Zwischen den Seiten – Norbert Gstrein „Eine Ahnung vom Anfang“

„Ich hatte tatsächlich gesagt, dass es manchmal gerade die Sehnsucht nach Unschuld und Reinheit sei, die einen dazu bringe, Schuld auf sich zu nehmen.“ 

Es ist ein Rückzugsort, abgeschieden und ruhig gelegen: die Hütte am Fluss. Dorthin flüchtet der Deutschlehrer Anton, wenn er die hektische Welt hinter sich lassen will. Gemeinsam mit seinem Lieblingsschüler Daniel verbringt er hier Stunden, Tage, ganze Wochen; skeptisch beobachtet von Wanderern oder Schaulustigen, die sich dem Gelände nähern. Jahre später erschrecken eine Bombenattrappe auf dem Bahnhof sowie zwei Bombendrohungen die Einwohner der nahe gelegenen Provinzstadt. Auf einem Fahndungsfoto glaubt Anton, seinen Schüler wieder zu erkennen. „Zwischen den Seiten – Norbert Gstrein „Eine Ahnung vom Anfang““ weiterlesen →

Entdeckt – Irmgard Keun „Das kunstseidene Mädchen“

„Ich bin so oft doch mal unglücklich gewesen, aber es geht immer vorüber. Geht es denn bestimmt immer vorüber?“

Es gibt Autoren und Werke, die ähneln Sternschnuppen. Sie glänzen für eine kurze Zeit, lenken die Blicke vieler Menschen auf sich, um wenig später schnell zu verglühen und nahezu in Vergessenheit zu geraten. Einst galt Irmgard Keun (1905-1982) als großes literarisches Talent, war die meistgelesene Autorin der 30er Jahre, wurde zuvor von Alfred Döblin entdeckt, von Kurt Tucholsky gepuscht. Während des Dritten Reiches verschmäht, geriet sie nach dem Krieg jedoch in Vergessenheit.  „Entdeckt – Irmgard Keun „Das kunstseidene Mädchen““ weiterlesen →

Abstieg – Tim Winton „Schwindel“

„Engel ziehen weg, Kumpel. Sie sterben. Sie werden alt. Sie lassen dich allein.“

Er ist ganz unten, allerdings zugleich auch oben. Der einst berühmte Umweltaktivist Tom Keely steht nach der Scheidung und dem Jobverlust vor den Scherben seines Lebens. Er wohnt im zehnten Stock eines Hochhauses in Fremantle, nicht weit von der westaustralischen Metropole Perth entfernt. In seinem unaufgeräumten Appartement lebt er zurückgezogen in einer selbst gewählten Isolation. Trübsinn und Selbstmitleid bestimmen seine Gedanken, Untätigkeit, Alkohol und Tabletten seinen von Geldnöten beherrschenden Alltag. Dann tritt mit Gemma und ihrem sechsjährigen Enkel Kai die Vergangenheit in sein Leben und verändert es schlagartig.  „Abstieg – Tim Winton „Schwindel““ weiterlesen →

Gezeichnet – György Dragomán „Der Scheiterhaufen“

„Die schmerzvollsten Geschichten könne man nur so erzählen, dass der, der zuhört, das Gefühl hat, dass sie ihm selbst widerfahren, dass es seine eigenen Geschichten sind.“

Den Menschen zeichnen Erfahrungen und Erlebnisse, Gedanken und Gefühle und nicht minder politische und gesellschaftliche Ereignisse, die später zu Geschichte werden. Wir sind immer das, was wir einst waren. Ein Teil von allem. Kinder und Jugendliche wie Emma machen ebenfalls diese Erfahrung, wenn sie auch erst später wirklich bewusst wird. In Emmas Heimatland Rumänien hat der Sozialismus sein Ende gefunden. Auf dem Hof ihres Internates werden die Überreste des diktatorischen Regimes unter Nicolae Ceaușescu auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt. Eine neue Zeit bricht an: nicht nur gesellschaftlich, sondern für Emma auch privat. Ihre ihr bis dato unbekannte Großmutter holt sie aus dem Internat. Fortan soll das Mädchen, das beide Eltern durch einen Autounfall verloren hat, bei ihr leben.  „Gezeichnet – György Dragomán „Der Scheiterhaufen““ weiterlesen →

Begegnung mit Katrina – Jesmyn Ward „Vor dem Sturm“

„Und plötzlich tut sich ein riesiger Graben auf zwischen jetzt und damals, und ich frage mich, wo die Welt, in der jener Tag sich ereignet hat, geblieben ist, denn wir sind eindeutig nicht in ihr.“

Er war die größte Naturkatastrophe in den USA. Mit mehr als 1.800 Toten und Schäden in Höhe von rund 125 Milliarden Euro. Der Wirbelsturm Katrina hinterließ im August 2005 im Südosten des Landes eine Schneise der Verwüstung und brachte viel Leid. Vor allem die Stadt New Orleans, Metropole des Dixieland und Wiege des Jazz im Bundesstaat Louisiana, traf der Hurrikan mit aller Härte. Windgeschwindigkeiten von schätzungsweise 280 Stundenkilometern wurden damals gemessen. In Louisiana und in jene Zeit hinein hat die Amerikanerin Jesmyn Ward ihren Roman „Vor dem Sturm“ angesiedelt. Doch ihr Buch beschreibt nicht nur den Sturm und seine immense Kraft, sondern das Leben und Überleben einer armen Familie.  „Begegnung mit Katrina – Jesmyn Ward „Vor dem Sturm““ weiterlesen →

Von Fallada bis Herrndorf – Ausblick auf das Kinojahr 2016

Literatur und Film pflegen eine enge Beziehung. Das Kino kommt nicht ohne große Geschichten aus, die meistens die Literatur liefert. Im Gegenzug machen Verlage gute Geschäfte, wenn Titel auf die große Leinwand kommen – durch den Verkauf der Filmrechte und höhere Verkaufszahlen. Aktuell erweist sich die Verfilmung des Science-Fiction-Romans „Der Marsianer“ von Andy Weir als Kassenschlager. Zudem wird die Diskussion über eine mögliche Besiedlung des Planeten neu entfacht; siehe aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Geo“. Ich habe mal in die Glaskugel, besser gesagt in das weltweite Netz geschaut, auf der Suche nach Literaturverfilmungen, die im kommenden Jahr in die Kinos kommen. „Von Fallada bis Herrndorf – Ausblick auf das Kinojahr 2016“ weiterlesen →