Una Mannion – „Licht zwischen den Bäumen“

„Alles Schöne ging vorüber.“

Der Roman beginnt mit einer Szene, die schon auf den ersten Seiten eine böse Vorahnung wecken und vermutlich vor allem Eltern erschauern lässt. Faye Gallagher ist im Auto mit ihren fünf Kindern auf dem Weg nach Hause. Es ist der letzte Schultag vor den Sommerferien. Es kommt im dicht besetzten Wagen zum Streit. Die Mutter lässt daraufhin in ihrem unerbittlichen Zorn ihre Tochter Ellen aussteigen. Es sind noch mehrere Kilometer nach Valley Forge Mountain zu fahren, die Dämmerung setzt allmählich ein. Die Straße ist umgeben von Wald. Es kommt, wie es kommen muss. Ellen geschieht etwas Schreckliches – und das ist erst der Beginn des eindrücklichen Romandebüts der in Irland lebenden amerikanischen Schriftstellerin Una Mannion.    „Una Mannion – „Licht zwischen den Bäumen““ weiterlesen

Per Petterson – „Männer in meiner Lage“

„(…) denn alles, was ich an Dunkelheit hatte, drückte von innen gegen die Wände und füllte den Raum (…).“

Als sie in Oslo die Fähre in Richtung Frederikshavn bestiegen, konnte keiner der 383 Passagiere und 99 Besatzungsmitglieder an jenem 7. April 1990 ahnen, dass ihre folgende Fahrt über das Skagerrak in eine verheerende Katastrophe münden würde. Bei einem Brand auf der „Scandinavian Star“ starben an jenem Tag 159 Menschen. Darunter die Eltern und der jüngste Bruder des norwegischen Schriftstellers Per Petterson.  Nach seinem bereits im Jahr 2007 in deutscher Übersetzung erschienenen Roman „Im Kielwasser“ verarbeitet er auch in seinem jüngsten Buch „Männer in meiner Lage“ das Drama und den Verlust, den er damals als 38-Jähriger erfahren musste.  „Per Petterson – „Männer in meiner Lage““ weiterlesen

Matthias Jügler – „Die Verlassenen“

„Das letzte Mal habe ich meinen Vater im Juni 1994 gesehen.“

111 Kilometer – das ist in etwa die Entfernung von Leipzig nach Erfurt oder von Leipzig nach Dresden. Diesen Umfang erreichen die Akten, die im Stasi-Unterlagen-Archiv zur Recherche lagern. Weitere 60 Kilometer waren nach der Wende unsortiert gefunden worden und sind noch immer nicht vollständig erschlossen. Mehr als 7,3 Millionen Menschen haben bisher Anträge auf Akten-Einsicht gestellt; zahlenmäßig ist das nahezu die Hälfte der damaligen Bevölkerung in der DDR. Der Geheimdienst war tief in der Gesellschaft verankert und hat das Leben von unzähligen Familien zerstört oder für immer verändert. Welche Folgen die Repressalien der Stasi und ihre Spitzel-Tätigkeiten auf die nächsten Generationen und sogar bis in die Gegenwart haben, erzählt der berührende Roman „Die Verlassenen“ von Matthias Jügler. „Matthias Jügler – „Die Verlassenen““ weiterlesen

Marieke Lucas Rijneveld – „Was man sät“

„Taff sein beginnt mit dem Unterdrücken der Tränen.“

Ihr kindlicher Wunsch erfüllt sich. Eine Tragödie bricht über die Familie herein, nach der nichts mehr ist, wie es einst war. Statt des kuschligen Kaninchens Dieuwertje, das vom Vater gemästet wird, stirbt der große Bruder. Kurz vor dem Weihnachtsfest. Das Eis, auf dem er unbekümmert Schlittschuh läuft, trägt Matthies nicht. Aus sechs werden fünf, bleiben fortan ein Stuhl am Esstisch und ein Kinderzimmer für immer leer. Wie der junge niederländische Autor Marieke Lucas Rijneveld über Trauer, Schmerz und Schuld, über die Kehrseiten der Religion sowie über menschliche Kälte und Gewalt in ihrem Roman „Was man sät“ schreibt, ist imponierend, wenn nicht sogar unvergesslich. „Marieke Lucas Rijneveld – „Was man sät““ weiterlesen

Stumm – Linda Boström Knausgård „Willkommen in Amerika“

„Die Sprache nahm das Licht mit. Es tanzte nicht mehr über die Wände der Wohnung.

Tragische Ereignisse lassen einen verstummen. Die elfjährige Ellen spricht kein Wort mehr, seitdem ihr Vater gestorben ist. Ein bizarres Schuldgefühl quält das Mädchen. Doch das Leben in der Familie geht weiter, und zwischen der Trauer und Melancholie mischt sich wieder etwas Helligkeit, weil auch das Miteinander die Familie trägt. Über all das lässt Linda Boström Knausgård in ihrem Roman „Willkommen in Amerika“ Ellen berichten – auf eindrückliche Weise.

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Kämpfen – Tomas Espedal „Biografie, Tagebuch, Briefe“

„Mein einziger Wunsch: schreiben.“ 

Vor nur wenigen Tagen erschien mit „Kämpfen“ der Abschlussband des autobiografischen Projektes „Min kamp“ des norwegischen Autors Karl Ove Knausgård in deutscher Übersetzung. Dieser einfache wie aussagekräftige Titel wäre auch passend für das jüngste Werk von dessen Kollegen, Landsmann und Freund Tomas Espedal gewesen. „Biografie, Tagebuch, Briefe“ ist ein großartiges literarisches und sehr persönliches Zeugnis über Schmerz und innere Wunden, was einen letztlich am Leben erhält und was es bedeutet.

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