Ketil Bjørnstad „Die Welt die meine war“

„Das ist mein Platz. Der des Betrachters.“

Als ich dieses Buch las, hatte ich oft diesen fetzigen Song im Kopf, einen Ohrwurm, der einfach nicht verschwinden wollte. Kurioserweise oder wie der Zufall es so wollte, stammt der Hit – wie auch dieses Buch  –  von einem Pianisten. „We Didn’t Start The Fire“ heißt der Hit des Amerikaners Billy Joel, in dem „The Piano Man“ herausragende Personen und Ereignisse der Geschichte in den Strophen aufzählt und aneinanderreiht, einer Chronik gleich. Zu einem Rückblick in eine vergangene Zeit, genauer gesagt in die 1960er-Jahre, lädt der Jazz-Pianist Ketil Bjørnstad mit dem ersten Band seiner Autobiografie ein. Auf eine ganz ähnliche Weise wie sein Kollege Joel.  „Ketil Bjørnstad „Die Welt die meine war““ weiterlesen →

Welt der Waffen – Jennifer Clement „Gun Love“

„Irgendwer hatte immer den Finger am Abzug.“

Der Zustand eines Landes lässt sich oft in den Medien sowie in den Werken aus Kunst und Kultur ablesen. Das sind Zeitungen, Rundfunk und Blogs, das sind aber auch Romane, die die Atmosphäre und ein Stimmungsbild einfangen. Mit „Gun Love“ legt die amerikanische und mehrfach ausgezeichnete Autorin Jennifer Clement einen Roman vor, dessen Titel nicht nur das Geschehen trefflich in nur zwei Wörtern beschreibt. Er schildert in all seiner schier herzergreifenden Tragik und Melancholie von Waffenhysterie und Waffengewalt, die vor keiner Generation und keinem gesellschaftlichen Status Halt macht. „Welt der Waffen – Jennifer Clement „Gun Love““ weiterlesen →

Trauma – Juli Zeh „Neujahr“

„Da war etwas, aus dem es kalt heraufwehte.“

Lanzarote: Die trockene und karge Vulkaninsel im Atlantik mit ihren schwarzen Stränden und Bergmassiven ist Ziel vieler Touristen. Henning, seine Frau Theresa und die beiden gemeinsamen Kinder Jonas und Bibbi zieht es ebenfalls auf das spanische Eiland. Die Familie verbringt die Tage des Jahreswechsels auf der kanarischen Insel. Doch für den jungen Mann wird es alles andere als ein erholsamer Urlaub, weil diese Reise in die Ferne nicht nur die Disharmonie des Paares offenlegt. Er wird während einer Radtour hinauf in die Berge konfrontiert mit einer düsteren Episode aus seiner Kindheit, an die er sich bis zu jenem Tag nicht erinnert.  „Trauma – Juli Zeh „Neujahr““ weiterlesen →

Backlist #7 – John Wray „Die rechte Hand des Schlafes“

„Wie konnte das alles passieren?“

Obwohl ich allgemein sehr viel und sehr oft Literatur aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oder Bücher über jene Zeit lese, ist es Zufall, dass ich für diese Reihe „Backlist lesen“ nach Robert Seethealers Werk „Der Trafikant“ erneut zu einem Roman gegriffen habe, der sich mit dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich beschäftigt (ich werde in den kommenden Folgen wieder für etwas Abwechslung sorgen). Doch mit John Wray und seinem Debüt „Die rechte Hand des Schlafs“ verhält es sich dann doch etwas anders, als es auf den ersten Blick erscheint. „Backlist #7 – John Wray „Die rechte Hand des Schlafes““ weiterlesen →

Didier Decoin „Das Ministerium der Gärten und Teiche“

„Es hat immer einen Sinn, weiter so zu handeln, wie man handeln muss.“

Es sind die tragischen Ereignisse in ihrer Plötzlichkeit, die uns an Glück und Gerechtigkeit im Leben zweifeln lassen; vielleicht sogar am Leben selbst. Aus diesem scheidet Katsuro – allerdings unfreiwillig. Der Karpfenfischer ertrinkt, dabei war das Wasser doch sein Element. Aber es soll auch Seemänner gegeben haben, die nicht schwimmen können. Katsuros Aufgabe war es schon seit Jahren, die Karpfen für die Tempelteiche der japanischen Kaiserstadt zu fangen. Nun ist es an Miyuki, seiner Frau, die letzten von ihm gefangenen Karpfen, die Symbolträger des Glücks, an ihren Bestimmungsort nach Heian-Kyo zu bringen. „Didier Decoin „Das Ministerium der Gärten und Teiche““ weiterlesen →

Jan Brokken „Sibirische Sommer mit Dostojewski“

„Schreiben sei sein Schicksal.“

Sicherlich stehen in den meisten gut gefüllten und gut sortierten Bücherregalen  wenigstens eines seiner Werke. Vielleicht „Schuld und Sühne“, „Die Brüder Karamasow“ oder „Der Idiot“, vielleicht auch alle hübsch nebeneinander. Die russische Literaturgeschichte wäre wohl ohne seinen Namen und seine weltliterarischen Werke um einiges ärmer: Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 – 1881) zählt zu den bedeutendsten Autoren seines Landes. Doch nur wenige wissen, dass seine schriftstellerische Karriere bereits an ihrem Beginn nahezu ein Ende hätte finden können und dass ein Mann und die gemeinsame Freundschaft ihn beflügelt haben. „Jan Brokken „Sibirische Sommer mit Dostojewski““ weiterlesen →