Der Anfang vom Ende – Peter Høeg „Der Susan-Effekt“

„Mit den tieferen wissenschaftlichen Wahrheiten ist es wie mit der Ehrlichkeit: Sie müssen mit Maß dosiert werden.

Die Zeiten, in denen die Zukunft mit einem Blick in den Kaffeesatz oder die Glaskugel gelesen wird, sind vergessen. In Dänemark ist eine Kommission aus Experten verschiedener Gebiete ins Leben gerufen worden. Ihre Prognosen für die Zukunft haben eine hohe Trefferquote, erfüllen sich nahezu immer; ob es um politische Umbrüche oder Naturkatastrophen geht. Doch mehr als 40 Jahre nach der Gründung werden deren Mitglieder getötet. Susan Svendsen entdeckt nicht nur die erste Leiche. Die 43-jährige Experimentalphysikerin ist mit ihrem Mann und den beiden Kindern Thit und Harald mittendrin in diesem rätselhaften Geschehen auf der Suche nach dem Abschlussbericht des besonderen Gremiums. Den der ist die Währung, um sich nach heiklen Vorfällen in Indien, wohin die ganze Familie gereist war, aus drohenden Gefängnisstrafen „freizukaufen“.  Der Anfang vom Ende – Peter Høeg „Der Susan-Effekt“ weiterlesen

Eiszeit – Zehn Lesetipps, die in die Kälte führen

„Hier draußen (…) Auge in Auge der Natur gegenüberzustehen und seinen Scharfsinn an ihren Rätseln zu erproben, das gibt dem Leben einen ungeahnten Inhalt.“  Alfred Wegener über die Arktis

Alles fing an mit einem Film, den ich einst als Kind gesehen habe. Er beschreibt den Wettlauf zum Südpol zwischen Robert Falcon Scott und Roald Amundsen. Während der Norweger als Nationalheld seines Landes und bis heute als einer der großen Entdecker des 20. Jahrhunderts gilt, hat der Engländer den Wettstreit nicht überlebt. Seitdem ich diesen Film gesehen habe, brenne ich für den weißen Planeten, die Arktis und die Antarktis, die Kälte und Europas Norden. Vor einigen Wochen fragte Buchhändler Thomas Calliebe auf Facebook in der Gruppe „Blogger & Buchhandel“ nach Lesetipps rund um das Thema, um ein Schaufenster seines Geschäftes in Groß-Gerau zu gestalten. Aus jener Lektüreliste habe ich zehn herausgesucht, um sie hier vorzustellen – zum besten Zeitpunkt. Denn es herrscht hierzulande bekanntlich Hochsommer.  Eiszeit – Zehn Lesetipps, die in die Kälte führen weiterlesen

Zurück nach Fetknoppen – Leena Parkkinen „Die alte Dame, die ihren Hut nahm und untertauchte“

„Als junger Mensch bildete man sich ein, dass einem irgendwie die Zeit davonlaufe. Im Alter verstand man erst, dass außer Zeit nichts anderes mehr übrig war.“ 

Es gibt viele Orte, die bekannt dafür sind, die besondere Begegnung zweier Menschen zu fördern: der Supermarkt, eine Bar, ein Park, vielleicht auch ein Fußballspiel in einem Stadion. Im Fall von Karen und Azar ist es eine schnöde Tankstelle. Hier sehen sich die alte Dame und das 17-jährige Mädchen zum ersten Mal, wobei man an dieser Stelle unbedingt erwähnen sollte, dass Azar einen Überfall begehen will und Karen das Opfer ist. Doch die „kleine Gangsterbraut“ und ihr nicht gerade pfiffiger Mitganove haben die Rechnung ohne die Cleverness der alten und ebenfalls bewaffneten Frau gemacht. Karen verfrachtet die zudem hochschwangere Azar in ihr Auto, und zusammen gehen sie auf eine besondere Reise. Zurück nach Fetknoppen – Leena Parkkinen „Die alte Dame, die ihren Hut nahm und untertauchte“ weiterlesen

Biografie eines Autors – Lars Saabye Christensen „Der Sommer, in dem meine Mutter zum Mond fliegen wollte“

