Begleiter – Gerbrand Bakker „Jasper und sein Knecht“

„Am schönsten ist das Gefühl, dass ich etwas zurückbekomme, das zerstört zu sein schien.“

Die aktuelle Literatur scheint einen neuen Trend zu pflegen: Schriftsteller schreiben über sich, ihr kreatives Leben und den Literaturbetrieb, ihre Bewährungsproben im Alltag, ihr Innerstes. Den Namen Karl Ove Knausgård braucht man an dieser Stelle wohl nicht zu erklären. Sowohl Fans als auch Kritiker werden sich in jenem Punkt einig sein, dass er mit seiner sechsbändigen „Min kamp“-Reihe – der letzte Teil soll im kommenden Jahr im Luchterhand Verlag erscheinen – die Form des autobiografischen Schreibens wieder in das Bewusstsein gebracht hat. Thomas Melles Buch „Die Welt im Rücken“ (Rowohlt) steht ein weiteres Werk mit autobiografischen Zügen auf der Shortlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises. Nun Gerbrand Bakker, der sich in diese kurze Aufzählung einreiht und der in seinem neuesten Band „Jasper und sein Knecht“ ebenfalls über seine Depression schreibt. „Begleiter – Gerbrand Bakker „Jasper und sein Knecht““ weiterlesen

Brief als Waffe – Kressmann Taylor „Adressat unbekannt“

Es ist ein kleiner leichter Band. Anthrazitfarbene Leinenoptik. Ein Briefumschlag ziert das Cover. Eine Gestaltung, die schlicht, aber wiederum markant erscheint. Gerade mal 67 Seiten umfasst „Adressat unbekannt“ von Kressmann Taylor. Doch der Roman ist ein Werk mit extremer Wirkung, das von einer besonderen Geschichte erzählt und selbst Geschichte geschrieben hat und viel länger wirkt als der Leser darin versunken ist. Die Neuausgabe des Verlags Hoffmann und Campe als Sammleredition des erstmals 1938 veröffentlichten Werkes könnte wohl zu keinem geeigneteren Zeitpunkt erscheinen.   „Brief als Waffe – Kressmann Taylor „Adressat unbekannt““ weiterlesen

Schein und Sein – Richard Russo „Diese gottverdammten Träume“

„Die Menschen waren nun mal, wie sie waren, mochten sie sich auch noch so bemühen, anders zu sein.“

In einer Kleinstadt lebt bekanntlich eine überschaubare Anzahl an Menschen. Man kennt sich und das Leben der anderen, ihre Familien, ihr Glück und ihr Leid. Ob gute oder schlechte Nachrichten, sie machen schnell die Runde. Und meist liegt das Wohl und das Wehe der Stadt in den Händen nur weniger. Empire Falls, im amerikanischen Bundesstaat Maine gelegen, macht da sicher keine Ausnahme. Nur sollte an dieser Stelle schon einmal erwähnt werden, dass die Stadt und ihre Einwohner fiktiv und Schöpfung des amerikanischen Schriftstellers Richard Russo sind, der für sein literarisches Porträt von Empire Falls 2002 den renommierten Pulitzerpreis erhalten hat.  „Schein und Sein – Richard Russo „Diese gottverdammten Träume““ weiterlesen

„Blogbuster“ – Literaturblogger vergeben Preis

Es gibt unzählige namhafte Preise für erfolgreiche Autoren und ihre herausragenden Werke, aber noch keine öffentliche Würdigung für einen Schriftsteller, dessen Werk noch keiner kennt. Das soll und wird sich ändern. 16 Literaturblogger, die Literaturagentur Elisabeth Ruge, der Verlag Klett-Cotta, die Frankfurter Buchmesse und der bekannte ARD-Literaturkritiker Denis Scheck suchen die literarische Entdeckung und den Debüt-Roman des Jahres. Das Ganze nennt sich Blogbuster – Preis der Literaturblogger und ist die Chance für alle, die ein Manuskript in der Schublade, aber bis noch keinen Verlag gefunden haben. Der Gewinner erhält einen Agentur- und Verlagsvertrag und wird bereits im kommenden Jahr auf der Frankfurter Buchmesse seinen Roman vorstellen können.

blogbuster

Um am Wettbewerb teilzunehmen, sollten sich die Autoren bei einem der beteiligten Literaturblogs bewerben. Erst wenn der Blogger vom literarischen Potenzial des Autors überzeugt ist, wird das Manuskript der Jury vorgestellt. Neben dem Jury-Vorsitzenden Denis Scheck, entscheiden Elisabeth Ruge, Klett-Cotta Verleger Tom Kraushaar, Lars Birken-Bertsch von der Frankfurter Buchmesse sowie der „Buchrevier“-Blogger und Initiator der Aktion, Tobias Nazemi, über den Blogbuster-Gewinner.

