Jan Brokken „Sibirische Sommer mit Dostojewski“

„Schreiben sei sein Schicksal.“

Sicherlich stehen in den meisten gut gefüllten und gut sortierten Bücherregalen  wenigstens eines seiner Werke. Vielleicht „Schuld und Sühne“, „Die Brüder Karamasow“ oder „Der Idiot“, vielleicht auch alle hübsch nebeneinander. Die russische Literaturgeschichte wäre wohl ohne seinen Namen und seine weltliterarischen Werke um einiges ärmer: Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 – 1881) zählt zu den bedeutendsten Autoren seines Landes. Doch nur wenige wissen, dass seine schriftstellerische Karriere bereits an ihrem Beginn nahezu ein Ende hätte finden können und dass ein Mann und die gemeinsame Freundschaft ihn beflügelt haben. „Jan Brokken „Sibirische Sommer mit Dostojewski““ weiterlesen →

Eine bessere Welt – Cory Doctorow „Walkaway“

„Leck mich doch, die ganze Welt brennt.“

Utopien werden oft auf ihre spätere Gültigkeit abgeklopft. Was ist von den formulierten Zukunftsideen und -bildern wirklich eingetreten, was wurde vom Menschen technisch realisiert oder ist ohne sein Zutun entstanden. Das macht sie so spannend. Meist warnen sie, meist erzählen sie uns, wie wir auf Katastrophen reagieren. Für das Schreiben und Lesen von Utopien braucht es viel Fantasie, aber vor allem auch ein Verständnis für aktuelle Entwicklungen. Der kanadische Schriftsteller, Blogger und Journalist Cory Doctorow beschreibt in seinem Roman „Walkaway“ eine düstere Vision, allerdings nicht ohne uns Hoffnung auf eine bessere Welt zu geben.   „Eine bessere Welt – Cory Doctorow „Walkaway““ weiterlesen →

Blut für Blut – Jo Nesbø „Macbeth“

„Dies ist die ird’sche Welt, wo Böses tun oft löblich ist, und Gutes tun zuweilen schädliche Torheit heißt.“ (William Shakesspeare „Macbeth“)

Aus meiner Leseerinnerung heraus ist „Macbeth“ das wohl düsterste und blutigste Drama William Shakespeares. Eines, das von der Gier nach Macht und über Mord, aber auch von Loyalität erzählt. Um 1606 geschrieben, ist es neben „Hamlet“ die bekannteste Tragödie aus der Feder des berühmten Engländers, der die Weltliteratur bis heute und darüber hinaus bestimmt. Anlässlich seines 400. Todestages initiierte der Verlag The Hogarth Press ein besonderes internationales Projekt, mit dem eine Handvoll Werke Shakespeares in ein neues modernes literarisches Gewand gekleidet werden. Knaus verlegte die deutschen Übertragungen.

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Jonathan Drori „In 80 Bäumen um die Welt“

Für mich ist er ein Freund, oder soll ich eher Freundin sagen? Schließlich handelt es sich bei ihr um eine Platane. 1825 im Park in Schulpforte nahe Naumburg gepflanzt, ist sie gemessen an ihrem Kronen-Durchmesser der dritthöchste Baum in Deutschland, ein Naturdenkmal, ein Geschöpf, das staunen lässt. Um seinen Stamm steht eine Bank. Ein Platz, den ich gern aufsuche, weil er Kraft und Ruhe spendet. In seinem Stamm sehe ich ein Gesicht, wenn auch etwas verrunzelt, die riesigen Äste sind kräftige Arme, die mir bei meiner Ankunft im Park nahezu zuzuwinken scheinen. „Jonathan Drori „In 80 Bäumen um die Welt““ weiterlesen →

Vom Suchen und Finden – Reinhard Stöckel „Der Mongole“

„Wo Vergehen ist, ist auch Beginn.“

Irgendwann in naher Zukunft. Drohnen bringen die Post und liefern die bestellten Einkäufe aus dem Supermarkt bequem nach Hause. Künstliche Intelligenz hat Einzug gehalten in Verwaltungen. Die Wölfe stehen nicht mehr unter Schutz. Der Wissenschaftler Radik kommt in die Lausitz, um im Auftrag seines Vorgesetzten die Raubtiere zu beobachten. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit des Biologen auf ein ganz anderes Geschöpf: auf den stark gefährdeten Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze. Doch Radik ahnt nicht, dass seine Forschungsreise auch eine Reise in die Geschichte seiner Familie bedeutet.  „Vom Suchen und Finden – Reinhard Stöckel „Der Mongole““ weiterlesen →

Zurück in Neapel – Elena Ferrante „Die Geschichte des verlorenen Kindes“

„Bücher schreibt man, um gehört zu werden, nicht um den Mund zu halten.“

Es heißt nun, Abschied zu nehmen. Zwei Jahre hat sie mich begleitet – die Neapolitanische Saga von Elena Ferrante um die Freundschaft zwischen Lila und Elena, von der Kindheit bis ins reifere Alter. Sechs Jahrzehnte, von den Nachkriegsjahren in Neapel bis in die moderne Zeit des 21. Jahrhunderts. Im Herbst 2016 las ich den ersten Band mit dem Titel „Meine geniale Freundin“, in den vergangenen Tagen nun den vierten und letzten Band mit dem Titel „Das verlorene Kind“.  „Zurück in Neapel – Elena Ferrante „Die Geschichte des verlorenen Kindes““ weiterlesen →