Familie – Vicente Valero „Die Fremden“

„Keine Biografie, mag sie noch so kurz sein, ist frei von Labyrinthen – wer sie betritt, läuft Gefahr, nie mehr herauszufinden.“

Es gibt sie wohl in jeder Familie: Verwandte, die die Heimat verlassen, ein besonderes Leben in der Ferne geführt haben, die in den Gesprächen zu Familienfeiern immer wieder erwähnt werden, aber für die meisten trotzdem ob der Entfernung fremd geblieben sind. Der spanische Autor Vicente Valero nähert sich in seinem Roman „Die Fremden“ diesen Phänomen an. Gleichzeitig ist sein Werk eine Hommage an das Familienleben und seine Heimatinsel Ibiza. „Familie – Vicente Valero „Die Fremden““ weiterlesen →

Lebensgemälde – Markus Orths „Max“

„Kunst ist keine Ewigkeitsreligion. Kunst ist das Fest des Augenblicks.“

Er nennt sich Loplop oder kurz nur Max. In sein bewegtes, wechselvolles wie reiches Leben hat sich das 20. Jahrhundert mit seinen goldenen und seinen dunkelsten Jahren sowie die Liebe zu und von sechs Frauen eingeschrieben. Max Ernst (1891 – 1976) zählt zu den großen Namen der modernen Kunst. Über den Maler, Bildhauer und führenden Vertreter der Dada-Bewegung hat Markus Orths nun einen Roman geschrieben, der Ernst sicherlich gut gefallen hätte. „Lebensgemälde – Markus Orths „Max““ weiterlesen →

Blut – Jo Nesbø „Durst“

Es ist der Herbst des Jo Nesbø. In den deutschen Kinos läuft aktuell die Verfilmung seines Romans „Schneemann“, da liegt auch schon der neue Fall des charismatischen Ermittlers Harry Hole in den Auslagen der Buchläden. „Durst“ heißt das neue Buch, das dem Leser die Abgründe des Menschen, von Mörder wie Ermittler gleichermaßen, aufzeigt. Denn wer Hole kennt, weiß um seinen gebrochenen Charakter. Auf der einen Seite erfolgreich hat der Ermittler mit seiner Alkoholsucht, seinem dunklen Wesen und seiner extremen Arbeitswut zu kämpfen. „Blut – Jo Nesbø „Durst““ weiterlesen →

Lindsey Lee Johnson – „Der gefährlichste Ort der Welt“

Sie ist eine der beliebtesten Fotomotive in den USA, doch tragischerweise auch ein bekannter Ort, an dem Menschen ihrem Leben ein Ende setzen wollen: die Golden Gate Bridge in San Francisco. An einem sonnigen Junitag in den Morgenstunden kurz nach dem Aufstehen radelt Tristan Bloch zur Brücke. Mit einem letzten Gedanken an seine Mutter und „ohne jeden Schmerz, ohne jede Traurigkeit“ stürzt er sich in die Tiefe. Die Küstenwache findet später seine Leiche. Tristan ist gerade mal 13 Jahre alt, von den anderen Schülern an seiner Schule belächelt und Opfer einer fiesen Mobbing-Intrige.  Sein Tod wird bereits auf Seite 53 des Romans „Der gefährlichste Ort der Welt“ erzählt. Wer glaubt,  dass in dem Buch die amerikanische Autorin Lindsey Lee Johnson damit schon alles geschildert hat, der irrt gewaltig. Denn mit diesem tragischen Ereignis fängt die Geschichte erst an, ihre eindrucksvolle Wirkung zu entfalten.  „Lindsey Lee Johnson – „Der gefährlichste Ort der Welt““ weiterlesen →

Der Zeit voraus – Klaus Cäsar Zehrer „Das Genie“

„Man hat nur die Wahl, an der Masse zugrunde zu gehen oder an der Einsamkeit.“

Bereits als Kleinkind im Alter von nur 18 Monaten liest er tagtäglich die Zeitung, mit vier Jahren bringt er sich Latein und Griechisch bei, weitere Sprachen folgen. Als Zehnjähriger stellt er Studenten der renommierten Harvard-Universität seine eigene Theorie der vierten Dimension vor. William James Sidis (1898 – 1944) war ein Wunderkind, der damit schon früh das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen hat, von der Presse bis zu seinem frühen Tod regelrecht verfolgt wurde. Nach dem dänischen Autor Morton Brask, der in seinem Roman „Das perfekte Leben des William Sidis“ (Nagel & Kimche) bereits den Amerikaner in den Mittelpunkt stellt, erzählt nun auch Klaus Cäsar Zehrer in seinem Debüt „Das Genie“ vom filmreifen Aufstieg und Fall des Wunderkindes.   „Der Zeit voraus – Klaus Cäsar Zehrer „Das Genie““ weiterlesen →

Erling Kagge „Stille“

„Die Stille ist eher eine Idee. Ein Gefühl. Eine Vorstellung.“

Wenn ich gerade in diesen Momenten diesen Beitrag schreibe, ist das leise Klacken der Tasten meines Notebooks zu hören, der Lüfter des mobilen Computers, der auf meinem Schoss liegt, rauscht. Ich sitze auf dem Sofa, das leise knarrt, wenn ich mich bewege, um mich über das Buch zu beugen, das neben mir liegt und Inhalt dieser Besprechung ist. Der Umschlag des Bandes ist bis auf die dünnen schwarzen Lettern, die auf Titel, Autor und Verlag verweisen, ganz in Weiß gehalten. Befreit man das Buch von seiner äußersten Papierhülle, wird ein buntes Bild sichtbar: der Blick auf eine stark befahrene Kreuzung. Eine besonders gelungene Umsetzung des Inhalts. Denn in seinem Band „Stille“ berichtet Verleger und Weltenbummler Erling Kagge, dass Stille nicht nur die Abwesenheit von Geräuschen ist. Sie ist auch dort zu finden, wo es niemals leise ist.  „Erling Kagge „Stille““ weiterlesen →