„Wir wollen damit zeigen, dass Blogs nicht nur Literatur gut vermitteln, sondern auch gute Literatur entdecken können“, sagt Tobias Nazemi, der für das Projekt 15 qualitativ hochwertige und reichweitenstarke Literaturblogs ausgewählt hat. Der Wettbewerb startet am 21. Oktober mit einer Auftaktveranstaltung im Orbanism-Space (Halle 4.1/D 88) auf der Frankfurter Buchmesse. Die Preisverleihung findet Anfang Mai 2017 im Literaturhaus Hamburg statt.

Neben „Zeichen & Zeiten“ nehmen folgende Blogs teil: „Sätze & Schätze“, „Sounds & Books“, „Pinkfisch“, „Literaturen“, „Kaffeehaussitzer“, „54books“, „Muromez“, „LustzuLesen“, „Bücherwurmloch“, „lustauflesen“, „Zeilensprünge“, „Kulturgeschwätz“, „novelero“ und „Die Liebe zu den Büchern“.

Ich freue mich sehr, dabei sein zu dürfen und bin gespannt auf die Aktion, auf die Texte der Autoren und freue mich auf ein Wiedersehen sowie die Begegnungen und den Austausch mit den Bloggern. Dass Literaturbegeisterte aus den verschiedensten Bereichen zusammenzufinden, schätze ich daran besonders. Den Autoren würde ich einen kleinen Wunsch, Rat, Gedanken mit auf den Weg geben: Vergesst Vorbilder, seid vielmehr individuell und eigenwillig und liebt eure Charaktere – ein Buch lebt von den Menschen; und habt Mut, Euren Text an die Öffentlichkeit zu bringen. Vielleicht habt Ihr auf diese Chance nur gewartet.

Weitere Informationen unter: www.blogbuster-preis.de

 


Foto: Unsplash/pixabay

Schatten – Connie Palmen „Du sagst es“

„Alles, was man nicht wahrhaben will und verdrängt, jeder Konflikt, der geleugnet und nicht offen ausgesprochen wird – in einer Kultur genauso wie im Leben jedes Einzelnen -, sucht sich ein Ventil und kehrt sich schließlich in teuflischer Verkleidung gegen das Leben, gewaltsam und vernichtend.“

Die Literaturszene hat bekannte Paare zusammengeführt. Doch nicht immer ist eine Beziehung zwischen kreativen, begabten und sensiblen Menschen von Glück und einem langen gemeinsamen Leben gesegnet. Die Liebe und spätere Ehe zwischen Sylvia Plath und Ted Hughes zählt zu den tragischen Beziehungen. Die amerikanische Autorin schied am 11. Februar 1963 freiwillig aus dem Leben. Nach ihrem Freitod war Hughes Schmähungen und Anfeindungen, gleich eines heutigen Shitstorms, ausgesetzt. Connie Palmen gibt in ihrem neuen Roman „Du sagst es“ Hughes nun eine Stimme.  „Schatten – Connie Palmen „Du sagst es““ weiterlesen

Schweigen – Sylvie Schenk „Schnell, dein Leben“

„Eltern stecken in ihren Kindern und können sie schwer und traurig machen.“

Um das Leben literarisch zu erfassen, braucht es keine großen Worte, keine bekannten Personen als Protagonisten. „Stoner“ von John Williams, Robert Seethalers „Ein ganzes Leben“ – zwei Romane, die daran erinnern, dass große Literatur vor allem die Geschichte der kleinen, nicht berühmten Leute in ihrem Alltag im Lauf der Zeit erzählt. Dieser Reihe kann ein neuer Roman hinzugefügt werden: „Schnell, dein Leben“ von Sylvie Schenk. Dabei wird den wenigsten wohl der Name der deutsch-französischen Schriftstellerin bekannt sein, die in der Vergangenheit vor allem Lyrik und einige wenige Romane (Picus Verlag Wien) veröffentlicht hat. Doch mit ihrem neuen Werk gilt es, sie zu entdecken. Denn es ist ein großartiges Buch. „Schweigen – Sylvie Schenk „Schnell, dein Leben““ weiterlesen