Bilder – Attila Bartis „Das Ende“

„Im Grunde gibt es nichts, das dem Tode näher wäre als das Fotografieren.“

Wir versuchen, uns der Welt nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern zu nähern. Ein für uns bedeutenden Moment gilt es festzuhalten – mit dem Smartphone, der Kamera, dem Gedächtnis. Obwohl man sich sicherlich fragen kann und sollte, welche Beziehung die Fotografie und das Gedächtnis zueinander eingehen. András Szabad, Held und Ich-Erzähler in dem neuen Roman von Attila Bartis, ist Fotograf und zugleich Chronist seines eigenen Lebens, der von seinen vielen Leidenschaften, seinen Erlebnissen und seinen Schicksalsschlägen berichtet.  „Bilder – Attila Bartis „Das Ende““ weiterlesen →

Backlist #1 – Carmen Laforet „Nada“

„So sehr man sich auch drehte und wendete, man bewegte sich doch immer nur im Kreis derselben Menschen.“

Die Entscheidung, in sehr jungen Jahren das vertraute Zuhause zu verlassen und in eine fremde Stadt zu kommen, in der das Leben pulsiert, ist oftmals verbunden mit Hoffnungen, Wünschen, Träumen. Die neue Umgebung soll Veränderungen bringen. Nicht anders ergeht es der 18-jährigen Andrea, die ihre Eltern verloren hat und es wenige Jahre nach dem spanischen Bürgerkrieg nach Barcelona verschlägt. Sie will studieren, das Leben genießen, vielleicht die große Liebe entdecken. Die spanische Autorin Carmen Laforet (1921 – 2004) erzählt in ihrem Erstling „Nada“ von den Hoffnungen ihrer jungen Heldin und den Herausforderungen, denen sie sich stellen muss.  „Backlist #1 – Carmen Laforet „Nada““ weiterlesen →

Zwei Welten – Elena Ferrante „Die Geschichte der getrennten Wege“

„Mein Etwas-Werden hatte sich in ihrem Fahrwasser vollzogen.“

Zweifellos: Die Neapolitanische Saga um die beiden Mädchen und späteren Frauen Elena und Lila ist ein literarisches Phänomen,  über das man noch in einigen Jahren reden wird. Und sicherlich werden die vier Bücher über deren Freundschaft über die Kindheit hinaus weiterhin gelesen werden. Da spielt es wohl kaum mehr eine Rolle, dass ein ehrgeiziger Journalist die wahre Identität hinter dem Pseudonym Elena Ferrante nach ausgiebiger Recherche herausgefunden hat. Im Mittelpunkt steht das Werk. Punkt! Das wird allzu sehr deutlich, als der nunmehr dritte Band sogleich nach seinem Erscheinen Rang eins der Spiegel-Bestsellerliste belegte, während die Erinnerung an die Schlagzeilen nahezu verblasst sind. Eine Erscheinung, für die ich persönlich Genugtuung empfinde, denn aller journalistischer Eifer in Ehren, ein schützendes Pseudonym sollte ein Pseudonym bleiben.  „Zwei Welten – Elena Ferrante „Die Geschichte der getrennten Wege““ weiterlesen →

Begleiter – Gerbrand Bakker „Jasper und sein Knecht“

„Am schönsten ist das Gefühl, dass ich etwas zurückbekomme, das zerstört zu sein schien.“

Die aktuelle Literatur scheint einen neuen Trend zu pflegen: Schriftsteller schreiben über sich, ihr kreatives Leben und den Literaturbetrieb, ihre Bewährungsproben im Alltag, ihr Innerstes. Den Namen Karl Ove Knausgård braucht man an dieser Stelle wohl nicht zu erklären. Sowohl Fans als auch Kritiker werden sich in jenem Punkt einig sein, dass er mit seiner sechsbändigen „Min kamp“-Reihe – der letzte Teil soll im kommenden Jahr im Luchterhand Verlag erscheinen – die Form des autobiografischen Schreibens wieder in das Bewusstsein gebracht hat. Thomas Melles Buch „Die Welt im Rücken“ (Rowohlt) steht ein weiteres Werk mit autobiografischen Zügen auf der Shortlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises. Nun Gerbrand Bakker, der sich in diese kurze Aufzählung einreiht und der in seinem neuesten Band „Jasper und sein Knecht“ ebenfalls über seine Depression schreibt. „Begleiter – Gerbrand Bakker „Jasper und sein Knecht““ weiterlesen →

Erschütterungen – Callan Wink „Der letzte beste Ort“

„Aber man darf dabei nicht vergessen, dass es direkt unter der äußeren Schale immer noch die Strömung gibt.“

Das Land ist weit, von entrückender Schönheit, doch manch einer scheint, verloren, entwurzelt zu sein. Überraschende, meist tragische Ereignisse werfen das Leben für einen kurzen Moment aus der Bahn. Dann geht es weiter – das Leben; in seiner alltäglichen Konsequenz. Der Amerikaner Callan Wink schreibt davon. Für seinen in diesem Jahr veröffentlichten Debüt-Band mit Stories – jüngst bei Suhrkamp mit dem Titel „Der letzte beste Ort“ erschienen – hat der 32-Jährige in seinem Heimatland bereits viel Lob erhalten. Vergleiche werden gezogen – mit großen und bekannten Namen wie Richard Ford oder Philipp Meyer. Sicher ist, dem jungen Autor ist so einiges zuzutrauen.  „Erschütterungen – Callan Wink „Der letzte beste Ort““ weiterlesen →

Vater und Sohn – Gerbrand Bakker „Oben ist es still“

„Wenn man etwas nicht anders kennt, weiß man nicht, was einem fehlt.“

Helmer van Wonderen ist kein Freund von Veränderungen. Doch von einen Tag auf den nächsten  krempelt der Bauer das Haus um. Vor allem sein kranker und bettlägriger Vater trifft es schwer. Denn er findet sich in einem Zimmer im Obergeschoss unter dem Dach wieder – samt all jener Erinnerungen an das bescheidene Familienleben. Helmer zieht hingegen nach unten und verändert die dortigen Räume von Grund auf. Die Wände werden gestrichen, neue Möbel gekauft. Für Krimskrams und schmückendes Beiwerk ist kein Platz mehr. Doch die Veränderungen im Hause sind nicht die einzigen, die das Leben von Vater und Sohn beeinflussen werden. Eines Tages meldet sich eine Frau aus der Vergangenheit und sorgt im Leben der Männer, die im Debütroman „Oben ist es still“ des Niederländers Gerbrand Bakker im Mittelpunkt stehen, für weitere Turbulenzen. „Vater und Sohn – Gerbrand Bakker „Oben ist es still““ weiterlesen →