Joachim B. Schmidt – „Kalmann“

„Unter einem Eisbären ist es dunkel. Und es ist still.“ 

Kalmann trägt Cowboy-Hut, Sheriffstern und eine Pistole – und das im tiefsten Island, das zu den am dünnbesiedelsten Regionen auf der Welt zählt und trotz der allseits beliebten Kriminal-Literatur eine Kriminalitätsrate hat, über die sich andere Länder wohl freuen würden. Doch auch ein kleiner Ort wie Raufarhöfn braucht seinen Helden, einen Beschützer. Selbst wenn er nicht zu den hellsten Köpfen gehört und eher Grönland-Haie jagt als Verbrecher. In seinem neuesten Werk erzählt der Schweizer und auf Island lebende Schriftsteller Joachim B. Schmidt mit Humor, aber auch Melancholie von einem Außenseiter, der über seine Fähigkeiten hinauswächst und ungewollt viel Aufmerksamkeit erhält. „Joachim B. Schmidt – „Kalmann““ weiterlesen →

Garrett M. Graff – „Und auf einmal diese Stille“

„Aber das hier war jenseits von allem, was man sich überhaupt vorstellen konnte.“

Jeder weiß, was er an diesem Tag gemacht hat, wo er gewesen ist. Der 11. September 2001 hat sich mit seinen schockierenden Ereignissen und Bildern in das Weltgedächtnis gebrannt. Rund 3.000 Menschen starben bei vier Flugzeugentführungen. Drei Maschinen flogen in das World Trade Center (WTC) in New York sowie in das Pentagon, den Hauptsitz des amerikanischen Verteidigungsministeriums in Washington, ein entführtes Flugzeug stürzte in Shanksville (Pennsylvania) nach dem Aufstand von Passagieren ab. Die Bilder der Terroranschläge, die kurz als Nine Eleven bezeichnet werden, gingen um die Welt, vor allem die der brennenden und einstürzenden Doppel-Türme des WTC. In seinem Band „Und auf einmal diese Stille“ vereint der amerikanische Journalist und Autor Garrett M. Graff mehrere Hundert Stimmen zu einer beeindruckenden Oral History dieses bedeutsamen Tages. „Garrett M. Graff – „Und auf einmal diese Stille““ weiterlesen →

Backlist #16 – Jan Kjærstad „Ich bin die Walker Brüder“

„Einige wenige Jahre besitzen wir die Fähigkeit, magisch zu denken.“

Es sind nur wenige Sekunden, die das Leben von Odd Marius Walaker verändern. Er stürzt mit seinem Fahrrad, geblendet von einer seltenen Münze. Und das auch noch auf dem Schlossplatz in Oslo. Seitdem ist nichts mehr wie es war. Der 14-Jährige spürt besondere Kräfte in sich wirken. Vor allem sein Denken und seine Wahrnehmung haben sich verschärft, sind intensiver geworden. Er glaubt, über die sogenannte W-Potenz zu verfügen, und nennt sich fortan die Walker Brüder. In seinem 2008 im Original erschienenen Roman („Jeg er brødrene Walker“) beweist der norwegische Schriftsteller Jan Kjærstad einmal mehr seine Meisterschaft für besondere, besonders skurrile Romane. „Backlist #16 – Jan Kjærstad „Ich bin die Walker Brüder““ weiterlesen →

Michael Crummey – „Sweetland“

„Und er begann den Fuchs als seine Gesellschaft auf der Insel zu betrachten.“

Wer sich mit der Geschichte Neufundlands und der umliegender, spärlich besiedelter Inseln beschäftigt, stößt unweigerlich auf das Thema Umsiedlung. Mehrere Hundert Orte und Gemeinden im Nordosten Kanadas sind in den vergangenen Jahrzehnten aufgegeben worden – auch bewusst durch die Politik gelenkt, die Anreize setzte, dass Menschen ihre Heimat verlassen und somit Geld für die flächendeckende Strom- und Wasserversorgung, Schulen sowie den Fährbetrieb eingespart werden konnte. Von einer dieser Inseln und ihrer nur noch wenigen Bewohnern erzählt der kanadische Autor Michael Crummey in seinem Roman „Sweetland“. „Michael Crummey – „Sweetland““ weiterlesen →

Lucia Jay von Seldeneck & Florian Weiß – „Logbuch“

„Es gibt nur noch Segel, Wind und Wellen.“ 

Wer das weite Meer erobern will, braucht Mut – und ein Schiff. Das ist seit Menschengedenken so. Und wer von der Geschichte großer Entdeckungen sowie wagemutiger Reisen erzählen will, kommt an den mal großen mal kleinen Schiffen nicht vorbei. Viele von ihnen haben Geschichte geschrieben und Eingang in das Wissen der Welt gefunden. In ihrem zweiten Gemeinschaftswerk „Logbuch“ versammeln die Autorin Lucia Jay von Seldeneck sowie Illustrator Florian Weiß berühmte und auch weniger bekannte Schiffe – auf besondere Art und Weise. „Lucia Jay von Seldeneck & Florian Weiß – „Logbuch““ weiterlesen →

Ragnar Jónasson – „Dunkel“

„Der Vorteil von Dunkelheit ist, dass es keine Schatten gibt.“

Dass Bücher aus Skandinavien mit Verspätung auf den deutschen Buchmarkt landen, ist bekannt. Keine Seltenheit ist dies bei der Belletristik. Dass allerdings auch nordische Kriminalromane betroffen sind, die vor allem hierzulande ein großes Fan-Publikum haben und schon im Voraus in anderen Ländern erfolgreich waren, ist wohl weniger der Fall. Bereits 2015 erschien in Island „Dimma“, der Beginn der sogenannten Hulda-Trilogie von Ragnar Jónasson.  Die britische Tageszeitung „The Times“ kürte den Roman als einer der 100 besten Krimis und Thriller seit 1945. Mit fünf Jahren Zeitverzug ist er endlich in Deutschland erschienen – welch ein großes Glück. „Ragnar Jónasson – „Dunkel““ weiterlesen →