Ein ganzes Leben – Sabine Huttel „Ein Anderer“

Der Krieg ist ein Ungeheuer, dachte Ernst im fünften Kriegsjahr.

Er sieht die große Welt auf andere Weise. Seine Liebe und Hingabe gilt der Familie und den Tieren, selbst die Spinnen beobachtet er stundenlang mit Faszination. Die gackernden Hühner und sein Holzpferd sind treue Begleiter. Die Politik versteht er nicht, auch nicht, dass es Krieg gibt, junge Menschen darin sterben. Ernst Kroll braucht sein Dorf, Veränderungen machen ihm Angst. Aus dem kleinen trägen Jungen wird ein kleiner Mann, der trotz körperlicher wie geistiger Einschränkungen aufgrund einer Krankheit sein Leben lebt – über zwei Weltkriege hinweg durch die Zeit der deutschen Teilung bis hin zu einem betagten Alter, das ihn noch die Wiedervereinigung beider Staaten erleben lässt. Sabine Huttel erzählt davon in ihrem Roman „Ein Anderer“, der durch die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts führt und überaus menschlich von einem alltäglichen wie besonderen Leben in einem Thüringer Dorf erzählt.

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Bilder – Attila Bartis „Das Ende“

„Im Grunde gibt es nichts, das dem Tode näher wäre als das Fotografieren.“

Wir versuchen, uns der Welt nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern zu nähern. Ein für uns bedeutenden Moment gilt es festzuhalten – mit dem Smartphone, der Kamera, dem Gedächtnis. Obwohl man sich sicherlich fragen kann und sollte, welche Beziehung die Fotografie und das Gedächtnis zueinander eingehen. András Szabad, Held und Ich-Erzähler in dem neuen Roman von Attila Bartis, ist Fotograf und zugleich Chronist seines eigenen Lebens, der von seinen vielen Leidenschaften, seinen Erlebnissen und seinen Schicksalsschlägen berichtet.  „Bilder – Attila Bartis „Das Ende““ weiterlesen

Backlist #2 – Davide Longo „Der aufrechte Mann“

„Man musste warten. Am Leben bleiben und warten.“

Nichts ist mehr, wie es war. Das Land versinkt in Chaos und Gewalt. Die Nationalgarde wird den Plünderungen nicht mehr Herr. Die Banken zahlen kein Geld mehr aus. Das Benzin wird knapp und unbezahlbar. Felder sind verwahrlost, Dörfer und ganze Städte verwaist. Der italienische preisgekrönte Autor Davide Longo erzählt in seinem Roman „Der aufrechte Mann“ von einem Land am Abgrund und einem Mann, der über sich hinauswächst, obwohl er kein Held sein wollte.  „Backlist #2 – Davide Longo „Der aufrechte Mann““ weiterlesen

Getrennt – Gert Loschütz „Ein schönes Paar“

„Auch an wirklich hellen Tagen gibt es Stellen, die im Halbdunkel liegen.“

Die deutsche Teilung hat Familien entzweit, seelische Wunden gerissen, von denen Narben weiter existieren. Selbst nahezu 29 Jahre nach der friedlichen Revolution sind die Auswirkungen zu sehen und zu spüren. Gerade in diesen Tagen wird der Fall der Mauer in den Medien und in den sozialen Netzwerken wieder thematisiert, ist sie doch nun nach der Wende mittlerweile länger Geschichte, als dass sie existiert hat. Schon immer begleitet hat dieses Kapitel deutscher Geschichte die Literatur. Die Reihe der Titel ist mit der Zeit angewachsen und lang. Mit seinem aktuell erschienenen Werk „Ein schönes Paar“ kann sich nun auch Gert Loschütz einreihen. Doch sein Roman erscheint anders als die vielen anderen Bücher über dieses Thema.

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Abstieg – Lionel Shriver „Eine amerikanische Familie“

„Alles hat mit allem zu tun.“

Es kann schon erschreckend sein, wenn in Deutschland innerhalb eines Jahres zwei Romane erscheinen, die in die Zukunft der USA blicken und eine unheilvolle, ja düstere Zeit beschreiben. Erzählt Omar El Akkad in seinem Roman „American War“ von Krieg und Zerstörung, Hass und Terrorismus, wendet sich die amerikanische Autorin Lionel Shriver einem ganz anderen Thema zu: dem Verfall des Dollars, Inflation und damit dem Abstieg weiter Teile der amerikanischen Bevölkerung.  „Abstieg – Lionel Shriver „Eine amerikanische Familie““ weiterlesen

Backlist #1 – Carmen Laforet „Nada“

„So sehr man sich auch drehte und wendete, man bewegte sich doch immer nur im Kreis derselben Menschen.“

Die Entscheidung, in sehr jungen Jahren das vertraute Zuhause zu verlassen und in eine fremde Stadt zu kommen, in der das Leben pulsiert, ist oftmals verbunden mit Hoffnungen, Wünschen, Träumen. Die neue Umgebung soll Veränderungen bringen. Nicht anders ergeht es der 18-jährigen Andrea, die ihre Eltern verloren hat und es wenige Jahre nach dem spanischen Bürgerkrieg nach Barcelona verschlägt. Sie will studieren, das Leben genießen, vielleicht die große Liebe entdecken. Die spanische Autorin Carmen Laforet (1921 – 2004) erzählt in ihrem Erstling „Nada“ von den Hoffnungen ihrer jungen Heldin und den Herausforderungen, denen sie sich stellen muss.  „Backlist #1 – Carmen Laforet „Nada““ weiterlesen