Sie ist eine der beliebtesten Fotomotive in den USA, doch tragischerweise auch ein bekannter Ort, an dem Menschen ihrem Leben ein Ende setzen wollen: die Golden Gate Bridge in San Francisco. An einem sonnigen Junitag in den Morgenstunden kurz nach dem Aufstehen radelt Tristan Bloch zur Brücke. Mit einem letzten Gedanken an seine Mutter und „ohne jeden Schmerz, ohne jede Traurigkeit“ stürzt er sich in die Tiefe. Die Küstenwache findet später seine Leiche. Tristan ist gerade mal 13 Jahre alt, von den anderen Schülern an seiner Schule belächelt und Opfer einer fiesen Mobbing-Intrige. Sein Tod wird bereits auf Seite 53 des Romans „Der gefährlichste Ort der Welt“ erzählt. Wer glaubt, dass in dem Buch die amerikanische Autorin Lindsey Lee Johnson damit schon alles geschildert hat, der irrt gewaltig. Denn mit diesem tragischen Ereignis fängt die Geschichte erst an, ihre eindrucksvolle Wirkung zu entfalten. „Lindsey Lee Johnson – „Der gefährlichste Ort der Welt““ weiterlesen
Kategorie: Bücher
Der Zeit voraus – Klaus Cäsar Zehrer „Das Genie“
„Man hat nur die Wahl, an der Masse zugrunde zu gehen oder an der Einsamkeit.“
Bereits als Kleinkind im Alter von nur 18 Monaten liest er tagtäglich die Zeitung, mit vier Jahren bringt er sich Latein und Griechisch bei, weitere Sprachen folgen. Als Zehnjähriger stellt er Studenten der renommierten Harvard-Universität seine eigene Theorie der vierten Dimension vor. William James Sidis (1898 – 1944) war ein Wunderkind, der damit schon früh das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen hat, von der Presse bis zu seinem frühen Tod regelrecht verfolgt wurde. Nach dem dänischen Autor Morton Brask, der in seinem Roman „Das perfekte Leben des William Sidis“ (Nagel & Kimche) bereits den Amerikaner in den Mittelpunkt stellt, erzählt nun auch Klaus Cäsar Zehrer in seinem Debüt „Das Genie“ vom filmreifen Aufstieg und Fall des Wunderkindes. „Der Zeit voraus – Klaus Cäsar Zehrer „Das Genie““ weiterlesen
Erling Kagge „Stille“
„Die Stille ist eher eine Idee. Ein Gefühl. Eine Vorstellung.“
Wenn ich gerade in diesen Momenten diesen Beitrag schreibe, ist das leise Klacken der Tasten meines Notebooks zu hören, der Lüfter des mobilen Computers, der auf meinem Schoss liegt, rauscht. Ich sitze auf dem Sofa, das leise knarrt, wenn ich mich bewege, um mich über das Buch zu beugen, das neben mir liegt und Inhalt dieser Besprechung ist. Der Umschlag des Bandes ist bis auf die dünnen schwarzen Lettern, die auf Titel, Autor und Verlag verweisen, ganz in Weiß gehalten. Befreit man das Buch von seiner äußersten Papierhülle, wird ein buntes Bild sichtbar: der Blick auf eine stark befahrene Kreuzung. Eine besonders gelungene Umsetzung des Inhalts. Denn in seinem Band „Stille“ berichtet Verleger und Weltenbummler Erling Kagge, dass Stille nicht nur die Abwesenheit von Geräuschen ist. Sie ist auch dort zu finden, wo es niemals leise ist. „Erling Kagge „Stille““ weiterlesen
Hass – Omar El Akkad „American War“
„Im Krieg kämpft man mit Waffen, im Frieden mit Geschichten.“
Amerika ist geteilt in Nord und Süd, ein erbitterter Krieg herrscht. Einst so schillernde Küstenstädte sind vom Meer überspült, das vom Sturm zerzauste Washington hat seinen Hauptstadt-Titel und den Regierungssitz an die früher einst unbedeutende Stadt Columbus (Ohio) verloren. Zwischen dem heutigen Jetzt und diesem erschütternden Zukunftspanorama des Amerikaners Omar El Akkad liegen nur wenig mehr als 60 Jahre. Sein Roman-Debüt „American War“ erweckt den Eindruck einer Warnung, denn viele darin beschriebene Katastrophen haben ihre Ursachen in der aktuellen Gegenwart. „Hass – Omar El Akkad „American War““ weiterlesen
Auf Jagd – Willi Achten „Nichts bleibt“
„Die Zeit, die nach allem greift, letztlich ist sie es, die dafür sorgt, dass nichts bleibt, dass alles sich wandelt.“
Ein Fotograf bleibt hinter der Kamera, ist konzentrierter Beobachter der Geschehnisse vor sich. Seine Passivität macht ihn zugleich auch in gewisser Weise hilflos. Dieses Gefühl erlebt Franz Mathys auf vielen seinen Reisen. Er fliegt als preisgekrönter Kriegsfotograf rund um die Welt, bereist Krisenregionen, in denen ein Menschenleben nicht viel wert ist, von einer Sekunde auf die nächste ausgelöscht wird. Durch Gewalt, durch Katastrophen. Als sein Vater von zwei jungen Männern grundlos zusammengeschlagen wird, sinnt er auf Rache. Willi Achtens Roman „Nichts bleibt“ ist ein spannendes wie tiefsinniges Buch über Verluste und eine fatale Jagd. „Auf Jagd – Willi Achten „Nichts bleibt““ weiterlesen
Keine Gnade – Rebecca Hunt „Everland“
„Die Antarktis kennt gegenüber dem menschlichen Körper keine Gnade (…).“
Es sind die Jahre 1911 und 1912, als ein besonderer Wettlauf die Schlagzeilen beherrscht: Robert Falcon Scott und der Roald Amundsen wollen als erste den Südpol in der Antarktis erreichen. Der Norweger geht als Sieger hervor. Am 14. Dezember 1911 pflanzt er die Flagge seines Heimatlandes in den südlichsten Punkt der Erde. Sein Rivale und zwei seiner Männer sollen den Einsatz im ewigen Eis mit dem Leben bezahlen. Im April 1913 setzt der neue Roman von Rebecca Hunt, der den Leser in die Antarktis führt, ein. Eine Expedition soll die Insel Everland erkunden, die dem Buch auch seinen Namen gibt. Knapp 100 Jahre später machen sich Wissenschaftler erneut auf den Weg dorthin. „Keine Gnade – Rebecca Hunt „Everland““ weiterlesen