„Mein Herz war eine Schreibmaschine! Ich bemerkte meine blassen Knie und die Scharten in meinem Kopf, die diese Stille, die nur vom Tastenschlag des Herzens unterbrochen wurde, in die Schlucht hinausschrie. Ich wollte nicht auf mich selbst aufmerksam werden. Ich wollte in die andere Richtung, weg, so weit wie möglich weg von mir selbst.“

Fängt alles mit einem Spruch in einem Poesiealbum an? Oder mit einem Liebesgedicht? Womöglich sind es auch die ersten eigenen Zeilen eines etwas ungewöhnlichen Aufsatzes. Wo ist der Beginn eines Schriftstellerlebens? Christian fühlt diese Berufung bereits mit 15 Jahren, als die norwegische Frauenzeitschrift „Kvinner og klær“ (Frauen und Mode) eines seiner Gedichte veröffentlichen will. Für den Jungen soll dieser Sommer im Jahr 1969 ein außergewöhnlicher werden. Nicht nur erfährt Christian, dass sein Schreiben erfolgversprechend scheint. Während der Ferien auf der Insel Nesodden verliebt er sich zum ersten Mal, sein Vater bricht sich ein Bein. Und die Welt schaut gen Himmel. Denn die Menschen betreten zum ersten Mal den Mond.  Biografie eines Autors – Lars Saabye Christensen „Der Sommer, in dem meine Mutter zum Mond fliegen wollte“ weiterlesen

Vater und Sohn – Jonas T. Bengtsson „Wie keiner sonst“

„Wir haben den Fernseher erfunden und schicken Menschen zum Mond. Wir stellen Schießpulver her und Kugeln. Aber wir haben völlig vergessen, was wir einmal konnten. Die Tiere können es noch. Du weiß doch, wie Vögel in Formationen fliegen. Hunderte von ihnen formen ein großes V am Himmel. Was glaubst du, wie sie das machen?“

Sie streifen durch die Stadt und das Land, leben am Rande der Gesellschaft. Vater und Sohn. Ihr Besitz ist auf ein paar Koffer verteilt, um schnell, wenn es nötig ist, das Weite und ein neues Zuhause zu suchen. Der Junge kennt es nicht anders. Trotzdem ist er glücklich. Auch ohne Schule, auch ohne Mutter und Freunde. Denn er hat alles, was er braucht. Vor allem seinen Vater, der zugleich bester Freund und Lehrer ist. Diese enge Vater-Sohn-Beziehung beschreibt Jonas T. Bengtsson in seinem Roman „Wie keiner sonst“ auf eindrückliche Weise. Vater und Sohn – Jonas T. Bengtsson „Wie keiner sonst“ weiterlesen

Gesellschaftsinseln – Ulla-Lena Lundberg „Eis“

„Tatzen und Schnauzen, Felle und Pelze, Flüstern und Schreie. Eine Eisente, eine Eiderente, eine Bachstelze, eine Himmelsziege. Ein Flügel streicht über eine Stirn, ein runder Robbenschädel durchstößt die Oberfläche. Ein Lächeln über allem, schnell verschwunden, ebenso schnell wieder da. Ohne zu kategorisieren und zu moralisieren.“

Ihre neue Heimat ist abgelegen, so weit abgelegen, dass sie abseits der bekannten Schiffsrouten auf kaum einer Karte vermerkt ist.  Die Öras, eine Inselgruppe in der Ostsee zwischen Finnland und Schweden, wird das neue Zuhause des Pfarrers Petter Kummel, seiner Frau Mona und der kleinen Tochter Sanna. Es ist für den jungen Mann die erste eigene Pfarrstelle. Doch allen Befürchtungen zum Trotz fühlt sich die kleine Familie von der ersten Minute an, nachdem sie ihre Füße von der Fähre auf das Eiland gesetzt hat, willkommen und pudelwohl. Die Gemeinde kümmert sich rührig um Petter und seine Frau, die sogleich am ersten Tag das Pfarrhaus einrichtet und im Stall die Kühe melkt.  Gesellschaftsinseln – Ulla-Lena Lundberg „Eis“ weiterlesen

Unter Lämmern ein Wolf – Cecilia Ekbäck "Schwarzer Winter"

„Die Menschen konnten es sich kaum vorstellen, aber Grau war manchmal die brutalste Farbe von allen. Unter einem grauen Deckmantel konnten Dinge viel zu gut unbemerkt heranwachsen.“

