On the road – Bill Beverly „Dodgers“

„(…) jedes bisschen Luft ein Rätsel, jede Person ein zukünftiges Ereignis.“

Man ist sogleich mittendrin: Der Hubschrauber kreist in der Luft, ein Heer aus Polizeiwagen rast heran. Ein Mädchen ist zur falschen Zeit am falschen Ort und wird diesen Tag nicht überleben. Ungläubig beobachtet East diese Zusammenballung merkwürdiger Ereignisse, die ihn zu einem Gejagten machen. East ist gerade mal 15 Jahre alt und kein großer, aber auch kein kleiner Fisch im Drogengeschäft von Los Angeles. Bis zu jener Razzia, die sein Leben verändern wird. In seinem eindrucksvollen Debüt hat der Amerikaner Bill Beverly einen ambivalenten Helden geschaffen, den man so schnell nicht vergisst.

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Allein – Emily Fridlund „Eine Geschichte der Wölfe“

„Was ist der Unterschied zwischen dem, woran man glauben will, und dem, was man tut?“

Ein Wald in Minnesota. Eine Hütte, eine Familie. Die nächste Stadt ist einige Kilometer entfernt, die nächste Familie wohnt am anderen Ufer des Sees. Linda sieht sie, die Zugezogenen, die Neuen im Wald. Frau und Kind, später kommt der Vater noch hinzu. Schnell findet die 14-Jährige Kontakt zu dem kleinen Paul und seinen Eltern, gewinnt ihr Vertrauen, wird die Babysitterin des kleinen Jungen. Doch genauso schnell bemerkt sie, dass mit der Familie etwas nichts stimmt, obwohl sie selbst nicht unbedingt „normal“ ist, in der Schule auch Freak genannt wird. Die Amerikanerin Emily Fridlund breitet in ihrem eindrucksvollen Debüt „Eine Geschichte der Wölfe“ eine Story aus, deren Inhalt noch immer brisant ist und psychologisch beklemmend erzählt wird.  „Allein – Emily Fridlund „Eine Geschichte der Wölfe““ weiterlesen →

Wellenreiter – William Finnegan „Barbarentage“

„Doch Wellen tanzen zu einer endlos komplexen Melodie.“

Mit zehn Jahren sieht er die ersten Wellenreiter, mit elf erhält er das erste Surfbrett geschenkt. Es ist größer als er selbst, doch es wird sein Leben von grundauf verändern und es auch die kommenden Jahre und Jahrzehnte bestimmen. In dieser Zeit lernt William Finnegan die Welt und zahlreiche wunderschöne und einsame, aber auch gefährliche Surfspots kennen, an denen eine falsche Bewegung, eine falsche Einschätzung der Welle und ihre bestimmenden Faktoren das Leben kosten kann. Über seine Leidenschaft hat der amerikanische Journalist ein Buch geschrieben, das jedoch mehr ist als ein Buch über das Surfen und eine Autobiografie und für das er zu Recht im Jahr 2016 den renommierten Pulitzerpreis erhalten hat. „Wellenreiter – William Finnegan „Barbarentage““ weiterlesen →

Held Nelson – Nickolas Butler „Die Herzen der Männer“

„Die Helden haben sich immer von ihrem Herzen leiten lassen und die Feiglinge von ihrem Verstand.“

Es ist eine besondere Gemeinschaft mit besonderen Regeln: die Bewegung der Pfadfinder. Abseits vom gewohnten Zuhause und mitten in der wilden Natur kommen Kinder und Jugendliche zusammen, um praktische wie soziale Fähigkeiten zu erlernen. Für viele ist diese Gemeinschaft prägend für das weitere Leben. Der amerikanische Schriftstellerin Nickolas Butler, hierzulande bekannt geworden mit seinem Buch „Shotgun Lovesongs“, stellt diese in den Mittelpunkt seines neuen Romans „Die Herzen der Männer“ und erzählt von Jungen, die zu Männern werden und sich bewähren müssen, und von Frauen, die ihnen stets zur Seite stehen. „Held Nelson – Nickolas Butler „Die Herzen der Männer““ weiterlesen →

Im Abseits – Arthur Miller „Fokus“

„Woher kam ihm plötzlich dieses Grauen?“

Der erste Eindruck entscheidet. Eine Wendung, die uns wohl ein Leben lang begleitet, die zugleich zeigt, welche Bedeutung dem Äußeren in unserer Gesellschaft beigemessen wird, obwohl diese allzu bekannten Worte nicht nur auf das äußere Erscheinungsbild, sondern auch auf das Verhalten eines Menschen anspielt. Es braucht nur wenig, um einen Menschen für den Blick anderer zu verändern; manchmal nur eine Brille. Im Fall von Lawrence Newman wandeln die Gläser, die er beginnt zu tragen, sein ganzes Leben. Der Personalchef eines großen New Yorker Unternehmens muss einen wirtschaftlichen, sozialen und privaten Absturz erfahren – weil er mit der Brille für einen Juden gehalten wird. In seinem einzigen Prosawerk „Fokus“, nun in einer prächtigen Ausgabe in der Edition Büchergilde erschienen, erzählt der große amerikanische Schriftsteller und Pulitzerpreisträger Arthur Miller diese beklemmende Geschichte über die verschiedenen Formen von Antisemitismus und Rassismus in seinem Land.  „Im Abseits – Arthur Miller „Fokus““ weiterlesen →

Jesmyn Ward „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“

„Hier ist von Glück keine Spur.“

Ein Blick auf die Liste der Gewinner des National Book Awards macht eines deutlich: Es gibt nicht viele Schriftsteller, die diese neben dem Pulitzerpreis renommierteste literarische Auszeichnung in den USA gleich mehrfach erhalten haben. Dazu zählen Autoren mit Rang und Namen wie William Faulkner, Philip Roth, John Updike oder Saul Bellow, deren Werke heute zu den Klassikern der amerikanischen Literatur zählen. Doch nur eine Frau ist dies ebenfalls gelungen: Jesmyn Ward. Nach ihrem Roman „Vor dem Sturm“ (Verlag Antje Kunstmann)  bekam sie für ihr aktuelles Werk „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ erneut den Award. Und das zu Recht. „Jesmyn Ward „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt““ weiterlesen →