Backlist #12 – Becky Chambers „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“

„Von einer Spezies, die mit sich selbst im Krieg liegt, kann nichts Gutes kommen.“

Der Weltraum – unendliche Weiten. Mittendrin die Wayfarer, ein Raumschiff, das den Weltraum ein Stück weniger unendlich macht, obwohl es schon einige Jahre auf dem Buckel hat und vor allem aus Ersatzteilen besteht. Mit einer besonderen Technologie bohrt es sogenannte Raumtunnel, auch Wurmlöcher genannt, die Raum und Zeit aufheben und somit den Weg zwischen weit entfernten Galaxien und Planeten verkürzen. Auf dem klapprigen, aber durchaus noch zuverlässigen Langstreckenschiff, das als Treibstoff Algen nutzt, heuert die junge Rosemary unter falschem Namen an. Sie soll die zusammengewürfelte Crew aus den verschiedensten Spezies verstärken und vor allem Kapitän Ashby als Assistentin zur Hand gehen. Wenig später erhält die Wayfarer-Mannschaft einen lukrativen, aber auch gefährlichen Auftrag: Sie soll einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten bohren, deren Bewohner nicht zu den friedlichsten Wesen des Universums zählen und gefürchtet sind.  „Backlist #12 – Becky Chambers „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten““ weiterlesen

Ian McEwan – „Maschinen wie ich“

„Werkseinstellungen – ein modernes Synonym für Schicksal.“

Übermannsgroß ist er, sein Gesicht recht kantig. Seine Haare erscheinen wie mit dem Küchenmesser gestutzt. Aus seinem Hals ragen zwei stählerne Bolzen.  Das künstliche Geschöpf des Schweizer Wissenschaftlers Victor Frankenstein ist wenig ansehnlich und eher ein erschreckendes Wesen. Monster wird die furchteinflößende Gestalt in dem Klassiker von Mary Shelley „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ bezeichnet. Die Engländerin hat jene fantastische Geschichte geschaffen, die das Denken über den Menschen als Schöpfer einer Kreatur maßgeblich geprägt hat. Sie und ihr 1818 zuerst anonym erschienenes Meisterwerk bleiben in dem neuen Roman ihres Landsmanns Ian McEwan nicht unerwähnt. Und „Maschinen wie ich“ weist noch weitere Parallelen auf – obwohl der moderne „Frankenstein“ recht hübsch anzusehen ist. „Ian McEwan – „Maschinen wie ich““ weiterlesen

John Lanchester „Die Mauer“

„Wer hat die Welt kaputt gemacht? Sie würden niemals zugeben, dass sie es waren. Und doch ist es direkt vor ihren Augen geschehen.“

Es gibt sie in China, eine solche hat Berlin geteilt, zwischen den USA und Mexico soll eine errichtet werden. Eine Mauer grenzt ab, ist Bollwerk und Verteidigungslinie. England hat eine Anlage mit einer Länge von rund 10.000 Kilometern gebaut. Sie umschließt die Insel und soll verhindern, dass die Anderen in Scharen ins Land kommen. Dieses Szenario bildet den Kerngedanken im neuen Roman des britischen Schriftstellers John Lanchester, der schon mit seinem Werk „Kapital“ auf aktuelle politische wie gesellschaftliche Entwicklungen reagiert hat.  „John Lanchester „Die Mauer““ weiterlesen

Eine bessere Welt – Cory Doctorow „Walkaway“

„Leck mich doch, die ganze Welt brennt.“

Utopien werden oft auf ihre spätere Gültigkeit abgeklopft. Was ist von den formulierten Zukunftsideen und -bildern wirklich eingetreten, was wurde vom Menschen technisch realisiert oder ist ohne sein Zutun entstanden. Das macht sie so spannend. Meist warnen sie, meist erzählen sie uns, wie wir auf Katastrophen reagieren. Für das Schreiben und Lesen von Utopien braucht es viel Fantasie, aber vor allem auch ein Verständnis für aktuelle Entwicklungen. Der kanadische Schriftsteller, Blogger und Journalist Cory Doctorow beschreibt in seinem Roman „Walkaway“ eine düstere Vision, allerdings nicht ohne uns Hoffnung auf eine bessere Welt zu geben.   „Eine bessere Welt – Cory Doctorow „Walkaway““ weiterlesen

Backlist #2 – Davide Longo „Der aufrechte Mann“

„Man musste warten. Am Leben bleiben und warten.“

Nichts ist mehr, wie es war. Das Land versinkt in Chaos und Gewalt. Die Nationalgarde wird den Plünderungen nicht mehr Herr. Die Banken zahlen kein Geld mehr aus. Das Benzin wird knapp und unbezahlbar. Felder sind verwahrlost, Dörfer und ganze Städte verwaist. Der italienische preisgekrönte Autor Davide Longo erzählt in seinem Roman „Der aufrechte Mann“ von einem Land am Abgrund und einem Mann, der über sich hinauswächst, obwohl er kein Held sein wollte.  „Backlist #2 – Davide Longo „Der aufrechte Mann““ weiterlesen

Abstieg – Lionel Shriver „Eine amerikanische Familie“

„Alles hat mit allem zu tun.“

Es kann schon erschreckend sein, wenn in Deutschland innerhalb eines Jahres zwei Romane erscheinen, die in die Zukunft der USA blicken und eine unheilvolle, ja düstere Zeit beschreiben. Erzählt Omar El Akkad in seinem Roman „American War“ von Krieg und Zerstörung, Hass und Terrorismus, wendet sich die amerikanische Autorin Lionel Shriver einem ganz anderen Thema zu: dem Verfall des Dollars, Inflation und damit dem Abstieg weiter Teile der amerikanischen Bevölkerung.  „Abstieg – Lionel Shriver „Eine amerikanische Familie““ weiterlesen