Lappland ist ein weites Land. Es gibt wenige Menschen, die die Natur vertreiben können. Maija kommt mit ihrem Mann Paavo und den beiden Töchtern Frederika und Dorotea nach Lappland. Die finnische Heimat und das Meer haben sie zurückgelassen. Auf einem ihnen überlassenen Hof soll der Neubeginn in der Fremde geschehen. In der Nähe leben nur wenige Menschen, darunter auch Vertreter des Volkes der Lappen. Eine einzigartige Landschaft mit dem Berg Blackåsen, Wälder, Seen und dem Moor umgibt die Siedlung. Doch diese Idylle trügt. Unter Lämmern ein Wolf – Cecilia Ekbäck "Schwarzer Winter" weiterlesen

Familienmensch?! – Karl Ove Knausgård "Lieben"

„Nichts anderes war gut genug, nichts anderes ging. Nur dorthin, zum Wesentlichen, zum innersten Kern menschlicher Existenz würde ich mich bewegen.“ 

Das Leben zieht seine Bahn, füllt den Alltag mit Menschen und Dingen, Begegnungen und Erlebnissen. Nach dem ersten Kind folgt das zweite. Die Stadt wird verlassen, um in eine andere zu ziehen. Freundschaften verstärken sich oder werden gebrochen. Auch wenn dieser Lauf für viele bekannt erscheint, nichts Spannenderes zum Erzählen gibt es. Einer beweist es: der Norweger Karl Ove Knausgård. Sein auf sechs Bände angelegtes Romanprojekt „Min kamp“ feiert Erfolge – nicht nur in seinem nordischen Heimatland. Mittlerweile soll das Virus auch den Rest Europas und Teile Amerikas befallen haben. Nach dem ersten Band „Sterben“, wo der Autor vor allem den Tod seines alkoholabhängigen Vaters in den Mittelpunkt stellt, ist vor einiger Zeit der zweite Band „Lieben“ als Taschenbuch erschienen. Familienmensch?! – Karl Ove Knausgård "Lieben" weiterlesen

Fjord als Seelenlandschaft – Jan Kjærstad "Der Entdecker"

„Was ist die wichtigste Triebkraft in meinem Leben? Ich glaube, ich weiß es. In die Tiefe zu wirken. Etwas Einfaches finden, das große Folgen hat.

Nach den Jahren im Gefängnis kehrt er zurück. Jonas Wergeland, die berühmteste Fernsehgestalt Norwegens. Mit seiner Serie „Groß denken“, in denen er die bekanntesten Personen seines Heimatlandes – von Amundsen bis Ibsen – porträtiert hat, bannte er mit jeder Sendung eine ganze Nation an den Fernsehschirm. Nun ist er in Vergessenheit geraten. Unschuldig hat er im Gefängnis ausgeharrt, für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Er nahm die Schuld für den Tod seiner Frau Margrete auf sich, die sich mit der Pistole das Leben nahm. Unerkannt reist er nun mit seiner Tochter auf einem Schiff den Sognefjord entlang.

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Kampf der Kulturen – Kim Leine "Ewigkeitsfjord"

„In diesem Land verstreicht die Zeit nur langsam, und die Jahre vergehen schnell. Dies ist ein Land, das viel nimmt, stimmt er zu. Mehr, als es gibt, erwidert sie.“

Sein Ziel ist das Land des Eises, auch wenn der legendäre Wikinger Erik der Rote der großen Insel hoch oben im Norden den Namen „grünes Land“ gegeben hat. Auf Grönland herrschen nicht nur die Kälte und die Dunkelheit in der langen Winterzeit. Die Sitten sind andere als in seiner Heimat Dänemark. Das wird dem angehenden Pfarrer und Sohn eines norwegischen Schulleiters Morten Falck schnell bewusst, als er nach einer mehrwöchigen strapaziösen Schifffahrt den Westen der Insel erreicht. Doch es sind nicht die rauen Sitten der Ureinwohner Grönlands, die den jungen Missionar bei seiner Ankunft erschüttern. Vielmehr wird in den kommenden Jahren der Geistliche, der eigentlich den Beruf eines Mediziners erlernen wollte, mit den unmenschlichen Verhalten der dänischen Kolonialherren gegenüber den Ureinwohnern konfrontiert. Kampf der Kulturen – Kim Leine "Ewigkeitsfjord" weiterlesen

