Sorj Chalandon – „Verräterkind“

„Aber was warst du dann, Papa?“

Als der gefürchtete Ex-Gestapo-Chef Klaus Barbie im Frühjahr und Sommer 1987 im Lyoner Justizpalast auf der Anklagebank sitzt, hat Sorj Chalandon, Auslandskorrespondent der französischen Tageszeitung Libération, in den Reihen der akkreditierten Reporter Platz genommen. Sein Vater verfolgt die öffentlichen Gerichtsverhandlungen als Zuschauer. Die Resonanz auf den Prozess ist riesig. Derweil eskaliert zwischen Vater und Sohn ein Konflikt. Chalandon erhält Informationen über die Vergangenheit seines Vaters, der über seine Rolle im Zweiten Weltkrieg seine Familie belogen hat. Mit seinem neuen autofiktionalen Roman „Verräterkind“ führt der Franzose sowohl in die 80er-Jahre und in die Zeit der deutschen Besatzung als auch in seine eigene Familiengeschichte.

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Steffen Schroeder – Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor

„Die Welt ist ein Paradox. Und alles ist möglich.“

Sie gelten als die klügsten Köpfe, zählen zu den bekanntesten Wissenschaftlern ihrer Zeit. Ihre Söhne sind hingegen eingesperrt hinter dicken Mauern. Erwin Planck wird als Widerständler im Zuge des 20. Juli 1944 im Gefängnis Tegel inhaftiert. Eduard Einstein ist Patient der psychiatrischen Anstalt Burghölzli in Zürich. Mit seinem berührenden wie komplexen Roman „Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor“ erzählt der Autor und Schauspieler Steffen Schroeder von zwei berühmten Vätern und ihren besonderen Söhnen – und einer dunklen Zeit.

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Stefan Hertmans – „Der Aufgang“

„Vielleicht möchte man durch den Besuch eines Ortes der Erinnerung, selbst wenn die Erinnerung nicht die eigene ist, den Lauf der Geschichte für einen Augenblick aufhalten.“

Ein Tag im Spätsommer 1979 in Gent: Während eines Spaziergangs durch das Stadtviertel Patershol entdeckt Stefan Hertmans ein historisches Patrizierhaus. Wenig später erwirbt er das Gebäude; obwohl es kein Palast, sondern verwinkelt, kalt und feucht ist, und Hertmans damals gerade mal 28 Jahre alt und knapp bei Kasse ist. Was er damals noch nicht ahnen konnte – in dem Haus wohnte einst der berüchtigte SS-Offizier Willem Verhulst mit seiner Familie. Der Autor begibt sich auf die Spuren der Vorbewohner, seine Recherche-Ergebnisse, literarisch verarbeitet, münden schließlich in sein meisterhaftes Buch „Der Aufgang“.  „Stefan Hertmans – „Der Aufgang““ weiterlesen

Maggie Shipstead – „Kreiseziehen“

„Die Antarktis ist eine Trickbetrügerin.“ 

In einer roten Lockheed Vega 5B überquert sie 1932 im Alleinflug den Atlantik. Bei dem Versuch, die Welt zu umrunden, verunglückt sie 1937 auf einer der letzten Etappen im Pazifik. Die US-Amerikanerin Amelia Earhart zählt zu den großen Flugpionierinnen ihrer Zeit. Wie auch ihre Landsmänninnen Harriet Quimby und Jacqueline Cochran sowie die deutschen Pilotinnen Elly Beinhorn, Amelie Beese und Marga von Etzdorf. In ihrem Roman „Kreiseziehen“ erzählt die US-amerikanische Autorin Maggie Shipstead von einer Frau, die schon als Kind den Traum hatte zu fliegen, die letztlich sich zwischen den Wolken sicherer fühlte, als mit den Beinen auf der Erde, wo sie stets nach Anerkennung, Liebe und ihren Lebensweg suchte. „Maggie Shipstead – „Kreiseziehen““ weiterlesen

Ralf Rothmann – „Die Nacht unterm Schnee“

„Das Normale, das war das Grauen.“ 

Er wird in den letzten Kriegsmonaten als Jugendlicher von der Waffen-SS zwangsrekrutiert, sie auf der Flucht aus Ostpreußen von russischen Soldaten gefangen gehalten und mehrfach missbraucht. Das spätere gemeinsame Leben von Walter und Elisabeth ist ein hartes, von schwerer Arbeit und Entbehrungen, von ihren traumatischen Erinnerungen geprägtes. Mit „Die Nacht unterm Schnee“ hat Ralf Rothmann seiner Trilogie über den Zweiten Weltkrieg einen fulminanten Abschluss gesetzt. Mit einem Roman, der tief berührt – nicht nur, weil der Schriftsteller damit die Geschichte seiner Eltern erzählt.

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Christiane Hoffmann – „Alles, was wir nicht erinnern“

„Ich gehe den Weg Deiner Entwurzelung, unser aller Entwurzelung.“

Zu Fuß. Allein. 558 Kilometer weit. Begleitet von Erinnerungen und der Familiengeschichte. Am 22. Januar 2020 begibt sich die Journalistin und Autorin Christiane Hoffmann auf eine monatelange Tour. Der Startpunkt: der kleine schlesische Ort Rózyna, der früher Rosenthal hieß. Hier wuchs ihr Vater auf, der noch Kind war, als seine Familie die Flucht antrat – an einem 22. Januar 1945. Mit „Alles, was wir nicht erinnern“ erzählt sie ihre Erlebnisse auf den Spuren ihres Vaters und der Familie, die wenige Monate vor Kriegsende ihre Heimat verloren hat und nie wirklich angekommen ist. Ein Buch, das über die berührende Familiengeschichte hinaus auch auf die Folgen von Krieg und Flucht hinweist.

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