Blätterrascheln – Blick in die Herbstvorschauen

Ich muss gestehen: Meine Leseliste, erstellt nach einem Blick in die Frühjahrsvorschauen, habe ich nur ankratzen können. Viele Titel warten noch auf ihre Lektüre, und schon geben die Verlage die Programme für den kommenden Herbst und Winter heraus. Ergo: Die Wunschliste wird immer länger. Hier sind einige Titel, die mich neugierig machen oder deren Verfasser ich kenne und sehr schätze.  „Blätterrascheln – Blick in die Herbstvorschauen“ weiterlesen

Abgründe – Smith Henderson „Montana“

„Nur noch Jäger und kaum Gejagte. Austeiler. Keine Kümmerer.“ 

Montana könnte mit Blick auf die geringe Bevölkerungsdichte als das Mecklenburg-Vorpommern der Vereinigten Staaten gelten. Auf einer Fläche nahezu so groß wie Deutschland leben nicht mehr als eine Million Menschen. In dem Bundesstaat, im Norden der USA und an der Grenze zu Kanada gelegen, gibt es also sehr viel Platz und sehr viel Ruhe. Womöglich allzu viel davon. Die Wege zwischen den Menschen sind weit, jeder kocht unbeobachtet vom Rest der Welt sein eigenes Süppchen. Sozialarbeiter Pete Snow hat alle Hände voll zu tun, Kinder aus Problemfamilien in Sicherheit zu bringen und aus der Spirale aus Drogen, Missbrauch und Gewalt zu holen.  „Abgründe – Smith Henderson „Montana““ weiterlesen

Rückblende – Anthony Marra „Letztes Lied einer vergangenen Welt“

„Es gibt mehr Möglichkeiten, sich an einen Menschen zu erinnern, als es Menschen auf der Welt gibt.“

In einem meiner Lieblingsbuchläden fiel er mir auf: der Roman von Anthony Marra mit dem Titel „Die niedrigen Himmel“. Mit diesem meisterhaften Buch erlebte ich meine erste literarische Begegnung mit Tschetschenien – ein Land, das in den vergangenen Jahren vor allem durch die Berichte zweier Kriege regelmäßig in die Schlagzeilen gekommen war. Mit seinem neuesten Werk „Letztes Lied einer vergangenen Welt“ kehrt der Amerikaner zurück in dieses traditionsreiche wie einst zerrüttete Land und spannt den Bogen indes zeitlich und geografisch weiter.   „Rückblende – Anthony Marra „Letztes Lied einer vergangenen Welt““ weiterlesen

Machtsystem – Robert Darnton „Die Zensoren“

„Das Genehmigungsverfahren, die staatliche Aufsicht, kürzer und nicht wenig klar gesagt: die Zensur der Verlage und Bücher, der Verleger und Autoren, ist überlebt, nutzlos, paradox, menschenfeindlich, volksfeindlich, ungesetzlich und strafbar.“ (Christoph Hein, 1987)

Schmähungen, Verfolgung und Haft, Druckverweigerung, Bücherverbrennung: Die Möglichkeiten, wie frühere Herrscher in den Literaturbetrieb eingegriffen haben, sind komplex und reichen weit über den berühmt-berüchtigten Rotstift hinaus. Das Ziel bleibt hingegen gleich: die Macht und das System zu bewahren. Und da spielt es keine Rolle, in welche Kapitel der Weltgeschichte man blickt. Der renommierte amerikanische Wissenschaftler Robert Darnton berichtet in seinem jüngsten Werk „Die Zensoren“ über drei verschiedene Länder und drei verschiedene Jahrhunderte. „Machtsystem – Robert Darnton „Die Zensoren““ weiterlesen

Verlorene – Atticus Lish „Vorbereitung auf das nächste Leben“

„Wenn du den Himmel wolltest, hieß es, hättest du vielleicht nicht hierhergekommen sollen. Aber wenn du glaubst, dass deine Füße dich tragen, dann gibt’s ja immer noch Amerika.“

Schätzungsweise zwölf Millionen illegale Einwanderer leben in den USA. Die meisten stammen aus dem Nachbarland Mexiko, viele aus Asien, allen voran aus China und Indien. Zou Lei ist halb Han-Chinesin, halb Uigurin. Als junge Frau und einige Jahre nach dem frühen Tod ihres Vaters als Soldat der Volksbefreiungsarmee verschlägt es sie nach New York. Sie jobbt in Schnellrestaurants, verkauft DVDs in der U-Bahn. Ihr Alltag ist bestimmt, das nötige Geld zu verdienen und nicht von der Polizei entdeckt zu werden. Der Roman „Vorbereitung auf das nächste Leben“ des Amerikaners Atticus Lish erzählt ihre Geschichte und von weiteren Schicksalen.  „Verlorene – Atticus Lish „Vorbereitung auf das nächste Leben““ weiterlesen

Stories – Boris Fishman „Der Biograf von Brooklyn“

„Es hat diese Stille. Diese schreckliche russische Stille, die die Amerikaner nicht begreifen. Sie machen ständig Lärm, weil sie vergessen wollen, dass das Leben irgendwann zu Ende ist. Wir vergessen das nie, deswegen haben wir diese Stille, auch wenn wir schreien und lachen.“

Er hat seine jüdische und osteuropäische Herkunft in die entlegensten Bereiche seines Bewusstseins verbannt. Die Familie, die ihn an diese erinnern könnte, besucht er nur noch selten. New York bietet bekanntlich reichlich Platz, um die Distanz zwischen zwei Menschen zu vergrößern. Der Journalist Slava Gelman will leben wie ein Amerikaner, schreiben wie ein Amerikaner. Doch dann stirbt seine geliebte Großmutter Sofia und ein Brief der Konferenz für jüdische Schadenersatzansprüche gegen Deutschland bringt Turbulenzen in sein eher beschauliches Dasein, das Boris Fishman in seinem Debütroman „Der Biograf von Brooklyn“ erzählt.  „Stories – Boris Fishman „Der Biograf von Brooklyn““ weiterlesen