Leben als Roman – Karl Ove Knausgård "Sterben"

„Der Tag kam immer mit mehr als bloßem Licht. So nieder- geschlagen man auch sein mochte, es war unmöglich, völlig unbeeindruckt davon zu bleiben, was er an Anfängen brachte.“

Das Leben als Roman, leben, lieben, leiden als Inhalt?! Es braucht keine Fiktion, kein Fantasie, um herausragende Literatur zu schreiben. Wer „Sterben“ des Norwegers Karl Ove Knausgård liest, wird beide vorherige Sätze ohne Zögern zustimmen können. Der Autor hat in seinem Heimatland mit seinem auf sechs Büchern angelegten autobiografischen Romanprojekt für Furore gesorgt und selbst für ein Vielleser-Land wie Norwegen traumhafte Verkaufszahlen erreicht. In Deutschland wird im Juni nach den Bänden „Sterben“, „Lieben“ und „Spielen“ der vierte mit dem Titel „Leben“ erscheinen. In Norwegen heißt das umfassende Werk „Min Kamp“ („Mein Kampf“), ein Titel den man hierzulande aus bekannten Gründen aus dem Weg geht. Leben als Roman – Karl Ove Knausgård "Sterben" weiterlesen

Der Polizistenmörder – Jo Nesbø "Koma"

24 Stunden täglich wird er von der Polizei strengstens bewacht. Der Unbekannte im Osloer Reichshospital. Seine Identität soll ein Geheimnis bleiben. Einige wünschen, er würde nicht mehr aus dem Koma aufwachen und einfach ins Jenseits hinübergehen. Ein Polizist, der den Patienten bewacht, wird später selbst sterben: Von Anton Mittet wird nicht viel übrigbleiben, nachdem er in seinem Auto einen Abhang hinabstürzt, wo bereits vor einigen Jahren schon einmal ein Mord stattgefunden hatte, der bis heute ungeklärt ist. Der Polizistenmörder – Jo Nesbø "Koma" weiterlesen

Das (Un)Gewöhnliche – Jón Kalman Stefánsson "Das Licht auf den Bergen"

„Die Träume des Dichters erscheinen am Himmelsgewölbe. Ihr anderen seht auf!“

Irgendwo im Westen Islands. Irgendwann Ende der 70er Jahre. Die Bewohner eines kleinen Ortes aus verstreuten Bauernhöfen bestehend leben ihren Alltag und lieben ihre Gewohnheiten: die hingebungsvolle Pflege ihrer Tiere, der Blick auf die Weite des Landes, der Kaffee zum Nachmittag und das süße Schmalzgebäck. Dazwischen liegen die Dunkelheit und die Sterne, der Schnee und der Regen. Manchmal findet sich auch ein Vogel ein, oder ein Troll. Das (Un)Gewöhnliche – Jón Kalman Stefánsson "Das Licht auf den Bergen" weiterlesen

Der weiße Planet – Barry Lopez "Arktische Träume"

„Der gefrorene Ozean selbst wälzt sich in seinem Winterschlaf wie ein Drache.“ 

Es ist das Land abseits jeglicher Vorstellungen und des ewigen Eises, wo der Tag oder die Nacht endlos ist, wo alles in Bewegung erscheint oder im tiefen Schlaf versinkt. Der amerikanische Naturforscher Barry Lopez, 1945 in Port Chester geboren, war während seiner zahlreichen Reisen über den Polarkreis hinweg Teil dieser arktischen Welt. Seine Erlebnisse und Gedanken, sein Wissen über das Eisland hat er in seinem Buch „Arktische Träume“ zusammengefasst. Sein Werk ist dabei nicht irgendein Sachbuch, das staubtrocken und unemotional nach Erklärungen sucht, es hat, 1986 erschienen, den National Book Award erhalten und damit einen der renommiertesten Literatur-Preise. Und das nicht umsonst.  Der weiße Planet – Barry Lopez "Arktische Träume" weiterlesen

Stadt der Geheimnisse – Hjorth & Rosenfeldt "Der Mann, der kein Mörder war"

