Geschichte (n) – Bernd Wagner „Die Sintflut in Sachsen“

„Gerade der Rhythmus der Worte erzeugte in mir eine unbekannte Art von Rausch (…).“

Wurzen – die Stadt an der Mulde. Bekannt für Joachim Ringelnatz, Kekse und Kurzkoch-Reis; der Milchreis ist im Übrigen sehr empfehlenswert. Wurzen ist die Große Kreisstadt des Landkreises Leipzig, die Messestadt mit ihrem Trubel ist also sehr nah, sowie die Geburtsstadt des Schriftstellers Bernd Wagner. Hier kommt er 1948, drei Jahre nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg, zur Welt, hier wächst er auf und verbringt Kindheit und Jugend. Sowohl dieser sächsischen Stadt in der Provinz als auch der Geschichte seiner Familie widmet er sich auf sehr persönliche Weise in seinem aktuellen und autobiografischen Roman „Die Sintflut in Sachsen“. „Geschichte (n) – Bernd Wagner „Die Sintflut in Sachsen““ weiterlesen

Vom Leben und Tod – Madame Nielsen „Der endlose Sommer“

„(…) dass nicht das Leben ein Traum ist, nein, die Sprache ist es, die Erzählung, diese ganze Geschichte (…).“

Der Mensch braucht die Dinge der Welt mit klaren Konturen, voneinander abgegrenzt. Unschärfe erschwert das Betrachten, das Verstehen. Ein verschwommenes Flimmern und Flirren hat etwas Faszinierendes, aber zugleich auch etwas Rätselhaftes an sich. Der schmale wie einzigartige Roman „Ein endloser Sommer“ der dänischen Künstlerin und Autorin Madame Nielsen verlangt Zeit für die Lektüre und Offenheit für Experimente. Wer dies geben kann, wird reich belohnt. „Vom Leben und Tod – Madame Nielsen „Der endlose Sommer““ weiterlesen

Von der Vergänglichkeit – Daniel Galera „So enden wir“

„Es war die diffuse Angst vor dem unabwendbaren langsamen Ersticken, nach dem nichts mehr übrig blieb.“

Was bleibt, wenn wir gegangen sind? Eine Frage, der sich wohl nur die wenigsten von uns stellen. Das Leben erfüllt uns, umgibt uns. Der Tod ist gefühlt und gedacht in weiter Ferne – glauben wir. Völlig überraschend und noch jung an Jahren stirbt Andrei Dukelsky, von allen nur Duke genannt, ein Nachfahre jüdischer Einwanderer. Er wird das Opfer eines Raubüberfalls in Porto Allegre. Seine Fangemeinde und seine drei Freunde Aurora, Emiliano und Antero trauern, die sozialen Netzwerke sind überfüllt mit floskelhaften Beileidsbekundungen. Denn Duke galt als Schriftstellertalent, auf dem die Hoffnungen vieler Generationen lagen. Der Star, der mit dem Internet berühmt geworden ist, und eine vergangene Zeit stehen im Mittelpunkt des neuen Romans „So enden wir“ von Daniel Galera.    „Von der Vergänglichkeit – Daniel Galera „So enden wir““ weiterlesen

Schmerz und Vergebung – Fernando Aramburu „Patria“

„Nichts wollte ich im Leben weniger als hassen.“

Es ist ein regnerischer Nachmittag, die Straßen sind leer. Keiner ahnt, dass es nur wenige Sekunden sind, die das Leben von zwei Familien für immer verändern werden. Der Fuhrunternehmer Txato wird in seinem baskischen Heimatdorf mit gezielten Schüssen getötet. Zeugen gibt es nicht. Doch schnell wird bekannt, wer hinter dem Mord steckt: die ETA. Verdächtigt wird Joxe Mari, Sohn von Miren und Joxian, die Freunde von Txato und seiner Frau Bittori sind. Beziehungsweise waren. Denn nach dem Attentat ist nichts mehr, wie es einmal war. Welche Folgen konkret diese Tat und allgemein der Terrorismus hat, erzählt der Spanier Fernando Aramburu in seinem meisterhaften Roman „Patria“.

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Jesmyn Ward „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“

„Hier ist von Glück keine Spur.“

Ein Blick auf die Liste der Gewinner des National Book Awards macht eines deutlich: Es gibt nicht viele Schriftsteller, die diese neben dem Pulitzerpreis renommierteste literarische Auszeichnung in den USA gleich mehrfach erhalten haben. Dazu zählen Autoren mit Rang und Namen wie William Faulkner, Philip Roth, John Updike oder Saul Bellow, deren Werke heute zu den Klassikern der amerikanischen Literatur zählen. Doch nur eine Frau ist dies ebenfalls gelungen: Jesmyn Ward. Nach ihrem Roman „Vor dem Sturm“ (Verlag Antje Kunstmann)  bekam sie für ihr aktuelles Werk „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ erneut den Award. Und das zu Recht. „Jesmyn Ward „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt““ weiterlesen

Bilder – Attila Bartis „Das Ende“

„Im Grunde gibt es nichts, das dem Tode näher wäre als das Fotografieren.“

Wir versuchen, uns der Welt nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern zu nähern. Ein für uns bedeutenden Moment gilt es festzuhalten – mit dem Smartphone, der Kamera, dem Gedächtnis. Obwohl man sich sicherlich fragen kann und sollte, welche Beziehung die Fotografie und das Gedächtnis zueinander eingehen. András Szabad, Held und Ich-Erzähler in dem neuen Roman von Attila Bartis, ist Fotograf und zugleich Chronist seines eigenen Lebens, der von seinen vielen Leidenschaften, seinen Erlebnissen und seinen Schicksalsschlägen berichtet.  „Bilder – Attila Bartis „Das Ende““ weiterlesen