Lukas Rietzschel – „Raumfahrer“

„Nachkriegszeit und Nachwendezeit. Trümmer beseitigen, nicht nur die Brocken und Steine eingestürzter Häuser.“

Kamenz – Kleinstadt in Sachsen. Die Kohlegrube Lausitz vor der Haustür, das barocke und edle Dresden ein Katzensprung entfernt. Hier ist Lessing zur Welt gekommen, der Ortsteil Deutschbaselitz gab dem Maler Hans-Georg Kern, besser bekannt als Georg Baselitz, einen Teil seines Künstlernamens. In diese geschichtsträchtige Gegend in Ostdeutschland führt Lukas Rietzschel in seinem zweiten Roman „Raumfahrer“, der darin auf wundersame Weise die Geschichte zweier Familien und das Leben eines jungen Mannes mit dem eines berühmten Künstlers verknüpft. Eine spezielle Erwartung kann das eindrückliche Buch allerdings dennoch nicht erfüllen.

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Edgar Rai – „Ascona“

„Mensch bleiben. In Zeiten wie diesen war das schon eine politische Aussage.“

Nur mit einem Koffer, dem Manuskript seines aktuellen Romans und einer tragbaren Remington Modell 5 verlässt Erich Maria Remarque (1898 – 1970) in seinem Lancia Berlin. Erst auf Bitten seiner Geliebten Ruth ergreift er die Flucht. Eine eisige Nacht herrscht. Einen Tag später wird Adolf Hitler zum Reichskanzler gewählt. Wenige Monate später werden auf dem Berliner Opernplatz die Bücher des Schriftstellers und Verfassers des bis heute weltbekannten und einflussreichen Antikriegsromans „Im Westen nichts Neues“ (1929) verbrannt. Mehrere Jahre lebt Remarque fortan im Exil in der Schweiz, in seiner Villa im beschaulichen Ascona, am Lago Maggiore gelegen, ehe er schließlich 1938 die Queen Mary gen Übersee besteigen wird. Über diese Zeit, jene fünf Jahre, hat Edgar Rai einen Roman geschrieben, der eindrücklich die bedrohliche Lage der Exilanten beschreibt und einen Einblick in das Seelenleben des Schriftstellers gibt. „Edgar Rai – „Ascona““ weiterlesen

Roy Jacobsen – „Die Kinder von Barrøy“

„(…) sie sieht, wie alles in Auflösung übergeht, die Zerbrechlichkeit des Lebens.“ 

Øy – ein kleines Wort, aus nur zwei Buchstaben bestehend, bezeichnet doch eine ganze Welt. „Øy“ heißt aus dem Norwegischen ins Deutsche übersetzt „Insel“. Auf das fiktive Eiland Barrøy, das auf keiner Landkarte verzeichnet ist, allerdings symbolisch für viele norwegische Inseln stehen könnte, entführt Roy Jacobsen mit seiner meisterhaften Insel-Saga, die nun mit dem Roman „Die Kinder von Barrøy“ („Bare en mor“) ihre Fortsetzung findet und von der Zeit nach dem Krieg erzählt. „Roy Jacobsen – „Die Kinder von Barrøy““ weiterlesen

Andreas Pflüger – „Ritchie Girl“

„Ich weiß, es gibt Erinnerungen, bei denen man schreien will.“

Obwohl so unendlich viel über den Zweiten Weltkrieg schon in der Vergangenheit berichtet, erzählt, geschildert worden ist, gibt es noch immer Geschehnisse, die erst jüngst ans Licht der Öffentlichkeit gekommen sind – weiße Flecken, die nun ausgefüllt werden und Konturen erhalten. Mehrere Jahre war ein Bericht des US-Justizministeriums unter Verschluss, der sich mit der engen Zusammenarbeit der USA mit hochrangigen Nazis auseinandersetzt. Ein brisantes Thema, mit dem sich Andreas Pflüger in seinem aktuellen Roman „Ritchie Girl“ auf herausragende Weise beschäftigt.

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Helge Hesse – „Die Welt neu beginnen“

„Man braucht keine Obrigkeit, um die Welt neu zu beginnen.“ 

Was wir oftmals als heutige Errungenschaft ansehen, hat seine Wurzeln in der Vergangenheit. Der Glaube, Fortschritt ist eine Erscheinung der Gegenwart, liegt wohl in einer Unkenntnis der Geschichte oder in einem gewissen Desinteresse begründet. Fortschrittlich war bereits jener Mensch, der das Feuer nutzte, das Rad erfand, waren auch jene Künstler, die in Höhlen eindrückliche und staunenswerte Abbilder ihrer Umgebung schufen. Wenn wir heute von Freiheit und Gleichheit, von der Mitsprache jedes Menschen an politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen oder der wachsenden Rolle der Wissenschaft reden, müssen wir zurückblicken. Zu einer faszinierenden und überaus lehrreichen Zeitreise in das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts lädt Helge Hesse in seinem Band „Die Welt neu beginnen“ ein, mit dem der Düsseldorfer Publizist für den Bayerischen Buchpreis nominiert ist. „Helge Hesse – „Die Welt neu beginnen““ weiterlesen

Florian Wacker – „Weiße Finsternis“

„Jeder schreibt seine eigene Geschichte.“  

Meist erzählt die Geschichte von den Helden, den großen Entdeckern, deren Namen jeder kennt und die ihren festen Platz in der Ruhmeshalle haben. In seinem aktuellen Roman „Weiße Finsternis“ stellt der Frankfurter Schriftsteller Florian Wacker indes die Männer aus der zweiten Reihe ins Rampenlicht und berichtet von einer wahren Begebenheit. Im Mittelpunkt stehen Peter Tessem und Paul Knutsen, zwei Männer aus dem nordnorwegischen Tromsø, die 1918 den berühmten Polarforscher Roald Amundsen (1872 – 1928) als Matrosen auf dessen gefahrvolle Fahrt mit der „Maud“ durch die Nordostpassage nördlich von Sibirien begleiten. Für Tessem und Knutsen, die seit der Kindheit befreundet sind, sollte es eine Reise ohne Wiederkehr werden. 

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