Kjell Westö – „Dämmerung“

„Die Jungen sterben im Schnee.“

Am 30. November 1939, drei Monate nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen, beginnt im hohen Norden es an anderer Stelle zu „brennen“. Der sogenannte Winterkrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion nimmt seinen Lauf. Die finnische Hauptstadt Helsinki (Helsingfors) wird aus der Luft durch Flugzeuge der Roten Armee bombardiert. Der finnland-schwedische Schriftsteller Kjell Westö erzählt in seinem neuen Roman „Dämmerung“, welche Folgen der Krieg auf die Menschen hatte.

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Anne Stern – „Die weiße Nacht“

„Ab und zu versuchen wir, aus dem Loch zu klettern, in das wir gefallen sind. Aber die Toten ziehen uns zurück.“

Berlin, 1946. Die einst stolze Stadt eine Trümmerwüste, die Menschen versehrte Überlebende, der Winter erbarmungslos. Auf der Suche nach Motiven stößt Marielouise „Lou“ Faber in den Ruinen von Berlin-Kreuzberg wenige Tage vor Weihnachten auf eine weibliche Leiche, deren Hände gefaltet sind. Noch kann die junge Frau mit der Leica nicht ahnen, dass sie Teil der Ermittlungen von Kommissar Alfred König wird, der sich auf die Suche nach dem Täter begibt. „Die weiße Nacht“ ist der mehr als vielversprechende Auftakt einer neuen historischen Krimireihe aus der Feder von Anne Stern um ein ungleiches Ermittler-Paar.

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Backlist #21 Anne Berest – „Die Postkarte“

„Die Geister waren keine namenlosen Wesen mehr, keine Zahlen in irgendwelchen Geschichtsbüchern.“

Manchmal gibt es Zeiten, in denen besondere Erfahrungen aufeinandertreffen, die reale Erlebnisse mit Literatur und deren Lektüre verknüpfen. Es ist der 28. März, als ich mit mehr als 30 Schülern kurz vor 3 Uhr in Naumburg einen Bus besteige, der acht Stunden später und nach mehr als 700 Kilometern die südpolnische Stadt Oświęcim erreicht. Auschwitz – das ist der Ort, der heute als Symbol des Holocaust und für eine beispiellose Auslöschung von Leben gilt, der 1942 auch Ephraim und Emma Rabinovitch sowie ihre beiden Kinder Noémie und Jacques, 19 und 17 Jahre alt, zum Opfer fallen. Drei von ihnen starben in der Gaskammer, Noémie überlebte eine Typhus-Erkrankung nicht.

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Tore Kvæven – „Eisiges Land“

„Dieses Land ist wie ein Rudel Wölfe.“

Kalt, Eis, Insel. Schlagwörter, die uns wohl unweigerlich in den Sinn kommen, wenn wir an Grönland denken. Und sicherlich fallen uns noch Inuit und Wikinger ein. In ihre Zeit und auf das riesige Eiland zwischen dem Nordatlantik und dem Nordpolarmeer führt der Norweger Tor Kvæven in seinem Roman „Eisiges Land“, mit dem er 2018 mit dem Brageprisen, dem renommiertesten Literaturpreis seines Landes, geehrt wurde.

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Ilona Jerger – „Lorenz“

„Jedes Lebewesen ist nur ein Durchgangsstadium zum nächsten.“

Welche Ereignisse, welche Begegnungen entscheiden über den Lebensweg eines Menschen? Im Fall des berühmten Verhaltensforschers und Nobelpreisträgers Konrad Lorenz (1903-1989) ist es Martina, eine Graugans. 1935 in Altenberg bei Wien aus dem Ei geschlüpft,  wird sie ihren „Vater“ nahezu überallhin folgen. An ihr erkennt Lorenz den Verhaltensmechanismus der Prägung. Weitere bahnbrechende Entdeckungen und Gedanken begleiten seine spätere Laufbahn. Über sein Leben und Schaffen hat Ilona Jerger einen faszinierenden weil lebendigen wie lehrreichen Roman geschrieben, der Zeitgeschichte mit dem Heute verbindet und vor allem nicht die dunklen Flecken in Lorenz‘ Biografie auslässt.

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Edgar Rai – „Ascona“

„Mensch bleiben. In Zeiten wie diesen war das schon eine politische Aussage.“

Nur mit einem Koffer, dem Manuskript seines aktuellen Romans und einer tragbaren Remington Modell 5 verlässt Erich Maria Remarque (1898 – 1970) in seinem Lancia Berlin. Erst auf Bitten seiner Geliebten Ruth ergreift er die Flucht. Eine eisige Nacht herrscht. Einen Tag später wird Adolf Hitler zum Reichskanzler gewählt. Wenige Monate später werden auf dem Berliner Opernplatz die Bücher des Schriftstellers und Verfassers des bis heute weltbekannten und einflussreichen Antikriegsromans „Im Westen nichts Neues“ (1929) verbrannt. Mehrere Jahre lebt Remarque fortan im Exil in der Schweiz, in seiner Villa im beschaulichen Ascona, am Lago Maggiore gelegen, ehe er schließlich 1938 die Queen Mary gen Übersee besteigen wird. Über diese Zeit, jene fünf Jahre, hat Edgar Rai einen Roman geschrieben, der eindrücklich die bedrohliche Lage der Exilanten beschreibt und einen Einblick in das Seelenleben des Schriftstellers gibt. „Edgar Rai – „Ascona““ weiterlesen