Vom Feuer – Nicol Ljubić „Ein Mensch brennt“

„Die Wirklichkeit aber ist ein Wechselspiel zwischen Erbanlagen und Erlebtem.“

Jan Palach, Oskar Brüsewitz, Hartmut Gründler. Drei verschiedene Männer aus unterschiedlichen Städten, die doch auf die selbe Art und Weise ihrem Leben ein Ende und zugleich ein letztes Zeichen ihres Protestes gesetzt haben. Sie übergossen sich mit Benzin und zündeten sich selbst an. Ein unvorstellbar grausamer Tod. Während der Prager Student Palach und der Zeitzer Pfarrer Brüsewitz gegen das Diktat der Sowjetunion beziehungsweise die Unterdrückung der Kirche in der DDR protestierten, gehörte Gründler in den 1970er-Jahren zu den Gegnern der Atomkraft. In seinem neuen Roman „Ein Mensch brennt“ erinnert Nicol Ljubić an den einstigen Lehrer und Umweltaktivisten und erzählt zugleich eine berührende Familiengeschichte.  „Vom Feuer – Nicol Ljubić „Ein Mensch brennt““ weiterlesen →

Drei Frauen – Svealena Kutschke „Stadt aus Rauch“

„Sie hatte gerade die Angst vor der Dunkelheit verloren, als sie lernte, dass es die Dunkelheit war, in der Menschen verschwanden.“

Lübeck – Hansestadt und Weltkulturerbe, an der Trave gelegen, bekannt für Marzipan und als Schauplatz des berühmten Thomas-Mann-Romans „Die Buddenbrooks“, erste Großstadt, die während des Zweiten Weltkriegs bei einer Flächenbombardierung der Alliierten Tod und Verwüstung erfuhr. Lübeck zählt für mich zu den charismatischsten Städten des Nordens, hat Geschichte und Geschichten geschrieben. Eine ist nun mit dem neuen Roman von Svealena Kutschke dazugekommen, der die wechselvolle Historie der Stadt mit jener einer Familie auf unnachahmliche Art und Weise verschmelzen lässt.  „Drei Frauen – Svealena Kutschke „Stadt aus Rauch““ weiterlesen →

Wunden – Gilles Marchand „Ein Mund ohne Mensch“

„Man kann seine Narben nicht auf ewig vor seiner Familie verbergen.“ 

Er ist Sichtschutz wie Schutzschild. Er bewahrt vor Blicken wie er seinen Träger vor Reaktionen und damit vor der stetigen Erinnerung an ein schreckliches Ereignis schützt. Der namenlose Ich-Erzähler in dem Debüt des Franzosen Gilles Marchand mit dem Titel „Ein Mund ohne Mensch“ trägt seit frühester Kindheit einen Schal, der den Hals und die untere Partie des Gesichtes verbirgt. Warum das so ist, wird erst am Ende des Romans, der neben dem Schicksal seines Helden viele kleine wundersame Geschichten enthält, erzählt.  „Wunden – Gilles Marchand „Ein Mund ohne Mensch““ weiterlesen →

Zwei Welten – Elena Ferrante „Die Geschichte der getrennten Wege“

„Mein Etwas-Werden hatte sich in ihrem Fahrwasser vollzogen.“

Zweifellos: Die Neapolitanische Saga um die beiden Mädchen und späteren Frauen Elena und Lila ist ein literarisches Phänomen,  über das man noch in einigen Jahren reden wird. Und sicherlich werden die vier Bücher über deren Freundschaft über die Kindheit hinaus weiterhin gelesen werden. Da spielt es wohl kaum mehr eine Rolle, dass ein ehrgeiziger Journalist die wahre Identität hinter dem Pseudonym Elena Ferrante nach ausgiebiger Recherche herausgefunden hat. Im Mittelpunkt steht das Werk. Punkt! Das wird allzu sehr deutlich, als der nunmehr dritte Band sogleich nach seinem Erscheinen Rang eins der Spiegel-Bestsellerliste belegte, während die Erinnerung an die Schlagzeilen nahezu verblasst sind. Eine Erscheinung, für die ich persönlich Genugtuung empfinde, denn aller journalistischer Eifer in Ehren, ein schützendes Pseudonym sollte ein Pseudonym bleiben.  „Zwei Welten – Elena Ferrante „Die Geschichte der getrennten Wege““ weiterlesen →

Intelligenz – Andreas Brandhorst „Das Erwachen“

„Würden sie die Menschen für eine intelligente Spezies halten? Wenn man bedenkt, welches Chaos wir auf der Erde anrichten?“

Wir kommunizieren via Internet.  Apps helfen uns, die Heizung zu regulieren, Bestellungen zu machen, Geld zu überweisen. Die Welt ist miteinander vernetzt und wir mit ihr. All das nehmen wir mittlerweile selbstverständlich hin. In einigen Jahrzehnten werden die digitalen Möglichkeiten wohl noch raumgreifender sein. Doch was geschieht, wenn der Mensch die Herrschaft über seine eigene Technik verliert, weil eine sogenannte Maschinenintelligenz entsteht? Andreas Brandhorst hat über dieses mögliche Zukunftsszenario einen beklemmenden und spannenden Roman geschrieben, der zugleich schildert, wie beängstigend abhängig die Menschheit bereits von der vernetzten digitalen Welt ist – in all nur erdenklichen Lebensbereichen.  „Intelligenz – Andreas Brandhorst „Das Erwachen““ weiterlesen →

Von Stimme und Lampenfieber – Warum ich vorlese

Denke ich an meine Kindheit zurück, fallen mir vor allem natürlich das Lesen und das Verschwinden in den geliebten Büchern und Geschichten ein. Aber es gab da noch eine andere Szene: Ich mit der Haarbürste in der Hand „singe“ einen Hit der Pet Shop Boys. Warum nun gerade die Pet Shop Boys kann ich nicht genau sagen. Aber ich gab jedenfalls als Sängerin in meinem Playback mein Bestes. Gestenreich sprang und tanzte ich in meinem Kinderzimmer umher, die Bürste als Mikrofon vor meinem Gesicht. Warum ich nicht wirklich sang, bis heute nur allein meist während des Autofahrens, liegt daran, dass ich meine Stimme, ihre Tonlage und den sächsischen Akzent, in den ich immer noch leicht verfalle, nicht wirklich mochte und bis heute nicht wirklich mag. Auch das obligatorische Sprechtraining während meines Studiums hat mir nicht geholfen, ein A eben wie ein A auszusprechen und nicht wie ein Zwischending von A und O.

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