Im Duett #1: Sebastian Barry – „Tausend Monde“ & „Ein langer, langer Weg“

„Es war, als sei jedes Herz sprachlos.“ (Aus: „Tausend Monde“) 

Wenn mein Blick an meinen Bücherregalen entlangstreift, fällt mir auf, wie viele Autoren es in meinem Bestand gibt, von denen ich gleich mehrere Bücher besitze. Mit der Zeit entwickelt man ja bekanntlich so gewisse Lesevorlieben und sammelt die Werke von geschätzten Autoren. Dieser Beitrag soll Auftakt einer neuen Blogreihe sein, in der ich ein jüngeres sowie ein älteres Buch eines ausgesuchten Autors vorstellen will. Die Serie „Im Duett“ soll allerdings nicht die Reihe „Backlist lesen“ ersetzen. Den Auftakt macht der Ire Sebastian Barry. „Im Duett #1: Sebastian Barry – „Tausend Monde“ & „Ein langer, langer Weg““ weiterlesen

Zora del Buono – „Die Marschallin“

„Zora hätte man in die Reihe der Männer stellen können, als ihr Anführer, Dirigent, Marschall, Patriarch: Alles hätte gepasst.“

Überzeugte Kommunistin, Anhängerin Titos und Unterstützerin der Partisanen-Bewegung, Frau eines weltberühmten Radiologen und dreifache Mutter: Das Leben von Zora Del Buono, geboren in Slowenien, war ein wechselvolles, ein von der Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägtes, sie selbst eine schillernde Person. In ihrem meisterhaften Roman „Die Marschallin“ erzählt ihre Enkelin Zora del Buono über ihre Großmutter und die Familie, über große Politik und das Grauen der Kriege sowie private Schicksale. „Zora del Buono – „Die Marschallin““ weiterlesen

Santiago Amigorena – „Kein Ort ist fern genug“

„Wir sind Juden. Ich bin Jude. Aber wir wissen nicht, was das bedeutet. Nicht einmal ansatzweise.“

Ein ganzer Kontinent und ein Ozean trennen sie. 1928 hat Vicente Rosenberg Polen verlassen und ist nach Argentinien ausgewandert. In der Heimat zurückgeblieben sind seine Mutter und seine Geschwister. Von der Ferne muss er mit ansehen, wie die jüdische Bevölkerung bedroht wird, der Krieg beginnt, Ghettos entstehen.  Der Autor und Filmemacher Santiago Amigorena hat mit „Kein Ort ist fern genug“ ein erschütterndes und wichtiges Buch über die Shoah aus einer anderen Perspektive geschrieben – aus der der Überlebenden, die bereits vor dem Grauen Europa verlassen hatten, aber trotzdem von dem unfassbaren Verbrechen gezeichnet, ja unwiderruflich traumatisiert sind. „Santiago Amigorena – „Kein Ort ist fern genug““ weiterlesen

Ulrike Draesner – „Schwitters“

„Es gibt keinen Ort, der ein Zuhause ist. Man musste ein Zuhause immer erfinden.“

Wenn die Heimat das eigene Leben bedroht, wird die fremde Ferne zum rettenden Land. Doch Kurt will nicht gehen. Hier sind seine Heimat, seine Frau, seine Kunst. Doch sie reden auf ihn ein: Freunde, Kollegen, sogar Helma. In den ersten Tagen des Jahres 1937 setzt er seinen Zweifeln ein Ende. Der Mann, der Künstler, verlässt Frau und Haus und reist dem Sohn Ernst gen Norden hinterher. Es sollte eine Reise ohne Wiederkehr werden. Ulrike Draesner widmet sich in ihrem meisterhaften Roman Kurt Schwitters (1887 – 1948), dem eigenwilligen Künstler der Moderne und Mitbegründer der internationalen Dada-Bewegung, sowie seinen letzten elf Lebensjahren. Ein Buch, das weit mehr erzählt als von einem berühmten Mann, der die Kunst zur Lebensform erhoben hat.

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Garrett M. Graff – „Und auf einmal diese Stille“

„Aber das hier war jenseits von allem, was man sich überhaupt vorstellen konnte.“

Jeder weiß, was er an diesem Tag gemacht hat, wo er gewesen ist. Der 11. September 2001 hat sich mit seinen schockierenden Ereignissen und Bildern in das Weltgedächtnis gebrannt. Rund 3.000 Menschen starben bei vier Flugzeugentführungen. Drei Maschinen flogen in das World Trade Center (WTC) in New York sowie in das Pentagon, den Hauptsitz des amerikanischen Verteidigungsministeriums in Washington, ein entführtes Flugzeug stürzte in Shanksville (Pennsylvania) nach dem Aufstand von Passagieren ab. Die Bilder der Terroranschläge, die kurz als Nine Eleven bezeichnet werden, gingen um die Welt, vor allem die der brennenden und einstürzenden Doppel-Türme des WTC. In seinem Band „Und auf einmal diese Stille“ vereint der amerikanische Journalist und Autor Garrett M. Graff mehrere Hundert Stimmen zu einer beeindruckenden Oral History dieses bedeutsamen Tages. „Garrett M. Graff – „Und auf einmal diese Stille““ weiterlesen

Christoph Heubner – „Ich sehe Hunde, die an der Leine reißen“

„(…), wir brauchen keine Worte, das Wissen war in uns eingesickert wie Blut in die Erde.

Dieser Ort, Sinnbild für millionenfaches Sterben und Leid, wird im Text kein einziges Mal erwähnt. Sein Name findet sich nur in der Unterzeile des Buches. Selbst wenn dieser schmale Band keine Überschrift tragen würde, könnte der Leser wohl bereits anhand der ersten der insgesamt nur drei Geschichten erkennen, wovon dieses Buch handelt. Es sind Geschichten über Auschwitz und den Holocaust, die trotz ihrer Kürze und ihrer wenigen Protagonisten beziehungsweise Stimmen Symbol für das noch immer unvorstellbare und unerklärbare Grauen inmitten des 20. Jahrhunderts sind. Wer diesen Band mit dem langen Titel „Ich sehe Hunde, die an der Leine reißen“ von Christoph Heubner zur Hand nimmt und liest, wird erschüttert sein. „Christoph Heubner – „Ich sehe Hunde, die an der Leine reißen““ weiterlesen