Schmerz – Hanya Yanagihara „Ein wenig Leben“

„Er wollte loslassen, er wollte, dass die Kreatur in seinem Inneren sich in einen Schlaf begab, aus dem sie nie wieder erwachte.“ 

Ein Buch, über das viele sprechen. Dessen Cover ein Hingucker ist, das man einfach anschauen muss: Der Roman „Ein wenig Leben“ der Amerikanerin Hanya Yanagihara ist seit seiner Veröffentlichung im Januar dieses Jahres noch immer in aller Munde. Nicht umsonst erhielt ich kürzlich eine kurze Nachricht einer ehemaligen Mitschülerin, mit der ich einst den Deutsch-Leistungskurs an der Penne absolviert hatte: „Hast du schon dieses Buch gelesen?“. Ich musste verneinen und zugeben, dass auch der ebenfalls sehr dickleibige neue Roman von Paul Auster noch in meinem Regal darauf wartet, gelesen zu werden. Von dem jüngsten Werk von Jonathan Safran Foer ganz zu schweigen. Doch diese kurze Botschaft via Facebook ließ mich schließlich zu dem Buch mit dem markanten Cover-Foto greifen und ich begann zu lesen. „Schmerz – Hanya Yanagihara „Ein wenig Leben““ weiterlesen →

Buchkunst meets Klassiker – Auf „Spreepartie“ in Berlin

Eine Stadt, ein Tag, vier Orte und vier Bücher: Die „Spreepartie“ der Berliner Agentur Kirchner Kommunikation erlebte eine Neuauflage. Mehrere Literaturblogger waren wie im Vorjahr eingeladen, neue Bücher, die Arbeit von Autoren, Illustratoren und Verlagen kennenzulernen. Würde ich versuchen, den literarischen Tag mit seinen insgesamt vier Stationen unterwegs mit U-Bahn, Tram und per pedes unter eine Überschrift zu setzen, fiele mir folgende ein: Buchkunst meets Klassiker.  „Buchkunst meets Klassiker – Auf „Spreepartie“ in Berlin“ weiterlesen →

Achtsam – Wilhelm Lehmann „Bukolisches Tagebuch“

„Der heutige Mensch verdeckt sie rasch  mit Begriffen und Erklärungen, darunter verkümmert das Staunen.“

Robert Musil und Wilhelm Lehmann verbindet nicht nur in etwa die Zeit, der eine Jahrgang 1880, der andere 1882, in die sie beide hineingeboren werden. Beide erhalten 1923 den renommierten Kleist-Preis zugesprochen. Während Musil mit seinem wohl bekanntesten Werk „Der Mann ohne Eigenschaften“ Weltruhm erlangt hat und mittlerweile zu den Klassikern der Literatur zählt, gehört Lehmann zu den leider nahezu in Vergessenheit geratenen Autoren. Die neu erschienene Ausgabe „Bukolisches Tagebuch“, herausgegeben vom Berliner Verlag Matthes & Seitz, erinnert an sein Schaffen. Der Band erblickt dabei zur richtigen Zeit das „Licht der Buchwelt“. „Achtsam – Wilhelm Lehmann „Bukolisches Tagebuch““ weiterlesen →

Lebensläufe – Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten“

„So viele Jahre. Ein anderes Leben.“

Morgen ist ein neuer Tag. Morgen beginnt ein anderes Leben. All die Wünsche und Träume beginnen – morgen. Da wird der öde und schlecht bezahlte Job gekündigt, die noch ödere Partnerschaft beendet, endlich mal all jenen Mitmenschen die Meinung gegeigt, die man nicht ausstehen kann und doch jeden Tag ums Neue anlächelt. Doch es wird nicht so kommen. Alles sind nur Gedanken und bleiben es meistens auch. Aus den verschiedensten Gründen. Weil wir bequem sind, den Mut nicht haben, uns wirtschaftlich wie sozial in bereits eingefahrenen Bahnen bewegen. Vielleicht findet sich der eine oder andere  im neuen Roman von Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten“ erschreckenderweise wieder. Denn das Leben mit all seinen guten wie schlechten Zeiten, verpasste Chancen sowie falsche Entscheidungen sind das große Thema des Franzosen. „Lebensläufe – Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten““ weiterlesen →

Der Prozess – Michail Schischkin „Die Eroberung von Ismael“

„Die Zeit hat ein kaputtes Gewinde, sie dreht durch wie eine überdrehte Schraubenmutter.“

Die Eisenbahn verbindet nicht nur einen bestimmten Ort mit einem anderen. Sie kann vielmehr auch ein riesiges und unermessliches Land für den menschlichen Geist in einer bestimmten Weise erfassbar machen. Als in Nordamerika der Kontinent von Ost nach West besiedelt wurde, zählte der Bau der Eisenbahn-Strecke von Küste zu Küste zu einem der größten und wichtigsten Bauprojekte. Nicht anders ist es in Russland, wo die Transsibirische Eisenbahn bis heute Kultstatus genießt. Züge und Bahnhöfe spielen in „Die Eroberung von Ismail“, dem neuen Roman des russischen Autors Michail Schischkin, eine wesentliche Rolle. Doch der ist keineswegs so leicht und bequem wie eine Fahrt mit einem Zug.  „Der Prozess – Michail Schischkin „Die Eroberung von Ismael““ weiterlesen →

Sumpf – Larry Brown „Fay“

„Manchmal hatte er das Gefühl, als hätte er zwei Drittel seines Lebens hinterm Lenkrad verbracht, auf immer wieder denselben Straßen.“

Die Südstaaten der USA haben ihr eigenes Gesicht – geprägt von ihrer besonderen Geschichte als Teil der US-amerikanischen Historie, geprägt von ihren Gegebenheiten aufgrund der speziellen geografischen Lage. Der amerikanische Autor Larry Brown hat den Süden seines Landes in das Zentrum seiner Werke gesetzt. Vielen wird er hierzulande kaum bekannt sein, denn erst mit der deutschen Übersetzung seines vierten Romans „Fay“ wird er wohl einem breiteren Publikum vertraut werden. Den möglichen Erfolg wird Brown jedoch nicht erleben können: Er starb 2004 mit gerade mal 53 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes. „Sumpf – Larry Brown „Fay““ weiterlesen →