Kristin Valla – „Das Haus über dem Fjord“

„Nur Papa sank, kam nie an die Oberfläche, hatte etwas in sich, das ihn schwer machte.“

Es sind nur wenige Sekunden, in denen die zehnjährige Elin ihren Vater und ihre beiden älteren Brüder Thomas und Vegard für immer verliert. Auf dem Weg zu einer Familienfeier kommen sie infolge eines Erdrutsches ums Leben. Das Mädchen und ihre Mutter sind an jenem Tag daheim geblieben. Mehr als 20 Jahre später und nach dem Tod der Mutter kommt die nunmehr erwachsene Elin einem streng gehüteten Geheimnis auf die Spur, das die gesamte Familiengeschichte nicht nur infrage stellt. In ihrem berührenden wie atmosphärischen Roman „Das Haus über dem Fjord“ erzählt die Norwegerin Kristin Valla von Trauer und Schmerz und welche Folgen die Geheimnisse der Eltern auf die nächste Generation haben können.

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Ling Ma – „New York Ghost“

„Wörter verschwanden oft als Erstes, wenn man fieberte.“

Kein Mensch in den himmelhohen Wolkenkratzern, keine Menschenmenge auf den breiten Straßen und den von flirrenden Werbeflächen umsäumten Plätzen. Kein Lärm, keine hektische Betriebsamkeit. New York – eine Geisterstadt. Vor drei Jahren hätten wir den Gedanken wohl als unmögliche Fantasie abgetan, als Traum, als literarische Dystopie angefüllt mit einer beängstigenden, aber unwirklichen Endzeitstimmung. Mit Corona und Lockdown auch in der Stadt, die niemals schläft, wurde dieser Gedanke jedoch real. Bereits zwei Jahre vor Beginn der Pandemie erschien mit „Severance“ das preisgekrönte Debüt von Ling Ma, das unter dem Titel „New York Ghost“ auch hierzulande für reichlich Begeisterung sorgte und von einem tödlichen Erreger erzählt. „Ling Ma – „New York Ghost““ weiterlesen →

Miqui Otero – „Simón“

„Der Zufall bringt das Leben durcheinander, die Fiktion hingegen ordnet es.“ 

Simóns Zuhause ist das „Baraja“, die urige Kneipe seiner Eltern, von Tante und Onkel in Barcelona. Seine Familie sind auch die Gäste, die vom Leben gebeutelt sind und nicht mit ihren ureigenen Lebensweisheiten und schrägen Kommentaren sparen. Hier wächst der Junge auf. Sein bester Freund und zugleich Mentor ist der zehn Jahre ältere Rico, der mehr großer Bruder denn Cousin ist. Nach dem Trubel der Johannisnacht, in dem Simón und Rico gemeinsam um die Häuser ziehen, verschwindet der Ältere spurlos und lässt seinen jüngeren Cousin zurück, der in den kommenden Jahren lernen muss, dass das Leben andere Wege geht, als in seinen heißgeliebten Büchern beschrieben wird.

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Anna Bolavá – Der Duft der Dunkelheit

„Wenn das Kraut einer Art, die man sammelt, größer ist als man selbst, ist das ein bedeutendes Ereignis.“

Kamille und Königskerze, Hirtentäschel und Holunder, Schafgarbe und Schöllkraut: Wer den Debütroman der tschechischen Autorin Anna Bolavá liest, wird wie die Heldin und Ich-Erzählerin Anna zu einem Sammler oder einer Sammlerin. Man sammelt unweigerlich bei der Lektüre von „Der Duft der Dunkelheit“ Namen von Kräutern in einer Liste. Alle Heilpflanzen, die in diesem Buch genannt werden, gibt es tatsächlich, weist die Schriftstellerin zu Beginn ihres Werkes hin, für das sie 2016 mit dem wichtigsten Literaturpreis ihres Landes ausgezeichnet wurde.  „Anna Bolavá – Der Duft der Dunkelheit“ weiterlesen →

Maggie Shipstead – „Kreiseziehen“

„Die Antarktis ist eine Trickbetrügerin.“ 

In einer roten Lockheed Vega 5B überquert sie 1932 im Alleinflug den Atlantik. Bei dem Versuch, die Welt zu umrunden, verunglückt sie 1937 auf einer der letzten Etappen im Pazifik. Die US-Amerikanerin Amelia Earhart zählt zu den großen Flugpionierinnen ihrer Zeit. Wie auch ihre Landsmänninnen Harriet Quimby und Jacqueline Cochran sowie die deutschen Pilotinnen Elly Beinhorn, Amelie Beese und Marga von Etzdorf. In ihrem Roman „Kreiseziehen“ erzählt die US-amerikanische Autorin Maggie Shipstead von einer Frau, die schon als Kind den Traum hatte zu fliegen, die letztlich sich zwischen den Wolken sicherer fühlte, als mit den Beinen auf der Erde, wo sie stets nach Anerkennung, Liebe und ihren Lebensweg suchte. „Maggie Shipstead – „Kreiseziehen““ weiterlesen →

Christoffer Carlsson – „Was ans Licht kommt“

„Vieles, was sichtbar ist, sieht man nicht, weil es zu schmerzhaft wäre.“ 

Es ist der Abend, als Olof Palme stirbt. Am 28. Februar 1986 wird der schwedische Ministerpräsident nach einem Kinobesuch auf offener Straße in Schwedens Hauptstadt Stockholm erschossen.  An jenem Tag in der Provinz Halland beobachtet ein Junge ein merkwürdiges Geschehen. Später wird dort in einem Auto die Leiche einer jungen Frau gefunden. In beiden Fällen tappt die Polizei bei ihren Ermittlungen lange im Dunklen, sind die Menschen geschockt von dem grausamen Verbrechen. Der schwedische Kriminalautor und Kriminologe Christoffer Carlsson erzählt in seinem Roman „Was ans Licht kommt“ von einer Mordserie in der schwedischen Provinz, vor allem aber von den Menschen, die dort leben.

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