Nur weg – Andreas Moster „wir leben hier, seit wir geboren sind“

„Es gibt keine falschen Entscheidungen, jede Abbiegung vervielfacht die Möglichkeiten.“

Ein Mann kommt eines Tages in ein Dorf. Der Name des Ortes, in den Bergen gelegen, tut nichts zur Sache. Georg Musiel, der Fremde, soll die Wirtschaftlichkeit des örtlichen Steinbruchs prüfen. Was er bei seiner Reise und am ersten Tag an seinem Ziel wohl nicht ahnen kann: Er wird das Leben des Dorfes gehörig auf den Kopf stellen. Nichts wird mehr sein wie früher – für viele Einwohner. Zwischen der Ankunft und dem tragischen Geschehen am Ende des eindrucksvollen Debüt-Romans „wir leben hier, seit wir geboren sind“ von Andreas Moster liegen knapp 170 Seiten und mit Blick auf die Erzähl-Zeit nur wenige Tage. „Nur weg – Andreas Moster „wir leben hier, seit wir geboren sind““ weiterlesen

Schmerz – Hanya Yanagihara „Ein wenig Leben“

„Er wollte loslassen, er wollte, dass die Kreatur in seinem Inneren sich in einen Schlaf begab, aus dem sie nie wieder erwachte.“ 

Ein Buch, über das viele sprechen. Dessen Cover ein Hingucker ist, das man einfach anschauen muss: Der Roman „Ein wenig Leben“ der Amerikanerin Hanya Yanagihara ist seit seiner Veröffentlichung im Januar dieses Jahres noch immer in aller Munde. Nicht umsonst erhielt ich kürzlich eine kurze Nachricht einer ehemaligen Mitschülerin, mit der ich einst den Deutsch-Leistungskurs an der Penne absolviert hatte: „Hast du schon dieses Buch gelesen?“. Ich musste verneinen und zugeben, dass auch der ebenfalls sehr dickleibige neue Roman von Paul Auster noch in meinem Regal darauf wartet, gelesen zu werden. Von dem jüngsten Werk von Jonathan Safran Foer ganz zu schweigen. Doch diese kurze Botschaft via Facebook ließ mich schließlich zu dem Buch mit dem markanten Cover-Foto greifen und ich begann zu lesen. „Schmerz – Hanya Yanagihara „Ein wenig Leben““ weiterlesen

Lebensläufe – Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten“

„So viele Jahre. Ein anderes Leben.“

Morgen ist ein neuer Tag. Morgen beginnt ein anderes Leben. All die Wünsche und Träume beginnen – morgen. Da wird der öde und schlecht bezahlte Job gekündigt, die noch ödere Partnerschaft beendet, endlich mal all jenen Mitmenschen die Meinung gegeigt, die man nicht ausstehen kann und doch jeden Tag ums Neue anlächelt. Doch es wird nicht so kommen. Alles sind nur Gedanken und bleiben es meistens auch. Aus den verschiedensten Gründen. Weil wir bequem sind, den Mut nicht haben, uns wirtschaftlich wie sozial in bereits eingefahrenen Bahnen bewegen. Vielleicht findet sich der eine oder andere  im neuen Roman von Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten“ erschreckenderweise wieder. Denn das Leben mit all seinen guten wie schlechten Zeiten, verpasste Chancen sowie falsche Entscheidungen sind das große Thema des Franzosen. „Lebensläufe – Olivier Adam „Die Summe aller Möglichkeiten““ weiterlesen

Der Prozess – Michail Schischkin „Die Eroberung von Ismael“

„Die Zeit hat ein kaputtes Gewinde, sie dreht durch wie eine überdrehte Schraubenmutter.“

Die Eisenbahn verbindet nicht nur einen bestimmten Ort mit einem anderen. Sie kann vielmehr auch ein riesiges und unermessliches Land für den menschlichen Geist in einer bestimmten Weise erfassbar machen. Als in Nordamerika der Kontinent von Ost nach West besiedelt wurde, zählte der Bau der Eisenbahn-Strecke von Küste zu Küste zu einem der größten und wichtigsten Bauprojekte. Nicht anders ist es in Russland, wo die Transsibirische Eisenbahn bis heute Kultstatus genießt. Züge und Bahnhöfe spielen in „Die Eroberung von Ismail“, dem neuen Roman des russischen Autors Michail Schischkin, eine wesentliche Rolle. Doch der ist keineswegs so leicht und bequem wie eine Fahrt mit einem Zug.  „Der Prozess – Michail Schischkin „Die Eroberung von Ismael““ weiterlesen

Sumpf – Larry Brown „Fay“

„Manchmal hatte er das Gefühl, als hätte er zwei Drittel seines Lebens hinterm Lenkrad verbracht, auf immer wieder denselben Straßen.“

Die Südstaaten der USA haben ihr eigenes Gesicht – geprägt von ihrer besonderen Geschichte als Teil der US-amerikanischen Historie, geprägt von ihren Gegebenheiten aufgrund der speziellen geografischen Lage. Der amerikanische Autor Larry Brown hat den Süden seines Landes in das Zentrum seiner Werke gesetzt. Vielen wird er hierzulande kaum bekannt sein, denn erst mit der deutschen Übersetzung seines vierten Romans „Fay“ wird er wohl einem breiteren Publikum vertraut werden. Den möglichen Erfolg wird Brown jedoch nicht erleben können: Er starb 2004 mit gerade mal 53 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes. „Sumpf – Larry Brown „Fay““ weiterlesen

Familiengeheimnis – Paul Baeten Gronda „Straus Park“

„Seit drei Generationen hatte seine Familie diese Fassade im Blick. Sauber, beständig, leblos.“ 

Amerika wurde über Jahrhunderte für unzählige jüdische Familien zu einer zweiten Heimat. Sei es, um der Armut zu entfliehen, sei es, um den Pogromen und Verfolgungen zu entkommen. Heute leben schätzungsweise acht Millionen Juden in den USA. Amos Grossmanns Großeltern Charlotte und Markus gelingt es, untergetaucht in Amsterdam, nahezu unbeschadet das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg zu überstehen und am Ende des Krieges in die USA zu emigrieren. Was der Enkel der vermögenden Familie allerdings zuerst nicht weiß, ist, dass ihre Flucht noch einen ganz anderen Grund hat.       „Familiengeheimnis – Paul Baeten Gronda „Straus Park““ weiterlesen