamerikanerin. Es kann und sollte nun wiederentdeckt werden dank der deutschen Übersetzung.

„Ann Petry – „The Street““ weiterlesen

Jean Stafford – „Die Berglöwin“

„Die Berge aber trugen die Gefahr unübersehbar in ihren narbigen Gesichtern.“

Berglöwen, hierzulande besser bekannt unter dem Namen Puma, sind kräftige wie bewegliche Katzen. Sie gelten als Einzelgänger und scheu. Ihre Zahl wurde in Nord- und Südamerika vom Menschen drastisch reduziert. Die Ureinwohner des Kontinents schätzen sie, verbinden mit ihnen Stärke, Treue, Mut. „Die Berglöwin“ (im Original „The Mountain Lion“) heißt der 1947 erschienene Roman der amerikanischen Pulitzer-Preisträgerin Jean Stafford (1915 – 1979), den es dank einer Neuübersetzung nun neu zu entdecken gibt und in dem die schöne Katze eine symbolische Bedeutung erhält. „Jean Stafford – „Die Berglöwin““ weiterlesen

Henry Beston – „Das Haus am Rand der Welt“

„Man kann am Rande der Brandung stehen und eine ganze Welt studieren.“

Bücher über die Natur erleben seit einiger Zeit eine Hochkonjunktur. Neben der Vielzahl an Ratgebern erweckt auch das besondere Genre des Nature Writing das Interesse einer breiten Leserschaft. Wer sich damit eingehend beschäftigen will, kommt an einem Namen nicht vorbei: Henry Beston (1888 – 1968). In seinem Buch „Das Haus am Rand der Welt“ beschreibt er seine Erlebnisse, als er für ein Jahr zurückgezogen in einem Haus auf der Halbinsel Cape Cod an der Küste Massachusetts lebte. Sein eindrückliches Werk hält dem Leser nicht nur die Wandelbarkeit und Schönheit der Natur vor Augen. Es ist auch ein eindrucksvolles Plädoyer für den Schutz von Flora und Fauna.

„Henry Beston – „Das Haus am Rand der Welt““ weiterlesen