Zwillinge – Sasha Marianna Salzmann „Außer sich“

„(…) aber Hoffnung ist ja nichts, was da ist, um erfüllt zu werden, (…).“

Was macht eine Person zu der, der sie ist? Die Familie und Sprache, Erfahrungen und Erlebnisse, gesellschaftliche wie soziale Normen, eigene oder fremde Ansprüche? Ist es nicht so, dass wir uns in stets und ständig wandeln, äußerlich wie innerlich, Häute abstreifen wie eine Schlange, überkommene Vorstellungen über Bord werfen. So wird aus Alissa Ali, aus der jungen Frau ein Mann, die Stimme wird tiefer, die Bartstoppeln sprießen. Die Heldin in dem Romandebüt der Berlinerin Sasha Marianna Salzmann „Außer sich“ befindet sich auf einer zweifachen Suche: auf der nach ihrem Zwillingsbruder Anton und nach sich selbst. „Zwillinge – Sasha Marianna Salzmann „Außer sich““ weiterlesen

In der Wüste – Mirko Bonné „Die Widerspenstigkeit“

„Na ja, wir Menschen schaffen Ordnung, damit wir einander wiederfinden können.“

Es wird noch immer oft und von vielen gelesen, ist verfilmt und auch auf die Bühne gebracht worden. Rund 140 Millionen Mal verkauft, in rund 180 Sprachen übersetzt, gilt das Kunstmärchen „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry als eines der erfolgreichsten Bücher weltweit. Mit dem Band „Die Widerspenstigkeit“ wandelt Mirko Bonné auf den Spuren des berühmten Franzosen und seines bekanntesten Werkes und stellt seinem männlichen Protagonisten einen besonderen tierischen Begleiter zur Seite. „In der Wüste – Mirko Bonné „Die Widerspenstigkeit““ weiterlesen

Der Vielleser – Jan Kjærstad „Das Norman-Areal“

„Das Lesen öffnete mich, das Lesen öffnete die Welt etwas weiter.“

Lange ist es her, dass eine so simple Fernsehshow wie „Was bin ich?“ die TV-Zuschauer an die Bildschirme zu holen vermochte und sie dabei auch noch prächtig unterhalten hat. Müsste John Richard Norman seinen Beruf in nur einer Geste erklären, sehe sie ungefähr so aus: leicht nach vorn gebeugter Oberkörper, die Hände halten einen Gegenstand, die gesamte Gestalt macht den Eindruck von Versunkenheit. Norman ist der Held in dem neuesten Roman des norwegischen Autors Jan Kjærstad und einer der bekanntesten Verlagslektoren. „Das Norman-Areal“ erzählt von der Leidenschaft für das Lesen und die Bücher, die Faszination, die sie auslösen, sowie einer Liebe, die ein tragisches Ende findet.   „Der Vielleser – Jan Kjærstad „Das Norman-Areal““ weiterlesen

Spuren – Anne von Canal „White Out“

„Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen, sie ist noch in Bewegung.“

Von einem Eisberg sind nur ein Fünftel bis ein Achtel zu sehen, der überwiegende Teil des Kolosses liegt unter der Wasseroberfläche. Er ist ein beliebtes symbolisches Bild und kann wohl auch bemüht werden, wenn es um Dinge geht, die wir unterschätzen. Unterschätzt werden oft die Wirkungen von Erinnerungen. Sie sind das große Thema in dem neuen Roman von Anne von Canal mit dem Titel „White Out“, und dieser führt ins ewige Eis: in die Antarktis. „Spuren – Anne von Canal „White Out““ weiterlesen

Frau im Krieg – Laird Hunt „Die Zweige der Esche“

„Weiter weg von der Welt als an die Schwelle zum Jenseits kann man kaum gelangen.“

Die Wahl Abraham Lincolns zum amerikanischen Präsidenten 1860 und die Sklaverei-Frage spalten das Land. Mehrere Südstaaten verlassen die Union und schließen sich zu einer Konföderation zusammen. Als am 12. April 1861 Fort Sumter (South Carolina) durch Soldaten aus dem Süden beschossen wird, verwandelt sich der Konflikt in einen Krieg. 3,8 Millionen Soldaten nehmen in den kommenden vier Jahren daran teil, rund 560.000 von ihnen lassen ihr Leben. Obwohl bereits viel über diese Zeit geschrieben wurde, ist ein Kapitel nur wenig bekannt: Dass sich auch Frauen den beiden Armeen einst angeschlossen haben. Der amerikanische Autor Laird Hunt erzählt davon in seinem Roman „Die Zweige der Esche“.  „Frau im Krieg – Laird Hunt „Die Zweige der Esche““ weiterlesen

Zwei Welten – Ursula K. Le Guin „Freie Geister“

„Und zu wissen, dass man sein Leben erfüllt hat, ist seltsam, ungeheuer seltsam.“

Science Fiction führt in der Literatur leider noch immer ein Nischendasein.  Dies wird mit Blick in die Buchbesprechungen der Feuilletons und bei regelmäßigen Streifzügen durch die Buchhandlungen erkennbar. Die Regale mit den Titeln sind meist versteckt und müssen sich die räumliche Nähe zum Bereich Fantasy gefallen lassen. Dabei vermag auch Science Fiction, gesellschaftliche Diskussionen zu entfachen, wie es Romane von renommierten Autoren oder sogar Klassiker können. Eines dieser tiefsinnigen Bücher ist der Roman „Freie Geister“ der amerikanischen Autorin Ursula K. Le Guin, der nun in einer neuen Übersetzung im neuen Programm „Tor“ des Fischer Verlages erschienen ist.  „Zwei Welten – Ursula K. Le Guin „Freie Geister““ weiterlesen