Das Kind – Svenja Leiber „Staub“

„Sich zu verlieren ist doch wirklicher einfacher, als sich wiederzufinden.“

Erinnerungen aus der Kindheit prägen, sie folgen einem, haften wie ein Magnet, wollen nicht weichen. Sie sind unsichtbares Gepäck, das wohl jeder von uns mit sich trägt. Manchmal packen wir es aus, manchmal lassen wir es am besten geschlossen. Denn das Gute und Helle kann nicht ohne das Schlechte, das Dunkle sein.  Jonas Blaum, einem deutschen Arzt, holen die Erinnerungen an einen Aufenthalt in Saudi-Arabien ein, wo er als Kind mit seinen Eltern und den beiden Geschwistern David und Semjon lebte. Schon sein Vater praktizierte als Mediziner, der 1984 in den Nahen Osten gerufen wurde. Nach einem fehlgeschlagenen Krankenhaus-Projekt strandete er in Riad und wurde zu einem Untertanen des Scheichs. Die Familie konnte das Land nicht verlassen und lebte in einem goldenen Käfig. 20 Jahre später zieht es Blaum, nun selbst erwachsen, nach Jordanien, wo seine Gedanken ihn stets und ständig in die Vergangenheit führen.  „Das Kind – Svenja Leiber „Staub““ weiterlesen

Backlist #4 – Agota Kristof „Das große Heft“

„Alle Welt ist in Schwierigkeiten.“

Manche Bücher begleiten einen, obwohl sie noch nicht gelesen worden sind, aber weil man sie unbedingt kennenlernen möchte. Egal aus welchem Grund. Der Roman „Das große Heft“ der ungarischen Schriftstellerin Agota Kristof ist solch ein Buch. Mich faszinierte das besondere Foto auf dem Cover, mich machten auch der Klappentext sowie die Aussagen zur Biografie der Autorin neugierig. Doch irgendwie fanden wir nicht zusammen. Eines Tages drückte mir jedoch die Leiterin einer Sekundarschule den schmalen Band in die Hand, als sie mir ein Buch zurückgab, das ich ihr zuvor ausgeliehen hatte. Tage, Wochen, ja Monate vergingen. Kristofs Roman blieb ungelesen im Regal liegen. Bis sie mich eines Tages daraufhin ansprach, mich auch ein schlechtes Gewissen quälte. Nun las ich es, und ich frage mich, warum dies nicht eher geschehen ist. Aber oft brauchen die gerade guten Dinge ihre Zeit.  „Backlist #4 – Agota Kristof „Das große Heft““ weiterlesen

„Europa ist da“ – Autorengipfel in Berlin

Begrüßungen in mehreren Sprachen an die Wand projiziert, Gespräche in mehreren Sprachen in den verschiedenen Salons: Ein besonderer Abend in der Bertelsmann Repräsentanz in Berlin zeigte sich rundum international. Liegt auf den beiden Buchmessen in Leipzig und Frankfurt der Fokus meist gezielt auf einem speziellen Gastland, standen zum Europäischen Autoren-Gipfel  mit Unterstützung von 19 europäischen Botschaften und Kulturinstituten Schriftsteller aus 20 Ländern anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 im Mittelpunkt. Und nicht nur diese. „„Europa ist da“ – Autorengipfel in Berlin“ weiterlesen

Allein – Emily Fridlund „Eine Geschichte der Wölfe“

„Was ist der Unterschied zwischen dem, woran man glauben will, und dem, was man tut?“

Ein Wald in Minnesota. Eine Hütte, eine Familie. Die nächste Stadt ist einige Kilometer entfernt, die nächste Familie wohnt am anderen Ufer des Sees. Linda sieht sie, die Zugezogenen, die Neuen im Wald. Frau und Kind, später kommt der Vater noch hinzu. Schnell findet die 14-Jährige Kontakt zu dem kleinen Paul und seinen Eltern, gewinnt ihr Vertrauen, wird die Babysitterin des kleinen Jungen. Doch genauso schnell bemerkt sie, dass mit der Familie etwas nichts stimmt, obwohl sie selbst nicht unbedingt „normal“ ist, in der Schule auch Freak genannt wird. Die Amerikanerin Emily Fridlund breitet in ihrem eindrucksvollen Debüt „Eine Geschichte der Wölfe“ eine Story aus, deren Inhalt noch immer brisant ist und psychologisch beklemmend erzählt wird.  „Allein – Emily Fridlund „Eine Geschichte der Wölfe““ weiterlesen

Was uns der Herbst so bringt – Einblick in die Vorschauen

Während der Mai sich als heißer Frühsommer offenbarte, wird bereits im Juli der Herbst eingeläutet – der Leseherbst. Denn zahlreiche Verlage bringen die ersten neuen Titel ihres kommenden Programms auf den Markt. Obwohl auch ich noch nicht das Frühjahrsprogramm „abgearbeitet“ habe und mir zudem vornehme, weiterhin mehr Titel aus den Backlisten zu lesen, konnte ich es mir nicht verkneifen, in die Vorschauen der kleinen und großen Vorlage zu lunschen. In den letzten Tagen und Wochen ist eine ansehnliche Liste aus Titeln entstanden, die ich sicherlich nicht gänzlich alle lesen kann und werde. Aber kein Buchnerd kann bekanntlich ohne seine Wunschliste leben, und vielleicht findet Ihr auch das eine oder andere Buch für Euch selbst. „Was uns der Herbst so bringt – Einblick in die Vorschauen“ weiterlesen

Wunden – Franziska Hauser „Die Gewitterschwimmerin“

„Was nicht erzählt wird, ist nicht aus der Welt.“

Familiengeschichten führen ihr Eigenleben. Je nach dem subjektiven Blickwinkel verändern sich ihre Bedeutungen, Facetten und Schattierungen. Ereignisse oder Familienmitglieder erscheinen anders, als sie womöglich in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Und Helden sind nicht immer nur Helden. Die Berliner Autorin Franziska Hauser erzählt in ihrem nunmehr zweiten Roman „Die Gewitterschwimmerin“ eine spezielle Familiengeschichte: Es ist teils ihre eigene, die ihr als Grundlage für die Handlung gedient hat. Anderes hat sie hingegen erfunden, wie sie dem Leser vor dem Beginn des Romans in einem kurzen Vorwort erklärt.  „Wunden – Franziska Hauser „Die Gewitterschwimmerin““ weiterlesen