Claire Keegan – „Das dritte Licht“

„Mir fallen einfach keine Wörter ein, aber das hier ist ein anderer Ort, und ich brauche neue Wörter.“

Der Band ist schmal und passt in jede Handtasche, vielleicht sogar in eine größere Jackentasche. Auf dem Cover ist eine künstlerische Bearbeitung der Fotografie „Livia“ (1948) des Fotografen Frederick Sommer zu sehen. Ein Mädchen mit Zöpfen, das neugierig, aber auch ernst in die Welt schaut. 2010 erschien die Erzählung „Das dritte Licht“ der irischen Schriftstellerin Claire Keegan unter dem Originaltitel „Foster“ – sowohl im Londoner Verlag Faber und Faber Limited als auch als verkürzte Fassung in der Zeitschrift „New Yorker“. Nach der Verfilmung unter dem Titel „The Quiet Girl“ gab der Steidl Verlag die Erzählung nach einer ersten Ausgabe 2013 nun in einer Neubearbeitung erneut heraus, so dass dieses wundervolle Werk wiederentdeckt werden kann.

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Emmanuelle Fournier-Lorentz – „Villa Royale“

„Die Toten kommen nicht wieder, und die Lebenden gehen fort.“

Kein Ort, nirgends. Sie sind immer auf Achse, nach nur wenigen Wochen verlassen sie wieder die Stadt, in die es sie zuvor verschlagen hat. Seit dem überraschenden und allzu frühen Tod ihres Vaters ist für Palma nichts mehr, wie es einst gewesen war. Gemeinsam mit ihrer Mutter und den beiden Brüdern Charles und Victor führt sie ein Leben auf der Flucht – und der Trauer. Mit ihrem Debütroman „Villa Royale“ hat die Französin Emmanuelle Fournier-Lorentz eine berührende wie sonderbare Familiengeschichte geschrieben, die von der besonderen Erzählstimme lebt und durchaus auch Spannung enthält.  „Emmanuelle Fournier-Lorentz – „Villa Royale““ weiterlesen

Mathijs Deen – „Der Taucher“

„All die Väter“, sagt er. „Diese Hilflosigkeit.“

Er ist wieder zurück. Und er ist nicht allein. In „Der Holländer“ hatte er seinen ersten großen Auftritt, nun muss Liewe Cupido den nächsten Fall aufklären. Vor der nordfriesischen Insel Amrum in der Deutschen Bucht stößt die Besatzung des niederländischen Bergungsschiffes „Freyja“ auf einen toten Taucher – in einer speziellen Körperhaltung verharrt und mit Handschellen an das Wrack des seit 1950 verschollenen Schiffes „Hanna“ gefesselt, das Unmengen an Kupferplatten an Bord hat. Für den wortkargen Kriminalbeamten beginnt eine Zeit des Reisens – von Küste zu Küste, von Land zu Land. Und oft mit dabei seine Hündin Vos, die Mathijs Deen im zweiten Band der Reihe an die Seite seines Helden stellt.

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Alba de Céspedes – „Das verbotene Notizbuch“

„Wann sind wir wahrhaftig wir selbst?“

Bereits mit dem Kauf überschreitet sie ganz bewusst eine Grenze. An einem Sonntag im November entdeckt Valeria beim Tabakhändler ein Notizbuch. Mit all ihren Überredungskünsten überzeugt sie ihn, ihr schließlich doch den schlichten Band auszuhändigen, obwohl er sonntags nur Tabak verkaufen darf, der letztlich in Form von Zigaretten auch das eigentliche Ansinnen Valerias war, das Haus an jenem Morgen zu verlassen. Das Notizbuch und das Schreiben verändern fortan das Leben der Ehefrau und zweifachen Mutter. Mit „Das verbotene Notizbuch“ hat die kubanisch-italienische Schriftstellerin Alba de Céspedes (1911-1997) einen zeitlosen Klassiker über eine Frau und das verzweifelte Ringen um Selbstbestimmung geschrieben, der in einer Neuübersetzung von Verena von Koskull nun wieder entdeckt werden kann.

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Toine Heijmans – „Der unendliche Gipfel“

„Hier oben zu sein, hat keine Bedeutung – das zu begreifen, ist das Schwierigste.“

Was treibt Menschen an, die höchsten Gipfel unserer Erde zu besteigen? Trotz der Strapazen, trotz der Gefahren? Nicht wenige haben ihre (Sehn)sucht nach den Bergen mit ihrem Leben bezahlt. Über eine spezielle Männerfreundschaft, die Berge und das Bergsteigen hat der Niederländer Toine Heijmans einen großartigen Roman geschrieben. „Der unendliche Gipfel“ erteilt dem Leser einige Lektionen – zur Geschichte des Kletterns und in Sachen Demut.

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David Hewson – „Garten der Engel“

„Man sollte eine Geschichte nie beurteilen, bevor sie nicht zu Ende ist.“

Paolo Uccelo bleibt nicht mehr viel Lebenszeit. Er liegt im Krankenhaus, weiß, seine Tage sind gezählt. Bald wird er mit dem Boot seine letzte Reise auf die Friedhofsinsel San Michele antreten. Doch vor seinem Tod gibt er seinem Enkel Nico in regelmäßigen Abständen Umschlag für Umschlag seine Aufzeichnungen. Ein Vermächtnis, das letztlich ein Jahrzehnte lang gehütetes Familiengeheimnis offenbart und in die Zeit führt, als Venedig 1943 von den Deutschen besetzt wurde und Paolo einem Geschwisterpaar Zuflucht bot. In seinem Roman „Garten der Engel“ erzählt der britische Schriftsteller David Hewson von einem besonderen Kapitel venezianischer Historie und welchen Einfluss geschichtliche Ereignisse und Erinnerungen auf das Leben folgender Generationen haben.

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