Macht der Täuschung – Chris Kraus „Das kalte Blut“

„Täuschung ist meine Währung. Es gibt keine härtere. Wer aber damit zahlt, das sage ich, ist noch lange nicht durch und durch falsch.“

1945, nach mehr als fünf Jahren Krieg, lagen Deutschland sowie weite Teile Europas und der Welt in Schutt und Asche. Bis zu 80 Millionen Menschen verloren ihr Leben, darunter allein sechs Millionen Juden, die während des Holocaust umgebracht wurden. Nur eine recht überschaubare Zahl ihrer Mörder wurde für ihre bestialischen Verbrechen belangt. Nicht wenige indes knüpften an ihre Karriere bei der SS oder der Wehrmacht an. In seinem neuen Roman „Das kalte Blut“ erzählt Chris Kraus eine jener bis heute unvorstellbaren, aber realen Geschichten.

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Zwischen Europa und Fernost – Erika Fatland „Sowjetistan“

„Wenn sie wieder in ihr Land kommen, können Sie schreiben, dass sie an einem weit entfernten Ort, in einem fernen Tal, in einer abseits gelegenen Ecke der Welt, einem alten Mann mit einer tragischen Lebensgeschichte begegnet sind.“

Um mir die fünf Länder zu merken, baue ich mir eine Eselsbrücke. Zweimal „T“, zweimal „K“ und einem „U“. Obwohl in Geografie eine sehr interessierte und wissbegierige Schülerin, muss ich bei Fragen rund um Zentralasien und die fünf Staaten Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgistan und Usbekistan schlichtweg passen. Ich weiß weder wie ihre Hauptstädte heißen, noch an welche Länder sie grenzen. Erika Fatland neuestes Buch mit dem Titel „Sowjetistan“ bringt nicht nur Licht ins Dunkel. Die norwegische Autorin lädt auf eine wundersame Reise ein, ohne dass man ein Navi benötigt und das heimische Sofa verlassen muss. „Zwischen Europa und Fernost – Erika Fatland „Sowjetistan““ weiterlesen

Obsession – Lea Singer „Die Poesie der Hörigkeit“

„Kein undurchsichtiger als Benn.“

Sie hat geliebt und gelitten. Ihr Leben, eingezwängt zwischen namhaften Männern, war ein zügelloses und unstetiges. Mopsa Sternheim ist zwölf, als sie Gottfried Benn, Dichter und Arzt, kennenlernt. Es sollte eine ihr Leben prägende Begegnung sein. Fortan himmelt sie ihn und seine Gedichte an, ohne ihm wirklich nahe zu kommen, da stets auf Abstand gehalten. Lea Singer erzählt in ihrem neuen Roman „Die Poesie der Hörigkeit“ vom Leben dieser Frau, die stark war und sich gleichzeitig selbst doch so ausgeliefert hatte.   „Obsession – Lea Singer „Die Poesie der Hörigkeit““ weiterlesen

Mehr als Honig – Maja Lunde „Die Geschichte der Bienen“

„Ich blieb sitzen und betrachtete die Bienen, ihre Ausdauer, ihr ewiges Hin und Her, sie befanden sich niemals im Stillstand. Nicht, ehe ihre Flügel rissen.“ 

Laut Albert Einstein bleiben der gesamten Menschheit nur noch vier Jahre Lebenszeit, nachdem die letzte Biene gestorben ist. Ein bekanntes Zitat, das sowohl die Bedeutung dieser Insekten beschreibt als auch eine Bedrohung vor Augen führt. Doch leider gibt es noch immer Menschen, die womöglich aus Unkenntnis heraus die Rolle der Biene auf die Produktion von Honig reduzieren, statt gerade ihre Bestäubungsleistung zu betrachten, mit der sie zu den wichtigsten Nutztieren der Welt zählt. Schon seit einigen Jahren wird vor einem Bienen-Sterben gewarnt – weil Imker von einem Tag auf den nächsten ganze Völker verlieren, weil sich allgemein die Zahl der Insekten Jahr für Jahr reduziert. Zu den warnenden Stimmen zählt auch die norwegische Autorin Maja Lunde, die mit ihrem Roman „Die Geschichte der Bienen“ bereits viel Aufmerksamkeit erfahren und den Buchhändler-Preis ihres Landes erhalten hat. „Mehr als Honig – Maja Lunde „Die Geschichte der Bienen““ weiterlesen

Raubbau – Annie Proulx „Aus hartem Holz“

„Einst hatten endlose Wälder den Horizont gefüllt. Nun gab es Dutzende Straßen, und der Wald war ein ferner Schatten.“ 

Zwischen zwei Ozeanen ein Meer aus Bäumen: So sollte man sich Nordamerika vorstellen – bevor der Kontinent nach der Entdeckung von Christoph Kolumbus besiedelt wurde. Riesige Wälder wurden in kürzester Zeit vernichtet – wegen des Holzes und für Grund und Boden der Siedler. Welchen Tribut das Land zwischen Atlantik und Pazifik sowie die Ureinwohner zahlen mussten, erzählt die kanadisch-US-amerikanische Autorin Annie Proulx in ihrem neuen Roman „Aus hartem Holz“„Raubbau – Annie Proulx „Aus hartem Holz““ weiterlesen

Hesse – der Maler: Ausstellung im Kunsthaus Apolda

„Nicht, dass ich mich für einen Maler halte, aber das Malen ist wunderschön. Man hat nachher nicht wie beim Schreiben schwarze Finger, sondern rote und blaue.“

„Der Steppenwolf“, „Narziß und Goldmund“, „Das Glasperlenspiel“, „Siddhartha“: Lang ist die Liste der Werke, die Hermann Hesse (1877 – 1962) zu Weltruhm verholfen haben. Sie sind Teil eines Kanons, stehen auf der Lektüreliste von Schülern und Studenten. Doch dass der Literaturnobelpreisträger und mit 150 Millionen verkauften Bücher einer der erfolgreichsten Autoren aller Zeiten auch gemalt hat, wissen wohl nur wenige. Mich eingeschlossen – bis zu jenem Tag, als ich das Kunsthaus Avantgarde im thüringischen Apolda besucht habe. Noch bis zum 2. Juli ist dort die Ausstellung „Hermann Hesse … aber das Malen ist wunderschön!“ zu sehen. Begleitet werden die erstmals öffentlich gezeigten und im Nachlass des Dichters und Schriftstellers gefundenen Aquarelle von Fotografien des Sohnes Hesses, Martin Hesse. „Hesse – der Maler: Ausstellung im Kunsthaus Apolda“ weiterlesen