Raubbau – Annie Proulx „Aus hartem Holz“

„Einst hatten endlose Wälder den Horizont gefüllt. Nun gab es Dutzende Straßen, und der Wald war ein ferner Schatten.“ 

Zwischen zwei Ozeanen ein Meer aus Bäumen: So sollte man sich Nordamerika vorstellen – bevor der Kontinent nach der Entdeckung von Christoph Kolumbus besiedelt wurde. Riesige Wälder wurden in kürzester Zeit vernichtet – wegen des Holzes und für Grund und Boden der Siedler. Welchen Tribut das Land zwischen Atlantik und Pazifik sowie die Ureinwohner zahlen mussten, erzählt die kanadisch-US-amerikanische Autorin Annie Proulx in ihrem neuen Roman „Aus hartem Holz“.  „Raubbau – Annie Proulx „Aus hartem Holz““ weiterlesen →

Hesse – der Maler: Ausstellung im Kunsthaus Apolda

„Nicht, dass ich mich für einen Maler halte, aber das Malen ist wunderschön. Man hat nachher nicht wie beim Schreiben schwarze Finger, sondern rote und blaue.“

„Der Steppenwolf“, „Narziß und Goldmund“, „Das Glasperlenspiel“, „Siddhartha“: Lang ist die Liste der Werke, die Hermann Hesse (1877 – 1962) zu Weltruhm verholfen haben. Sie sind Teil eines Kanons, stehen auf der Lektüreliste von Schülern und Studenten. Doch dass der Literaturnobelpreisträger und mit 150 Millionen verkauften Bücher einer der erfolgreichsten Autoren aller Zeiten auch gemalt hat, wissen wohl nur wenige. Mich eingeschlossen – bis zu jenem Tag, als ich das Kunsthaus Avantgarde im thüringischen Apolda besucht habe. Noch bis zum 2. Juli ist dort die Ausstellung „Hermann Hesse … aber das Malen ist wunderschön!“ zu sehen. Begleitet werden die erstmals öffentlich gezeigten und im Nachlass des Dichters und Schriftstellers gefundenen Aquarelle von Fotografien des Sohnes Hesses, Martin Hesse. „Hesse – der Maler: Ausstellung im Kunsthaus Apolda“ weiterlesen →

Schmerz – Claude Simon „Das Pferd“

Wenn ich mir Szenen des Zweiten Weltkrieges von Filmen und aus Büchern vor das geistige Auge hole, denke ich vor allem an Panzer, Flugzeuge und U-Boote. An eine gewaltige Maschinerie, die bereits im Ersten Weltkrieg zu verheerenden Schlachten geführt hatte. Mir war nicht bewusst, dass in jenen entsetzlichen Jahren auch noch Pferde an der Front zum Einsatz gekommen waren. Der französische Literaturnobelpreisträger Claude Simon (1913 – 2005) diente während seiner Militärzeit und später im Krieg in einem Kavallerie-Regiment. Seine Erinnerungen hat er sowohl in seinem bekannten Roman „Die Straße in Flandern“ als auch in seiner,; einige Jahre früher erschienenen Erzählung „Das Pferd“ literarisch verarbeitet.  „Schmerz – Claude Simon „Das Pferd““ weiterlesen →

Entwurzelt – Ada Dorian „Betrunkene Bäume“

„Nur manchmal, im kurzen Moment des Erwachens, empfand er Mitleid mit den Bäumen, die hier ebenso gefangen waren wie er.“

Die meisten Menschen haben ihre Topfpflanzen auf dem Fensterbrett stehen, vielleicht auch auf dem Balkon. Es sind Zimmerpflanzen, die geeignet sind für das Leben unter dem Dach und durch Wände abgeschirmt werden. Erich Warendorf weiß hingegen in seiner Wohnung Ahorn, Birke, Weißdorn und Co. um sich, die er hegt und pflegt, die sich in seinem Schlafzimmer ausbreiten und so manchen geflügelten Mitbewohner anziehen.  Der über 80-Jährige sehnt sich nach den weiten Wäldern Sibiriens, in denen er einst geforscht hat. Es ist ein besonderes Leben eines charismatischen Menschen, von dem Ada Dorian in ihrem Debüt-Roman „Betrunkene Bäume“ erzählt. „Entwurzelt – Ada Dorian „Betrunkene Bäume““ weiterlesen →

Blogbuster: Im Gespräch mit Helmut Pöll

Helmut Pöll und sein Roman „Die Krimfahrt“ ist nach der Lektüre der mir zugesandten Exposés beziehungsweise Manuskripte mein Favorit, den ich ins Rennen um den Blogbuster – den Preis der Literaturblogger entsende. Ich habe ihn für ein Gespräch einige Fragen gestellt – zu seinem Buch, zum Schreiben und Lesen.

 

Wie sind Sie damals auf Blogbuster gestoßen und haben Sie schon Reaktionen auf Ihre Teilnahme erhalten?

Die teilnehmenden Blogs besuche ich regelmäßig. So habe ich vom Blogbuster-Wettbewerb erfahren. Es gibt ziemlich viele positive Reaktionen. Freunde und Bekannte haben mir per SMS, E-Mail und über Facebook zur Longlist-Platzierung der Krimfahrt gratuliert und geschrieben, dass sie mir die Daumen drücken. Das hat mich sehr gefreut.

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Machtspiele – Anna Kim „Die große Heimkehr“

„Wenn Erinnerungen zu lange eingesperrt sind, müssen sie ausgesprochen werden, sonst verwandeln sie sich in Geister.“

Die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs politisch in zwei Staaten geteilte Halbinsel Korea scheint in hiesigen Breiten nahezu ein weißer Fleck auf der literarischen Landkarte zu sein. Wenige Romane widmen sich den beiden Ländern. Selbst ist mir da nur der Roman „Das geraubte Leben des Waisen Jun Do“ in Erinnerung, für den der Amerikaner Adam Johnson den Pulitzer-Preis erhalten hat. Und auch allgemein hält sich mein persönliches Wissen über Korea in Grenzen. Nun ist mit „Die große Heimkehr“ von Anna Kim ein Buch erschienen, das viel über die Geschichte beider Länder, vor allem die Schicksale von Menschen erzählen kann, die unter der Teilung des Landes und der Machtspiele zweier politischer Systeme zu leiden hatte. „Machtspiele – Anna Kim „Die große Heimkehr““ weiterlesen →