Kunst des Lebens – Anne Reinecke „Leinsee“

„Es dauerte noch zweieinhalb Jahre, bis sie sich zum ersten Mal küssten.“

Das Erwachsensein ist schon ein recht merkwürdiger Zustand, er schwebt gefühlt zwischen den Zeiten, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Während wir für die Zukunft hoffen, bangen, träumen, was kommen wird, gilt die Rückschau der Kindheit und Jugend, den Erinnerungen – an witzige und fiese Schulstreiche, untrennbare Freundschaften, den ersten Kuss und doofen wie tollen Lehrern. Und eben auch den Eltern, die uns prägen – über Kindheit und Jugend hinaus, auch ganz unbewusst, ob wir es wollen oder nicht. Über die Verbindung von Eltern und Kind und über noch viel mehr erzählt die Berlinerin Anne Reinecke in ihrem Debüt „Leinsee“.  „Kunst des Lebens – Anne Reinecke „Leinsee““ weiterlesen

Ein ganzes Leben – Sabine Huttel „Ein Anderer“

Der Krieg ist ein Ungeheuer, dachte Ernst im fünften Kriegsjahr.

Er sieht die große Welt auf andere Weise. Seine Liebe und Hingabe gilt der Familie und den Tieren, selbst die Spinnen beobachtet er stundenlang mit Faszination. Die gackernden Hühner und sein Holzpferd sind treue Begleiter. Die Politik versteht er nicht, auch nicht, dass es Krieg gibt, junge Menschen darin sterben. Ernst Kroll braucht sein Dorf, Veränderungen machen ihm Angst. Aus dem kleinen trägen Jungen wird ein kleiner Mann, der trotz körperlicher wie geistiger Einschränkungen aufgrund einer Krankheit sein Leben lebt – über zwei Weltkriege hinweg durch die Zeit der deutschen Teilung bis hin zu einem betagten Alter, das ihn noch die Wiedervereinigung beider Staaten erleben lässt. Sabine Huttel erzählt davon in ihrem Roman „Ein Anderer“, der durch die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts führt und überaus menschlich von einem alltäglichen wie besonderen Leben in einem Thüringer Dorf erzählt.

„Ein ganzes Leben – Sabine Huttel „Ein Anderer““ weiterlesen

Bilder – Attila Bartis „Das Ende“

„Im Grunde gibt es nichts, das dem Tode näher wäre als das Fotografieren.“

Wir versuchen, uns der Welt nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern zu nähern. Ein für uns bedeutenden Moment gilt es festzuhalten – mit dem Smartphone, der Kamera, dem Gedächtnis. Obwohl man sich sicherlich fragen kann und sollte, welche Beziehung die Fotografie und das Gedächtnis zueinander eingehen. András Szabad, Held und Ich-Erzähler in dem neuen Roman von Attila Bartis, ist Fotograf und zugleich Chronist seines eigenen Lebens, der von seinen vielen Leidenschaften, seinen Erlebnissen und seinen Schicksalsschlägen berichtet.  „Bilder – Attila Bartis „Das Ende““ weiterlesen

Backlist #2 – Davide Longo „Der aufrechte Mann“

„Man musste warten. Am Leben bleiben und warten.“

Nichts ist mehr, wie es war. Das Land versinkt in Chaos und Gewalt. Die Nationalgarde wird den Plünderungen nicht mehr Herr. Die Banken zahlen kein Geld mehr aus. Das Benzin wird knapp und unbezahlbar. Felder sind verwahrlost, Dörfer und ganze Städte verwaist. Der italienische preisgekrönte Autor Davide Longo erzählt in seinem Roman „Der aufrechte Mann“ von einem Land am Abgrund und einem Mann, der über sich hinauswächst, obwohl er kein Held sein wollte.  „Backlist #2 – Davide Longo „Der aufrechte Mann““ weiterlesen

Welt der Kunst – Hanno Millesi „Die vier Weltteile“

„Dachten die Kinder allen Ernstes, sie könnten das Krokodil von einem Konflikt mit der Tigerin abhalten.“

In ein Kunstmuseum geht der kunstinteressierte Besucher freiwillig, und er will die Ausstellung auch wieder verlassen, wann er will. Doch die vier Kinder Konrad, Emily, Iggy und Tessa sowie ihre beiden erwachsenen Begleiter, Wanda und der Ich-Erzähler, werden eingesperrt in ein Haus voller Kunst-Schätze. Im Eingangsbereich hat es einen Anschlag gegeben. Wie dieser schreckliche Vorfall die Besucher beeinflusst und noch viel mehr – das erzählt Hanno Millesi in seinem schmalen, aber thematisch reichen Roman „Die vier Weltteile“, in dem es vor allem um die große Kunst und ihre eindrückliche Wirkung auf junge wie ältere Betrachter geht.   „Welt der Kunst – Hanno Millesi „Die vier Weltteile““ weiterlesen

Allein? – Céline Minard „Das große Spiel“

„Die Elemente sind maßlos.“

Einsamkeit oder Gemeinschaft? Welcher Zustand, welche Lebensform entspricht mehr dem Wesen des Menschen? Empfinden wir es nicht als lästig, in überfüllten Supermärkten einkaufen zu gehen, in der U-Bahn zu stehen Rücken an Rücken, nur wenige Zentimeter als Komfortzone zwischen den nächsten „Nachbarn“ auf beiden Seiten  am Strand zu haben? Aber war Robinson nicht überglücklich, als er auf seinen, wenn auch ungleichen Vertrauen Freitag stieß? In dem neuen eindrücklichen Roman von Céline Minard „Das große Spiel“ sucht eine Frau die Abgeschiedenheit der Berge der Alpen auf.

„Allein? – Céline Minard „Das große Spiel““ weiterlesen