Kreuzende Lebenswege – Nicolas Dickner "Nikolski"

„Jede Sekunde, jeder Augenblick vollzog sich zum ersten und zum letzten Mal. Es war unmöglich, diesen Prozess zu unterbrechen, umzukehren oder eine Sicherheitskopie davon zu erstellen.“

Die Welt ist voller Bücher und voller Überraschungen. Manchmal kommt auch beides zusammen, überrascht ein Buch oder es gibt eine Überraschung mit einem besonderen Buch. Als ich in einer Bücherkiste in einem Freibad nach dem Roman „Nikolski“ von Nicolas Dickner griff und ihn wenig später auch las, erlebte ich nicht nur schöne Lesestunden, sondern auch eine wunderbare Überraschung. Der Name des Autors sagte mir bis dato nichts. Der Klappentext verhieß, dass es sich um einen Bestseller aus Kanada handelte. Nun gut, ab und an sollte man den Versprechungen der Verlage nicht unbedingt vertrauen. Aber in diesem Fall schon. „Kreuzende Lebenswege – Nicolas Dickner "Nikolski"“ weiterlesen

Dem Erzähler auf der Spur – Vladimir Nabokov "Das wahre Leben des Sebastian Knight"

„Nicht auf die Einzelteile kommt es mehr an, sondern auf ihre Verbindung.“

Klassiker und Werke honoriger Autoren haben es oft schwer. Meist sind sie abseits der obligatorischen Schullektüre verdammt, in verstaubten Regalen ebenfalls verstaubt zu sein. Von eigentlich treuen Lesern vergessen oder auch mit dem Makel behaftet, für Langeweile und allzu viel Anspruch zu sorgen. Schwere Kost heißt es da – in Erinnerung an jenen Werbespot mit zwei wohl bekannten Box-Brüdern, die sich mit einem dicken Band Puschkin „herumschlagen“. Mir fiel kürzlich der Roman „Das wahre Leben des Sebastian Knight“ von Vladimir Nabokov in die Hände. Eine spontane Entscheidung, die am Ende nicht bereut wurde. Im Gegenteil. „Dem Erzähler auf der Spur – Vladimir Nabokov "Das wahre Leben des Sebastian Knight"“ weiterlesen

Flucht – Antonio Muñoz Molina "Die Nacht der Erinnerungen"

„Begeisterung und Panik wogten wie parallele Welten durch die Hitze der Nacht, in einem Fieber von Karneval und Katastrophe.“

Das Chaos zerreißt sein bisheriges Leben. Ignacio Abel, ein anerkannter Architekt und Bauhaus-Schüler, sieht sich 1936 an einem Abgrund stehen. Der Krieg hat Spanien erfasst. Die Hauptstadt Madrid wird Schauplatz des Klassenkampfes, die Gewaltspirale dreht sich und fordert unzählige Opfer. Männer, Frauen und Kinder, die durch Bomben, Straßenkämpfe und Hinrichtungen getötet werden. Mittendrin Ignacio auf der Suche nach seiner Geliebten Judith, die er ein Jahr zuvor kennengelernt hatte. Die Amerikanerin ist spurlos verschwunden, nachdem Ignacios Frau Adela dessen heimliche Beziehung entdeckte hatte und nachfolgend einen Selbstmord verübte, den sie indes überlebte. Mit den zwei Kindern zieht sich Adela in das Wochenend-Haus in den Bergen zurück. Nicht nur die erkaltete Beziehung des Paares auch Adelas Freitod-Versuch und das kritische Verhältnis zwischen ihren Eltern und ihrem Bruder Victor zu Ignacio belastet diese Ehe. „Flucht – Antonio Muñoz Molina "Die Nacht der Erinnerungen"“ weiterlesen

Spatz auf Abwegen – Reif Larsen "Die Karte meiner Träume"

„Ist es möglich, den gesamten Inhalt der Welt zu sammeln? Und wenn man die ganze Welt in seiner Sammlung hat, ist es dann noch eine Sammlung?

Eine Buchbesprechung sollte immer dem Objekt angemessen sein. Über einen Klassiker in der schönsten Jugendsprache voller Anglizismen und Abkürzungen zu schreiben, würde dem Sprachgefühl des Autors wohl nicht gerecht werden. Ein Manga-Comic in Form eines Sonetts zu besprechen, ist auch der falsche Weg. Aber im Falle dieses Buches, um das an dieser Stelle geht, müsste ich Karten zeichnen, an den Seiten mit krakeliger Handschrift Kommentare versehen und lange Pfeile ziehen. Damit stoße ich jedoch an die Grenzen meiner Möglichkeiten. Deshalb versuche ich trotz allem, „Die Karte meiner Träume“ von Reif Larsen in der bekannten Art und Weise vorzustellen. Und zwar (leider) nur mit Worten. „Spatz auf Abwegen – Reif Larsen "Die Karte meiner Träume"“ weiterlesen

Schicksalhafter Wurf – Chad Harbach "Die Kunst des Feldspiels"

„Es war immer etwas Unnahbares in seinen Augen, wie bei einem Solisten, der so sehr eins mit der Musik ist, dass man nicht zu ihm durchdringt. Hierher könnt ihr mir nicht folgen, schienen die blauen Augen zu sagen. Ihr werdet niemals wissen, wie das ist.“

Er galt als dürrer und unscheinbarer Sonderling. Nichts sprach für eine große Zukunft, geschweige denn für eine herausragende Karriere als Baseball-Spieler. Bis er eines Tages entdeckt wird. Mike Schwartz, Spieler am Westish-College, sieht Henry Skrimshander und erkennt dessen einzigartige Begabung als Shortstop. Er wirft nicht nur zielsicher, er erkennt schon früh die Bahn des Balles, um schnell reagieren zu können. Schwartz holt Henry an das College und in die Mannschaft, die fortan den Meisterschaftskurs einschlägt . Henry wird zu einem Star in der College-Szene, umkreist von Agenten, die ihn verlockende Angebote unterbreiten. Doch während eines Spieles geschieht ein Unglück: Henry trifft mit dem Ball seinen Zimmerkollegen Owen, der vertieft in einen Schmöker auf der Mannschaftsbank sitzt. „Schicksalhafter Wurf – Chad Harbach "Die Kunst des Feldspiels"“ weiterlesen

Fjord als Seelenlandschaft – Jan Kjærstad "Der Entdecker"

„Was ist die wichtigste Triebkraft in meinem Leben? Ich glaube, ich weiß es. In die Tiefe zu wirken. Etwas Einfaches finden, das große Folgen hat.

Nach den Jahren im Gefängnis kehrt er zurück. Jonas Wergeland, die berühmteste Fernsehgestalt Norwegens. Mit seiner Serie „Groß denken“, in denen er die bekanntesten Personen seines Heimatlandes – von Amundsen bis Ibsen – porträtiert hat, bannte er mit jeder Sendung eine ganze Nation an den Fernsehschirm. Nun ist er in Vergessenheit geraten. Unschuldig hat er im Gefängnis ausgeharrt, für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Er nahm die Schuld für den Tod seiner Frau Margrete auf sich, die sich mit der Pistole das Leben nahm. Unerkannt reist er nun mit seiner Tochter auf einem Schiff den Sognefjord entlang.

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