Der 16-jährige Roger wird vermisst gemeldet. Erst Tage später nimmt die Polizei in Västerås ihre Ermittlungen auf. Schließlich ist Wochenende, und wer sagt, dass der Junge eigentlich sich nicht irgendwo in Stockholm eine schöne Zeit macht, denkt sich der zuständige Beamte Haraldsson und liegt gründlich falsch. Ein Irrglaube, der ihn lange verfolgen wird. Denn wenig später wird die Leiche des Jungen in einem Waldstück gefunden, übersät mit über 20 Messerstichen und herausgerissenem Herzen. Die Reichsmordkommission rund um ihren Chef Torkel rückt an und trifft zu Beginn gleich auf einen Bekannten: Sebastian Bergmann. Stadt der Geheimnisse – Hjorth & Rosenfeldt "Der Mann, der kein Mörder war" weiterlesen

Kindheitsmuster – Tomas Tranströmer "Die Erinnerungen sehen mich"

„In mir trage ich meine früheren Gesichter, wie ein Baum seine Jahresringe hat.“ 

Dichter haben viel zu erzählen, auch über ihre Werke hinaus. Sie erscheinen als mitteilsam, ohne dass ihre Worte jemals als überflüssig gelten. Ihre Beschreibungen, Erzählungen, Reflexionen und Analysen zeigen Bilder der Welt. Wie sie zum Schreiben gekommen sind, warum sie schreiben und welche Rolle dieser künstlerische Akt spielt, sind die interessantesten Fragen, die sich Literaturliebhaber stellen können und müssen. So sind Biografien, vor allem autobiografische Werke eine gute Quelle, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Mehr noch: Sie zeichnen ein Bild des Künstlers selbst, über seine Werke hinaus.  Kindheitsmuster – Tomas Tranströmer "Die Erinnerungen sehen mich" weiterlesen

Maler auf Abwegen – Carsten Jensen "Rasmussens letzte Reise"

„Man kann sich für neue Wege entscheiden. Aber man kann sich nicht entscheiden, sich inspirieren zu lassen.“ 

Noch einmal setzt er seinen Fuß auf ein Schiff gen Norden. Zwanzig Jahre nach seiner ersten Grönlandreise wagt Carl Rasmussen erneut die Tour ins ewige Eis. Diesmal auf der „Peru“, diesmal als erfahrener Marinemaler. Zurückbleiben seine Frau Anna Egidia und die acht Kinder, das kleinste: Klara mit vier Jahren. Man schreibt das Jahr 1893. Noch einmal will Rasmussen die Kraft des Eises und der weiten Landschaft spüren, noch einmal seinem Leben eine Wende geben, wie vor 20 Jahren. Damals kam er mit Werken zurück, die seinen Ruf als bedeutender Kunstmaler bekräftigt haben.Während Künstlerkollegen den Süden als Inspirationsquelle suchten, ging Rasmussen schon damals einen anderen Weg. Wie eigentlich sein ganzes Leben lang, dem sich der Däne Carsten Jensen in seinem Roman „Rasmussens letzte Reise“ widmet. Maler auf Abwegen – Carsten Jensen "Rasmussens letzte Reise" weiterlesen

Tragischer Schlussakkord – Ketil Bjørnstad "Der Fluß"

Aber es ist noch möglich, an das Leben zu glauben, denke ich, sein Selbst zu formen, weiterzugehen trotz all des Schmerzlichen, das geschehen ist.“

Wiederbegegnungen wecken oft zwiespältige Gefühle: Freude, Erwartung, Angst. Fragen entstehen: Was ist demjenigen mittlerweile geschehen, was hat er erlebt? Die Zeit kennt nur Veränderung. Viel ist geschehen, seit Aksel Vinding, Held des Romans „Vindings Spiel“, seine große Liebe Anja durch ihren Tod verloren hat. Beide waren ob ihres Talentes und Fleißes auserkoren, berühmte Pianisten zu werden, beide scheiterten indes. Im Band „Der Fluss“ schreibt Ketil Bjørnstad die Geschichte des jungen Musikers aus Oslo zu Beginn der 70er Jahre weiter. Der Leser begegnet Aksel Vinding und er die Mutter seiner großen Liebe.  Tragischer Schlussakkord – Ketil Bjørnstad "Der Fluß" weiterlesen