Nadia Bozak – „Der Junge“

„Wenn sie stehenbleibt, verbrennt sie.“

Verdorrtes, trockenes, leeres Land, wo die Hitze erbarmungslos brennt. Wer in der Wüste überleben will, braucht wie im ewigen Eis besondere Fähigkeiten, besonderes Wissen. Manch einer bezahlt seinen freiwilligen wie unfreiwilligen Ausflug mit dem Leben. Im Roman „Der Junge“ der kanadischen Schriftstellerin Nadia Bozak gibt es nicht nur Überlebende. Doch nicht nur die Wüste mit ihren Extremen fordert Opfer. Im Grenzland zwischen Mexiko und den USA herrschen weitere Gefahren – vor allem für die Einwanderer und deren Schleuser.

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Friedrich Ani – „Letzte Ehre“

„Der Zufall ist ein unterschätzter Magier.“

Verhämmerung: Das Wort lässt sich nicht im Duden finden und ist wohl nur all jenen bekannt, die sich fachlich mit Medizin oder Materialkunde beschäftigen. Verhämmerung: Man denkt unweigerlich an Kraft und Gewalt, Verformung und Zerstörung. Mehrfach und an einer Stelle zudem in Versalien geschrieben taucht dieses Wort in dem neuen Roman „Letzte Ehre“ von Friedrich Ani auf. Darin erzählt der mehrfach preisgekrönte Schriftsteller und Drehbuch-Autor von kalter, unerbittlicher und brutaler Gewalt von Männern an Frauen.    „Friedrich Ani – „Letzte Ehre““ weiterlesen

Ljuba Arnautović – „Junischnee“

„Einen Menschen ohne feste Wurzeln kann nichts halten.“

Als seine Tochter Nina geboren wird, pflanzt Fjodor einem alten Brauch nach einen Baum. Statt der traditionellen Birke greift er indes fälschlicherweise zu einer Pappel. Trotzdem sorgt der Baum für Freude, für ein alljährliches wiederkehrendes Ereignis: Junischnee heißt der weiße Flaum aus Pappelsamen im russischen Sommer und zugleich der neue Roman der österreichischen Autorin und Übersetzerin Ljuba Arnautović, mit dem sie an die wechselvolle Geschichte ihrer Familie erinnert, in die sich die Ereignisse des 20. Jahrhunderts eingeschrieben haben.  „Ljuba Arnautović – „Junischnee““ weiterlesen

Michael Connelly – „Night Team“

„Wenn man den Staub von einem alten Verfahren bläst, passieren manchmal schlimme Dinge.“

Los Angeles – Stadt der Reichen und Schönen, aber auch von Armut, Gewalt und Verbrechen geprägt. Die Metropole an der Pazifikküste zählt zu den Orten mit der höchsten Kriminalitätsrate in den Vereinigten Staaten und zu den Städten, die niemals schlafen.  In der berühmt-berüchtigten Nachtschicht, der sogenannten Late Show, arbeitet die junge Polizistin Renée Ballard. Eines Nachts sieht sie, wie sich ein ihr unbekannter grauhaariger Mann an den Aktenschränken im Departement zu schaffen macht. Es ist ihre erste Begegnung mit Harry Bosch, dem erfahrenen Ermittler. Doch es wird nicht ihre letzte sein. Ein noch ungeklärtes Verbrechen, ein sogenannter Cold Case, bringt die beiden Detectives zusammen. Wer ermordete vor neun Jahren die junge Prostituierte Daisy? Der zweite Band der neuen Ballard-Reihe aus der Feder des Amerikaners Michael Connelly gibt spannende Einblicke in die Polizeiarbeit und erzählt von zwei charismatischen Einzelgängern. „Michael Connelly – „Night Team““ weiterlesen

Tarjei Vesaas – „Die Vögel“

„Merkwürdig, wird man vielleicht erst klug, wenn es zu spät ist?“

Ein Haus auf dem Berg mit Blick auf das Meer, drumherum dichter Wald. Der Himmel ist klar und wolkenlos. Vor dem Haus sitzt Hege – und strickt. Es ist eine stille und ruhige Szene, die aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Wie viele andere Szenen auch aus dem mit dem Originaltitel „Fuglane“ 1957 erschienenen Roman „Die Vögel“, dem bekanntesten Werk des Norwegers Tarje Vesaas (1897 – 1970), das nun in einer deutschen Neuübersetzung entdeckt werden kann und sollte. Denn dieser Roman ist anders und sehr speziell – wie es auch der Held der Geschichte ist.      

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Tove Ditlevsen – „Kindheit“, „Jugend“, „Abhängigkeit“

„Es ist schwierig, bei sich zu bleiben, wenn die Dinge ringsherum ihr Gesicht ändern.“

Kein Werk wurde in diesem Frühjahr so oft und so überschwänglich landauf und landab besprochen wie die sogenannte Kopenhagen-Trilogie der Dänin Tove Ditlevsen (1917 – 1976). Gefüllt überfluteten Bilder und Meinungen die Social-Media-Kanäle; zünftig ausgestattet mit dem Hashtag #tovelesen. Feuilletons großer Tageszeitungen sowie beliebte Literatur-Sendungen kamen an dem dreibändigen autobiografischen Roman, der nun erstmals komplett ins Deutsche übersetzt wurde und zugleich in 16 weiteren Ländern erschienen ist, nicht vorbei.  Ein Hype, der gut in diese Zeit passt, in der das autobiografische beziehungsweise autofiktionale Schreiben großer Autoren noch immer viele Leser fasziniert, eine Wiederentdeckung, über die man sehr dankbar sein kann. „Tove Ditlevsen – „Kindheit“, „Jugend“, „Abhängigkeit““ weiterlesen