„Für die Gegenwart sensibilisieren“ – Im Gespräch mit Kjona-Verleger Lars Claßen

Die Leipziger Buchmesse 2023 ist zehn Minuten alt. Die ersten Besucher laufen in Halle 2 über die breiten Gänge und werden per Durchsage zum Messe-Start begrüßt. Nach drei Jahren ohne – ohne Gespräche und Begegnungen, ohne Blick auf Autoren und Verlagsstände – stellt sich angesichts des beginnenden Trubels ein gewisses Glücksgefühl ein. „„Für die Gegenwart sensibilisieren“ – Im Gespräch mit Kjona-Verleger Lars Claßen“ weiterlesen →

Christoffer Carlsson – „Unter dem Sturm“

„Dörfer haben ihre Erinnerungen. Sie haben Lebensschicksale und Todesfälle.“ 

In die Krimi-Literatur scheint ein anderer Ton einzuziehen, ein leiser, indes nicht minder fordernder. In diesen Geschichten gibt es zwar Täter und Opfer, aber keine extremen Grausamkeiten, keine ausufernden Blutlachen, keine wilden Verfolgungsjagden. Es geht darin vielmehr um die Menschen und den Ort, in dem sie leben. Was macht ein Verbrechen mit den Personen, die das Opfer kannten, was mit einer Gemeinschaft, die bereits den Schuldigen gefunden zu haben glaubt? Der schwedische Kriminologe und preisgekrönte Autor Christoffer Carlsson stellt sich in seinem Roman „Unter dem Sturm“ diesen Fragen und erzählt von einer besonderen Beziehung zwischen einem Onkel und seinem Neffen und einem charismatischen Polizisten, den ein Fall viele Jahre nicht loslässt.

„Christoffer Carlsson – „Unter dem Sturm““ weiterlesen →

Sebastian Barry – „Mein fernes, fremdes Land“

„Kein Ort auf Erden, der nicht eine Heimat wäre.“

Ihr Leben gleicht einer Ansammlung von Verlusten. 89 Jahre alt ist Lilly Bere. Sie will nicht mehr, nachdem sie ihren geliebten Enkel verloren hat. Wie Bill will sie aus dem Leben freiwillig scheiden – mit Hilfe kleiner Tabletten. Ein letztes Mal zieht sie Bilanz. In einem Haushaltsbuch schreibt sie ihre Erinnerungen nieder, fasst ihre Trauer wie auch die Stationen ihres wechselvollen Lebens in Worte. In „Mein fernes, fremdes Land“ erzählt der irische Schriftsteller Sebastian Barry nicht nur von einer betagten Frau, sondern auch wie die große Geschichte immer wieder in das Leben der Menschen eingreift und es für immer verändern kann.

„Sebastian Barry – „Mein fernes, fremdes Land““ weiterlesen →

Christine Dwyer Hickey – „Schmales Land“

„Man muss die Schatten richtig lesen.“ 

Cape Cod – nahezu unberührte Strände, das Rauschen des Atlantiks, ein intensives Licht, wie nur das Zusammenspiel von Meer und Himmel hervorbringt. Die Halbinsel im US-Bundesstaat Massachusetts ist seit jeher beliebtes Urlaubsziel. Auch Edward und seine Frau Josephine verbringen hier in ihrem Häuschen den Sommer fernab des Trubels New Yorks. Er durchstreift die Gegend nach einem passenden Motiv: einem Haus, einer Person, einer Landschaft. Seine Bilder sind begehrt. In der Kunstszene bereits zu Lebzeiten eine Ikone der modernen Malerei, ist Edward Hopper (1882-1967) in dem eindrücklichen Roman der irischen Schriftstellerin Christine Dwyer Hickey indes nur eine von mehreren Hauptfiguren. Der heimliche Star ist vielmehr ein Waisenkind.

„Christine Dwyer Hickey – „Schmales Land““ weiterlesen →

James Kestrel – „Fünf Winter“

„In seinem Inneren machte sich eine Stille breit, ein tiefer, dunkler Raum.“

Paradies im Pazifik, tropische Perle. Hawaii ist Sehnsuchtsort und Traumziel. Am 7. Dezember 1941 wird die Insel indes zur Hölle. Mehr als 2.400 Menschen sterben beim Angriff der japanischen Armee auf die US-amerikanische Pazifik-Flotte in Pearl Habor. Joe McGrady, Police Detective auf Hawaii und Ex-Soldat, wird da schon auf der anderen Seite des Ozeans, in Hongkong sein. Er ist auf der Suche nach einem kaltblütigen Mörder, nichtsahnend, dass seine Jagd ihn fünf Jahre lang von seinem Zuhause trennen wird. „Fünf Winter“ heißt denn auch der Roman des Amerikaners James Kestrel, der dafür zwei hochrangige Preise erhalten hat.

„James Kestrel – „Fünf Winter““ weiterlesen →

Carolin Würfel – „Drei Frauen träumten vom Sozialismus“

„Über Wasser halten, schwimmen lernen, eine gemeinsame Insel finden.“

Christa Wolf, Maxie Wander, Brigitte Reimann – das literarische Dreigestirn. Ohne diese drei Frauen wäre die Literatur der DDR um vieles ärmer, womöglich undenkbar. Noch heute werden sie gelesen, in Schule, im Studium. Ihre Bücher erleben Neuauflagen, werden – einst gekürzt veröffentlicht – nun in voller Länge gedruckt. Wie aktuell Reimanns Roman „Die Geschwister“ (Aufbau). Die Journalistin und Autorin Carolin Würfel zeichnet mit ihrem Band „Drei Frauen träumten vom Sozialismus“ nicht nur die einschneidenden Ereignisse und Einflüsse der drei Schriftstellerinnen nach. Sie erzählt von ihrem Verhältnis untereinander – und zur DDR, dem Land, in dem sie lebten. „Carolin Würfel – „Drei Frauen träumten vom Sozialismus““ weiterlesen →