Schweigen – Sylvie Schenk „Schnell, dein Leben“

„Eltern stecken in ihren Kindern und können sie schwer und traurig machen.“

Um das Leben literarisch zu erfassen, braucht es keine großen Worte, keine bekannten Personen als Protagonisten. „Stoner“ von John Williams, Robert Seethalers „Ein ganzes Leben“ – zwei Romane, die daran erinnern, dass große Literatur vor allem die Geschichte der kleinen, nicht berühmten Leute in ihrem Alltag im Lauf der Zeit erzählt. Dieser Reihe kann ein neuer Roman hinzugefügt werden: „Schnell, dein Leben“ von Sylvie Schenk. Dabei wird den wenigsten wohl der Name der deutsch-französischen Schriftstellerin bekannt sein, die in der Vergangenheit vor allem Lyrik und einige wenige Romane (Picus Verlag Wien) veröffentlicht hat. Doch mit ihrem neuen Werk gilt es, sie zu entdecken. Denn es ist ein großartiges Buch. „Schweigen – Sylvie Schenk „Schnell, dein Leben““ weiterlesen →

Metamorphose – Anna Katharina Hahn „Das Kleid meiner Mutter“

„Das gesamte Anderssein war ein Versprechen.“

Gut ausgebildet, aber chancenlos: Spaniens Jugend steht im Abseits. Die Eurokrise hat das Land tief getroffen. Wer kann und will, wandert  aus. Wer zurückbleibt, hat meist keine Arbeit oder einen schlecht bezahlten Job. Statt in einer eigenen Wohnung leben viele bei den Eltern. Auch Ana María Martínez Madrugada, kurz Anita Nanita genannt, trifft dieses harte wie ernüchternde Los einer vergessenen Generation.    „Metamorphose – Anna Katharina Hahn „Das Kleid meiner Mutter““ weiterlesen →

Stunde Null – Hans Fallada „Der Alpdruck“

„Das Leben geht weiter – sie werden diese Zeit überleben, sie, die durch Gnade Übriggebliebenen, die Hinterbliebenen. Das Leben geht immer weiter, auch unter Ruinen.“ 

Ohne übertreiben und andere Autoren vergessen zu wollen, kann er zu den größten Chronisten der 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gezählt werden:  Hans Fallada (1893 – 1947). Mit der Neuausgabe und Urfassung seines letzten und 1947 erschienenen Romans „Jeder stirbt für sich allein“ und auch internationalen Erfolgen Jahrzehnte nach seinem Tod ist der Schriftsteller wieder verstärkt in das literarische Bewusstsein gekommen. Sein im selben Jahr veröffentlichtes Buch „Der Alpdruck“ erzählt von den Monaten nach Kriegsende und seine eigene persönliche Geschichte. „Stunde Null – Hans Fallada „Der Alpdruck““ weiterlesen →

Schweigen und Schuld – Verena Boos „Blutorangen“

„Es  gibt das Gesagte und dahinter das, was aus der Dunkelheit ein Echo zurückwirft.“ 

Eine Hochzeit bringt zwei Familien zusammen. Die Spanierin Maria Teresa, kurz Maite genannt, heiratet ihre große Liebe Carlos aus München, den sie während ihres Studiums kennengelernt hat. Beide ahnen indes nicht, dass ihre eigenen Familiengeschichten wiederum Ausdruck der großen Geschichte sind. Eine Fotografie bringt die Tochter aus gutem Hause auf die Spur der dunklen Vergangenheit ihres Vaters. Und auch in Carlos‘ Großvater Antonio hat sich die Geschichte hineingeschrieben.    „Schweigen und Schuld – Verena Boos „Blutorangen““ weiterlesen →

Kunst und Krempel – Artur Klinau „Schalom“

„Der Künstler streunt ziellos umher, wie ein herrenloser Hund, streift durch die Hinterhöfe der Zivilisation, sieht mit traurigen Augen der Menschheitskolonne nach und wartet darauf, dass einer ihn mitnimmt oder ihm einen Knochen hinwirft.“

Aufmerksamkeit ist wohl die höchste Währung in der Öffentlichkeit. Was mancher da auf sich nimmt, um gesehen und beachtet zu werden, ein besonderes Zeichen zu setzen, erscheint oft grotesk. Der eine macht’s mit seiner Kleidung, der andere mit Statussymbolen oder einer Tätowierung. André Nikolajewitsch Sperling, seines Zeichens Künstler aus Belarus, setzt sich einen speziellen Flohmarkt-Fund auf den Kopf und gerät nicht nur in so manche skurrile Szene. Er erfährt am eigenen Leib, wie es ist, gegen den Strom zu schwimmen.   „Kunst und Krempel – Artur Klinau „Schalom““ weiterlesen →

Das Grauen – Lee Miller „Krieg“

„Sie baten mich darum, amerikanisch zu sprechen, weil sie so großes Heimweh hätten, überbrachten mir Souvenirs und zogen dieselbe Nummer ab, die ich in Lazaretten, in der Schlacht und am Piccadilly Circus schon oft erlebt hatte: ,Hey Lady, machen Sie mal’n Foto und bringen Sie‘ s in der Zeitung‘.“

In den beiden vergangenen Jahren gab es sie in großer Zahl: Bücher über den Krieg, genauer die beiden großen Kriege in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sicherlich auch, weil Jahrestage Erinnerungen an die Vergangenheit stärker und bewusster hervorbringen. Das ist wohl im Privaten nicht anders wie in der großen Weltgeschichte. Unter der Vielzahl der Veröffentlichungen leuchten besondere Werke hervor, so die Kriegsreportagen der Amerikanerin Lee Miller.    „Das Grauen – Lee Miller „Krieg““ weiterlesen →