Held Nelson – Nickolas Butler „Die Herzen der Männer“

„Die Helden haben sich immer von ihrem Herzen leiten lassen und die Feiglinge von ihrem Verstand.“

Es ist eine besondere Gemeinschaft mit besonderen Regeln: die Bewegung der Pfadfinder. Abseits vom gewohnten Zuhause und mitten in der wilden Natur kommen Kinder und Jugendliche zusammen, um praktische wie soziale Fähigkeiten zu erlernen. Für viele ist diese Gemeinschaft prägend für das weitere Leben. Der amerikanische Schriftstellerin Nickolas Butler, hierzulande bekannt geworden mit seinem Buch „Shotgun Lovesongs“, stellt diese in den Mittelpunkt seines neuen Romans „Die Herzen der Männer“ und erzählt von Jungen, die zu Männern werden und sich bewähren müssen, und von Frauen, die ihnen stets zur Seite stehen. „Held Nelson – Nickolas Butler „Die Herzen der Männer““ weiterlesen

Krieg – Serhij Zhadan „Internat“

„(…) du lässt die Welt der Lebenden hinter dir und tastest dich vor, bis du auf etwas Schreckliches stößt.“

Literatur erzählt und erinnert, lenkt oftmals auch den Fokus auf ein Thema, ein Land, ein Ereignis, das von der Öffentlichkeit nahezu vergessen wird und meist nur in einigen Randmeldungen in den Medien auftaucht. So hat der amerikanische Autor Anthony Marra mit seinem Roman „Die niedrigen Himmel“ über den Krieg in Tschetschenien geschrieben, so widmet sich  Serhij Zhadan mit seinem neuesten Roman „Internat“ dem seit 2014 währenden bewaffneten Konflikt zwischen von Russland unterstützten Milizen, regulären russischen und ukrainischen Truppen sowie Freiwilligenmilizen im Osten seines Heimatlandes, genauer gesagt im Donbass-Gebiet. Das Buch führt den Leser aufs Dramatischste vor Augen, wie tiefgreifend der Krieg das Leben der Bevölkerung beeinflusst.  „Krieg – Serhij Zhadan „Internat““ weiterlesen

Vom Leben und Tod – Madame Nielsen „Der endlose Sommer“

„(…) dass nicht das Leben ein Traum ist, nein, die Sprache ist es, die Erzählung, diese ganze Geschichte (…).“

Der Mensch braucht die Dinge der Welt mit klaren Konturen, voneinander abgegrenzt. Unschärfe erschwert das Betrachten, das Verstehen. Ein verschwommenes Flimmern und Flirren hat etwas Faszinierendes, aber zugleich auch etwas Rätselhaftes an sich. Der schmale wie einzigartige Roman „Ein endloser Sommer“ der dänischen Künstlerin und Autorin Madame Nielsen verlangt Zeit für die Lektüre und Offenheit für Experimente. Wer dies geben kann, wird reich belohnt. „Vom Leben und Tod – Madame Nielsen „Der endlose Sommer““ weiterlesen

Im Abseits – Arthur Miller „Fokus“

„Woher kam ihm plötzlich dieses Grauen?“

Der erste Eindruck entscheidet. Eine Wendung, die uns wohl ein Leben lang begleitet, die zugleich zeigt, welche Bedeutung dem Äußeren in unserer Gesellschaft beigemessen wird, obwohl diese allzu bekannten Worte nicht nur auf das äußere Erscheinungsbild, sondern auch auf das Verhalten eines Menschen anspielt. Es braucht nur wenig, um einen Menschen für den Blick anderer zu verändern; manchmal nur eine Brille. Im Fall von Lawrence Newman wandeln die Gläser, die er beginnt zu tragen, sein ganzes Leben. Der Personalchef eines großen New Yorker Unternehmens muss einen wirtschaftlichen, sozialen und privaten Absturz erfahren – weil er mit der Brille für einen Juden gehalten wird. In seinem einzigen Prosawerk „Fokus“, nun in einer prächtigen Ausgabe in der Edition Büchergilde erschienen, erzählt der große amerikanische Schriftsteller und Pulitzerpreisträger Arthur Miller diese beklemmende Geschichte über die verschiedenen Formen von Antisemitismus und Rassismus in seinem Land.  „Im Abseits – Arthur Miller „Fokus““ weiterlesen

Eine Suche – Florian Wacker „Stromland“

„Alle suchen sie hier draußen nach etwas, (…).“

Würden wir für einen geliebten Menschen, um die sprichwörtliche halbe Welt reisen, in ein Land, das sich vom eigenen, vertrauten so grundsätzlich unterscheidet wie der Norden vom Süden? Würden wir es wirklich tun – in die Fremde ziehen, in eine unbekannte Welt? Irina wagt es, wobei die junge Frau nicht einmal weiß oder nur ahnen kann, wo sie suchen soll. Sie macht sich auf nach Peru, in das weite wilde Gebiet des Amazonas, um ihren Zwillingsbruder Thomas zu finden. Über diese Reise nach Südamerika, über Eroberer und Entdecker, die schon weit vor ihr das Land erreicht haben, erzählt Florian Wacker in seinem Roman „Stromland“, der auf wunderbare Weise verschiedene Zeiten zusammenführt.    „Eine Suche – Florian Wacker „Stromland““ weiterlesen

Fast Familie – Tommi Kinnunen „Wege, die sich kreuzen“

„Möchtest du anders sein?  Oder möchtest du genau so sein, wie du bist, nur irgendwo anders?“

Finnland – das sind der hohe Norden, Seen, Wälder, zwischen den Bäumen vielleicht ein Elch, die trolligen wie legendären Figuren der Mumins. Finnland – das sind aber auch eine gelebte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sowie eine Literatur, die immer wieder die Rolle der Frau beziehungsweise starke Frauenfiguren in den Fokus rückt und von besonderen Familiengeschichten, geprägt von der wechselvollen Geschichte des Landes und der Europas, zu erzählen weiß. Ich denke da an die Romane von Sofi Oksanen und Katja Kettu. Mit Tommi Kinnunen betritt nun ein Mann die literarische Bühne, der in seinem Debüt „Wege, die sich kreuzen“ sich ebenfalls jenem Thema verschreibt. Und das auf beeindruckende Weise.  „Fast Familie – Tommi Kinnunen „Wege, die sich kreuzen““ weiterlesen