Claire Lombardo – „Der größte Spaß, den wir je hatten“

„Man ist nicht der Grund für das Glück der Eltern, sondern dafür zuständig, dass sie trotzdem glücklich sind.“

Ein gesundes Bauchgefühl kann uns vor schlechten Entscheidungen bewahren. Unser Instinkt schützt uns davor, in gewissen Situationen etwas Falsches zu machen und unter anderem auch davor – der Leseerfahrung sei dank – ein Buch in die Hand zu nehmen, Zeit mit ihm zu verbringen und zu vergeuden, das uns nicht gefallen wird. Da war dieser dicke Roman. Ein Debüt, das Buch einer jungen Amerikanerin. Auf dem Umschlag lobende Worte, sogar von dem mir sehr geschätzten Pulitzer-Preisträger Richard Russo. Ich war skeptisch! Schob die Lektüre vor mir her. Bis ich „Der größte Spaß, den wir je hatten“ von Claire Lombardo schließlich doch las und die Erfahrung machte, dass das Bauchgefühl manchmal auch komplett daneben liegen kann. „Claire Lombardo – „Der größte Spaß, den wir je hatten““ weiterlesen →

Rachel Kushner „Ich bin ein Schicksal“

„Nach und nach wurde mir das Leben ausgesaugt.“

W314159. Romy Leslie Hall ist nicht mehr als eine Nummer im Frauengefängnis von Stanville, eine Fallakte im amerikanischen Justiz-System. Sie war Stripperin in einer Bar, kannte sich mit Drogen aus, sie ist Mutter eines Sohnes und sitzt nun ein: zweimal lebenslänglich. Sie wird hinter Gittern sterben, weil sie ihren Stalker getötet hat. Die Amerikanerin Rachel Kushner, die für ihren 2015 in deutscher Übersetzung erschienenen Roman „Flammenwerfer“ gefeiert und gelobt wurde, rückt mit ihrem neuesten Werk „Ich bin ein Schicksal“ nicht nur eine einzelne Frau in den Mittelpunkt. Es ist ein eindrückliches Buch über Amerikas verlorenen Ruf, das längst nicht mehr als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erscheint.

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Sue Hubbell „Leben auf dem Land“

„In der Stadt nennt man mich die Bienenfrau. Was könnte ich anders sein.“

Unser Leben wird zunehmend technisierter und hektischer. Es scheint sich von der Natur und ihren Regeln zu entfernen, ja abzuwenden. Wir scheinen die Verbindung zu ihr zu verlieren. Die Urbanisierung schreitet fort: Die Menschen ziehen in die Stadt, ganze Landstriche veröden. Doch seit einiger Zeit ist ein Gegentrend zu spüren. Familien entscheiden sich wieder für ein Leben auf dem Land. In Städten entstehen zahlreiche Gärten, die liebevoll gepflegt werden, findet auch die Imkerei mehr und mehr Zuspruch. Man kann es als Rückbesinnung bezeichnen, die schon einige Zeit vor dem aktuellen Diskurs zum Umweltschutz ihren erfreulichen Lauf nahm. Nicht nur Ratgeber jeglicher Art feiern weiterhin eine Hochkonjunktur. Die literarische Gattung des Nature Writing und die Werke ihrer Vertreter werden zunehmend wiederentdeckt. Wer sich mit diesen beschäftigen will, kommt an dem wundervollen Buch „Leben auf dem Land“ der Amerikanerin Sue Hubbell einfach nicht vorbei.

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Maya Angelou „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“

„Was immer Schwarze anderen Schwarzen gaben, der Spender hatte es ebenso bitter nötig wie der Empfänger.“ 

Es gibt Bücher, die bleiben im Gedächtnis von Generationen. Ihr jeweiliger Name und ihre Bedeutung werden weiter getragen. Ein gewisser, unbeschreiblicher Glanz umgibt sie. Und trotz ihres Ruhmes gibt es noch immer Leser, die noch nicht der großen Fangemeinde angehören. Ich selbst lernte Maya Angelou und ihr Buch „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“ überhaupt erst dank zweier Zufälle kennen. Den Band entdeckte ich beim Stöbern in meiner Lieblingsbuchhandlung. Doch bekanntlich müssen gekaufte Bücher bis zur ihrer Lektüre oftmals ein wenig schmoren; es braucht den günstigen Zeitpunkt, die günstige Stimmung oder eben einen bestimmten Anlass. Der kam recht schnell mit dem Start des virtuellen Lesekreises #54reads, der das Werk der Afroamerikanerin zur Januar-Lektüre bestimmt hatte. „Maya Angelou „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt““ weiterlesen →

Von Leid und Hoffnung – Sebastian Barry „Tage ohne Ende“

„Schätze mal, letzten Endes ist das Land der Verheißung in Grautöne gehüllt.“

Der Wildwestroman hat es noch immer schwer, als anspruchsvolle Literatur wahrgenommen zu werden. Abgesehen von großen Namen wie James Fenimore Cooper und Jack London, und obwohl es in den vergangenen Jahren mit Antonin Varennes Roman „Äquator“ und die Wiederentdeckung von „Butchers Crossing“ von John Williams schon herausragende Titel gegeben hat, an die ich an dieser Stelle gern erinnern möchte. Denn allzu eng ist dieses Genre noch immer mit den dünnen Heftchen verknüpft, die in Bahnhofsbuchhandlungen, Supermärkten und am Kiosk verramscht werden. Der irische Schriftsteller und Dramatiker Sebastian Barry legt mit seinem neuen Werk „Tage ohne Ende“ Maßstäbe und beweist, dass eine große Geschichte im historischen Amerika und große Poesie durchaus zueinander finden können. „Von Leid und Hoffnung – Sebastian Barry „Tage ohne Ende““ weiterlesen →

Welt der Waffen – Jennifer Clement „Gun Love“

„Irgendwer hatte immer den Finger am Abzug.“

Der Zustand eines Landes lässt sich oft in den Medien sowie in den Werken aus Kunst und Kultur ablesen. Das sind Zeitungen, Rundfunk und Blogs, das sind aber auch Romane, die die Atmosphäre und ein Stimmungsbild einfangen. Mit „Gun Love“ legt die amerikanische und mehrfach ausgezeichnete Autorin Jennifer Clement einen Roman vor, dessen Titel nicht nur das Geschehen trefflich in nur zwei Wörtern beschreibt. Er schildert in all seiner schier herzergreifenden Tragik und Melancholie von Waffenhysterie und Waffengewalt, die vor keiner Generation und keinem gesellschaftlichen Status Halt macht. „Welt der Waffen – Jennifer Clement „Gun Love““ weiterlesen →