Stories – Boris Fishman „Der Biograf von Brooklyn“

„Es hat diese Stille. Diese schreckliche russische Stille, die die Amerikaner nicht begreifen. Sie machen ständig Lärm, weil sie vergessen wollen, dass das Leben irgendwann zu Ende ist. Wir vergessen das nie, deswegen haben wir diese Stille, auch wenn wir schreien und lachen.“

Er hat seine jüdische und osteuropäische Herkunft in die entlegensten Bereiche seines Bewusstseins verbannt. Die Familie, die ihn an diese erinnern könnte, besucht er nur noch selten. New York bietet bekanntlich reichlich Platz, um die Distanz zwischen zwei Menschen zu vergrößern. Der Journalist Slava Gelman will leben wie ein Amerikaner, schreiben wie ein Amerikaner. Doch dann stirbt seine geliebte Großmutter Sofia und ein Brief der Konferenz für jüdische Schadenersatzansprüche gegen Deutschland bringt Turbulenzen in sein eher beschauliches Dasein, das Boris Fishman in seinem Debütroman „Der Biograf von Brooklyn“ erzählt.  „Stories – Boris Fishman „Der Biograf von Brooklyn““ weiterlesen →

Überleben – Anthony Marra „Die niedrigen Himmel“

„Unter der Wolkendecke sahen ferne Städte und Dörfer winzig aus. Angreifer wie Angegriffene klammerten sich an ihre Handvoll Erde, aber am Ende lebte die Erde länger als die Hände, die sie umschlossen.“

Nahezu abseits unserer Gedankenwelt gab es einen Krieg, dem wenig später ein weiterer folgte. Bis heute erfährt Tschetschenien wenig Aufmerksamkeit – wie wohl eine Vielzahl jener Staaten, die nach dem Zerfall der Sowjetunion ihre Selbstständigkeit errungen haben.  Die Republik im Nordkaukasus wurde gleich zweimal von Krieg und Elend (1994 – 1996/1999 – 2009) getroffen. In seinem Debüt-Roman „Die niedrigen Himmel“ erzählt der Amerikaner Anthony Marra vom Leid der Bevölkerung und ihrem Kampf ums Überleben.  „Überleben – Anthony Marra „Die niedrigen Himmel““ weiterlesen →

Unfassbar – David Garnett „Dame zu Fuchs“

„Wo eben noch seine Frau gewesen war, stand, mit leuchtend  rotem Fell, ein kleiner Fuchs.“

Wollen wir uns nicht ab und an in ein Tier verwandeln? Wenn uns Stress plagt in ein Faultier, wenn eine peinliche Situation droht in eine winzige Maus oder in der kalten Winterszeit in einen Delfin, der über die Wellen eines tropischen Meeres springt. Allerdings sollte es sicher sein, dass wir wieder zu einem Menschen werden. Denn das berührende Schicksal von Mr. und Mrs. Tebrick in dem Roman „Dame zu Fuchs“ von David Garnett zeigt uns die andere Seite der Verwandlung.  „Unfassbar – David Garnett „Dame zu Fuchs““ weiterlesen →

Am See – Sylvain Tesson „In den Wäldern Sibiriens“

„Es ist gut zu wissen, dass irgendwo auf der Welt in einem Wald eine Hütte steht, wo etwas möglich ist, das nicht allzu weit entfernt ist, vom Glück zu leben.“

Bücher über Aussteiger, ihre Naturerlebnisse und spirituellen Erfahrungen schießen wie Pilze aus dem Boden. „Ich bin dann mal weg“ ist nicht nur der Titel eines Bestsellers eines Prominenten. Er scheint eine Art Hilfeschrei zu sein angesichts einer immer hektischer werdenden Welt. Wir suchen den Zugang zu einem Leben in Stille und Bescheidenheit. Der französische Autor und Weltenbummler Sylvain Tesson hat sechs Monate in einer Hütte am russischen Baikalsee gelebt und eine andere Daseinsform für sich entdeckt. „Am See – Sylvain Tesson „In den Wäldern Sibiriens““ weiterlesen →

Lebenslügen – Richard Yates „Cold Spring Harbor“

„In der Realität konnte einen alles auf Schritt und Tritt daran erinnern, dass das eigene Leben verknäuelt und gefährlich unvollständig war.“

Was haben wir nicht alle für Lebenspläne. Eine Weltumsegelung, den Doktor-Titel, Haus bauen, Baum pflanzen, Kind zeugen. Wir machen Ideen für unser Dasein auf Erden, als ob sie wie auf einer Liste nur nach und nach abgehakt werden müssen. Wir ahnen nicht, dass wir auf Hindernisse stoßen könnten, zu denen das Leben selbst gehört. In seinem Roman „Cold Spring Harbor“ erzählt der Amerikaner Richard Yates von Menschen, die Großes wollen, aber schlichtweg im Alltag versumpfen. „Lebenslügen – Richard Yates „Cold Spring Harbor““ weiterlesen →

Inselsammler – Ulrich Schacht „Grimsey“

„Erinnere dich, sagte die Stimme: Eine Insel, nur von Gras überzogen, und ein Haus darauf, in das ich gehen kann oder aus dem ich komme, um vor dem Meer zu stehen. Das war doch dein erster großer Traum.“

Mit fünf Quadratkilometern ist sie nur ein Viertel so groß wie Hiddensee. Zahlreiche Vogelarten bestimmen die Fauna der Insel, deren Namen wohl den wenigsten bekannt sein wird. Obwohl Grimsey eine besondere Eigenschaft besitzt: Der Polarkreis verläuft über das nördlich von Island gelegene Eiland. Auf das es einen Mann verschlägt, der die knapp bemessene Zeit aus wenigen Stunden zwischen An- und Abreise für einen Rundgang nutzt, der indes von besonderen Erinnerungen begleitet wird.  „Inselsammler – Ulrich Schacht „Grimsey““ weiterlesen →