Emmanuelle Fournier-Lorentz – „Villa Royale“

„Die Toten kommen nicht wieder, und die Lebenden gehen fort.“

Kein Ort, nirgends. Sie sind immer auf Achse, nach nur wenigen Wochen verlassen sie wieder die Stadt, in die es sie zuvor verschlagen hat. Seit dem überraschenden und allzu frühen Tod ihres Vaters ist für Palma nichts mehr, wie es einst gewesen war. Gemeinsam mit ihrer Mutter und den beiden Brüdern Charles und Victor führt sie ein Leben auf der Flucht – und der Trauer. Mit ihrem Debütroman „Villa Royale“ hat die Französin Emmanuelle Fournier-Lorentz eine berührende wie sonderbare Familiengeschichte geschrieben, die von der besonderen Erzählstimme lebt und durchaus auch Spannung enthält.  „Emmanuelle Fournier-Lorentz – „Villa Royale““ weiterlesen →

Kristin Valla – „Das Haus über dem Fjord“

„Nur Papa sank, kam nie an die Oberfläche, hatte etwas in sich, das ihn schwer machte.“

Es sind nur wenige Sekunden, in denen die zehnjährige Elin ihren Vater und ihre beiden älteren Brüder Thomas und Vegard für immer verliert. Auf dem Weg zu einer Familienfeier kommen sie infolge eines Erdrutsches ums Leben. Das Mädchen und ihre Mutter sind an jenem Tag daheim geblieben. Mehr als 20 Jahre später und nach dem Tod der Mutter kommt die nunmehr erwachsene Elin einem streng gehüteten Geheimnis auf die Spur, das die gesamte Familiengeschichte nicht nur infrage stellt. In ihrem berührenden wie atmosphärischen Roman „Das Haus über dem Fjord“ erzählt die Norwegerin Kristin Valla von Trauer und Schmerz und welche Folgen die Geheimnisse der Eltern auf die nächste Generation haben können.

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Alex Schulman – „Die Überlebenden“

„Nebeneinander stehen sie da, sie, die übriggeblieben sind, (…).“ 

Der Anfang ist das Ende. Um die Asche ihrer verstorbenen Mutter im See zu verstreuen und damit ihren letzten Wunsch zu erfüllen, kommen drei Brüder zusammen. Benjamin, Pierre und Nils haben sich mehrere Jahre nicht gesehen, sind mittlerweile erwachsen. Keiner weiß, was der andere macht, wie er sein Leben gestaltet. Ist die Wiederbegegnung zu Beginn angesichts einer gewissen Wiedersehensfreude noch harmonisch, kommt es zum blutigen Streit. Trauer und Traumata verbinden sich zu einer verhängnisvollen Mischung, die viele Gefühle aus dem Verborgenen heraufbeschwören lässt. Denn die Vergangenheit ist eben nicht vergangen. Wie ein Krake umklammert sie die Gegenwart. In seinem großartigen Romandebüt „Die Überlebenden“ erzählt der schwedische Autor Alex Schulman vom Gestern und Heute einer Familie, die zerbrochen und verwundet ist.

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Per Petterson – „Männer in meiner Lage“

„(…) denn alles, was ich an Dunkelheit hatte, drückte von innen gegen die Wände und füllte den Raum (…).“

Als sie in Oslo die Fähre in Richtung Frederikshavn bestiegen, konnte keiner der 383 Passagiere und 99 Besatzungsmitglieder an jenem 7. April 1990 ahnen, dass ihre folgende Fahrt über das Skagerrak in eine verheerende Katastrophe münden würde. Bei einem Brand auf der „Scandinavian Star“ starben an jenem Tag 159 Menschen. Darunter die Eltern und der jüngste Bruder des norwegischen Schriftstellers Per Petterson.  Nach seinem bereits im Jahr 2007 in deutscher Übersetzung erschienenen Roman „Im Kielwasser“ verarbeitet er auch in seinem jüngsten Buch „Männer in meiner Lage“ das Drama und den Verlust, den er damals als 38-Jähriger erfahren musste.  „Per Petterson – „Männer in meiner Lage““ weiterlesen →

Colum McCann – „Apeirogon“

„Wir fliehen vor unserem Schmerz in unseren Schmerz.“

Apeirogon bezeichnet eine Figur mit einer zählbar unendlichen Menge an Seiten. Der Name geht auf das griechische Wort „apeiron“ zurück, das „das Unbegrenzte“, „das Unbestimmte“ bedeutet. Nach diesem Begriff aus der Geometrie ist der neue Roman des irischen Schriftstellers Colum McCann benannt. Von zahlreichen Seiten schaut er dabei auf den langjährigen und gewalttätigen Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei reale Personen, die einen schmerzlichen Verlust erleben mussten und schließlich trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft einen gemeinsamen Weg verfolgen.

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Kent Haruf – „Kostbare Tage“

„Hier passiert nichts, ohne dass alle Leute es mitkriegen.“

Schriftsteller erschaffen nicht nur literarische Figuren und deren Leben, sondern oftmals auch Orte. In allen sechs Romanen des amerikanischen Autors Kent Haruf (1943 – 2014) ist die fiktive Kleinstadt Holt in Colorado Schauplatz der Handlung. Mit seinem letzten Roman „Our Souls by Night“, 2017 in deutscher Übersetzung mit dem Titel „Unsere Seelen bei Nacht“ erschienen, setzte in den vergangenen Jahren eine Wiederentdeckung und Würdigung des mehrfach preisgekrönten Verfassers ein. Zuletzt erschien sein Roman „Kostbare Tage“ aus dem Jahr 2013, mit dem er sich auf ergreifende Art einem Tabu-Thema zuwendet: Tod, Abschied und Trauer.  „Kent Haruf – „Kostbare Tage““ weiterlesen →