Auf Jagd – Willi Achten „Nichts bleibt“

„Die Zeit, die nach allem greift, letztlich ist sie es, die dafür sorgt, dass nichts bleibt, dass alles sich wandelt.“

Ein Fotograf bleibt hinter der Kamera, ist konzentrierter Beobachter der Geschehnisse vor sich. Seine Passivität macht ihn zugleich auch in gewisser Weise hilflos. Dieses Gefühl erlebt Franz Mathys auf vielen seinen Reisen. Er fliegt als preisgekrönter Kriegsfotograf rund um die Welt, bereist Krisenregionen, in denen ein Menschenleben nicht viel wert ist, von einer Sekunde auf die nächste ausgelöscht wird. Durch Gewalt, durch Katastrophen. Als sein Vater von zwei jungen Männern grundlos zusammengeschlagen wird, sinnt er auf Rache. Willi Achtens Roman „Nichts bleibt“ ist ein spannendes wie tiefsinniges Buch über Verluste und eine fatale Jagd.  „Auf Jagd – Willi Achten „Nichts bleibt““ weiterlesen →

Keine Gnade – Rebecca Hunt „Everland“

„Die Antarktis kennt gegenüber dem menschlichen Körper keine Gnade (…).“

Es sind die Jahre 1911 und 1912, als ein besonderer Wettlauf die Schlagzeilen beherrscht: Robert Falcon Scott und der Roald Amundsen wollen als erste den Südpol in der Antarktis erreichen. Der Norweger geht als Sieger hervor. Am 14. Dezember 1911 pflanzt er die Flagge seines Heimatlandes in den südlichsten Punkt der Erde. Sein Rivale und zwei seiner Männer sollen den Einsatz im ewigen Eis mit dem Leben bezahlen. Im April 1913 setzt der neue Roman von Rebecca Hunt, der den Leser in die Antarktis führt, ein. Eine Expedition soll die Insel Everland erkunden, die dem Buch auch seinen Namen gibt. Knapp 100 Jahre später machen sich Wissenschaftler erneut auf den Weg dorthin.  „Keine Gnade – Rebecca Hunt „Everland““ weiterlesen →

Stumm – Linda Boström Knausgård „Willkommen in Amerika“

„Die Sprache nahm das Licht mit. Es tanzte nicht mehr über die Wände der Wohnung.“

Tragische Ereignisse lassen einen verstummen. Die elfjährige Ellen spricht kein Wort mehr, seitdem ihr Vater gestorben ist. Ein bizarres Schuldgefühl quält das Mädchen. Doch das Leben in der Familie geht weiter, und zwischen der Trauer und Melancholie mischt sich wieder etwas Helligkeit, weil auch das Miteinander die Familie trägt. Über all das lässt Linda Boström Knausgård in ihrem Roman „Willkommen in Amerika“ Ellen berichten – auf eindrückliche Weise.

„Stumm – Linda Boström Knausgård „Willkommen in Amerika““ weiterlesen →

Am Rand – Isabel Fargo Cole „Die grüne Grenze“

„Die Geschichte ist die Entdeckung der Zukunft im Vergangenen.“ 

Neben der Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Stimmen und Stimmungen bleibt der Rückblick in die Vergangenheit weiter ein Thema der Gegenwartsliteratur. Auch die Zeit der DDR und der deutsch-deutschen Teilung wird dann und wann beleuchtet, wenn gefühlt auch nicht mehr so oft und konkret wie in den vergangenen Jahren. Nach Lutz Seilers preisgekrönten Roman „Kruso“ (Suhrkamp) und „Brüder und Schwestern“ von Birk Meinhardt (Hanser) erschien mit „Die grüne Grenze“ nun erneut über diese Zeit ein Werk – das viel Aufmerksamkeit verdient hätte.

„Am Rand – Isabel Fargo Cole „Die grüne Grenze““ weiterlesen →

Zwillinge – Sasha Marianna Salzmann „Außer sich“

„(…) aber Hoffnung ist ja nichts, was da ist, um erfüllt zu werden, (…).“

Was macht eine Person zu der, der sie ist? Die Familie und Sprache, Erfahrungen und Erlebnisse, gesellschaftliche wie soziale Normen, eigene oder fremde Ansprüche? Ist es nicht so, dass wir uns in stets und ständig wandeln, äußerlich wie innerlich, Häute abstreifen wie eine Schlange, überkommene Vorstellungen über Bord werfen. So wird aus Alissa Ali, aus der jungen Frau ein Mann, die Stimme wird tiefer, die Bartstoppeln sprießen. Die Heldin in dem Romandebüt der Berlinerin Sasha Marianna Salzmann „Außer sich“ befindet sich auf einer zweifachen Suche: auf der nach ihrem Zwillingsbruder Anton und nach sich selbst. „Zwillinge – Sasha Marianna Salzmann „Außer sich““ weiterlesen →

In der Wüste – Mirko Bonné „Die Widerspenstigkeit“

„Na ja, wir Menschen schaffen Ordnung, damit wir einander wiederfinden können.“

Es wird noch immer oft und von vielen gelesen, ist verfilmt und auch auf die Bühne gebracht worden. Rund 140 Millionen Mal verkauft, in rund 180 Sprachen übersetzt, gilt das Kunstmärchen „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry als eines der erfolgreichsten Bücher weltweit. Mit dem Band „Die Widerspenstigkeit“ wandelt Mirko Bonné auf den Spuren des berühmten Franzosen und seines bekanntesten Werkes und stellt seinem männlichen Protagonisten einen besonderen tierischen Begleiter zur Seite. „In der Wüste – Mirko Bonné „Die Widerspenstigkeit““ weiterlesen →