Charlotte McConaghy – „Zugvögel“

„Wie sind wir nur so weit gekommen.“

Sie fliegen von Norden nach Süden, von der eisigen Arktis in die nicht minder eisige Antarktis. Auf ihrem Flug hin und zurück legen sie schätzungsweise 30.000 Kilometer zurück – damit gelangen sie nahezu einmal um die Erde. Die Küstenseeschwalben sind Langstreckenflieger und Zugvögel und stehen im Mittelpunkt des eindrucksvollen Debütromans der australischen Autorin Charlotte McConaghy. Mit dem einfachen wie prägnanten Titel sind indes nicht nur die kleinen und robusten Tiere gemeint.  „Charlotte McConaghy – „Zugvögel““ weiterlesen

Regina Nössler – „Die Putzhilfe“

„Die alte und die neue Arbeit. Von der geistigen Elite zum Putzen.“

Es ist ein Mittwochabend im November. Sie packt drei Koffer, schließt die Tür hinter sich zu, fährt mit dem Bus zum Bahnhof und steigt in den Zug nach Berlin. Franziska Oswald verlässt das Haus, die Stadt, ihren Mann. Ohne eine einzige Nachricht zu hinterlassen. Aus der Wissenschaftlerin mit einer vielversprechenden Zukunft wird eine Putzhilfe, die ihr Leben hinter sich lässt, den schicken Hosenanzug gegen robuste Kleidung tauscht und ein dunkles Geheimnis verbergen muss. Doch damit ist sie im preisgekrönten Thriller von Regina Nössler nicht allein. Denn nichts ist, wie es scheint, bis ein furioser Showdown alles für den faszinierten Leser aufklärt und die Teile der ganzen Story zusammenführt. „Regina Nössler – „Die Putzhilfe““ weiterlesen

Nuruddin Farah – „Im Norden der Dämmerung“

„Es gibt Augenblicke im Leben, wenn sich alles, was man für einen Sieg hält, in der Praxis als Niederlage erweist.“ 

Es sind schon viele Jahren vergangen, als Mugdi und seine Frau Gacalo ihre Heimat Somalia verlassen haben. Mittlerweile lebt der frühere Botschafter mit seiner Frau in Oslo. Das Ehepaar hat sich integriert, die Sprache gelernt, Freunde gefunden. Er übersetzt norwegische Bücher ins Englische, sie arbeitet im Staatsdienst. Trotz des guten und sicheren Lebens in Norwegen zog es ihren Sohn Dhaqaneh indes wieder nach Afrika zurück, wo er sich einer islamistischen Terrorgruppe anschloss und bei einem Selbstmordattentat ums Leben kam. Gacalo lässt nichts unversucht, die Schwiegertochter Waliya mit ihren Kindern nach Oslo zu holen – gegen den Willen ihres Mannes. Mit „Im Norden der Dämmerung“ hat der somalische Autor Nuruddin Farah einen eindrücklichen Roman geschrieben, der sich den noch immer und weiterhin aktuellen Themen Extremismus und Integration annimmt. „Nuruddin Farah – „Im Norden der Dämmerung““ weiterlesen

Santiago Amigorena – „Kein Ort ist fern genug“

„Wir sind Juden. Ich bin Jude. Aber wir wissen nicht, was das bedeutet. Nicht einmal ansatzweise.“

Ein ganzer Kontinent und ein Ozean trennen sie. 1928 hat Vicente Rosenberg Polen verlassen und ist nach Argentinien ausgewandert. In der Heimat zurückgeblieben sind seine Mutter und seine Geschwister. Von der Ferne muss er mit ansehen, wie die jüdische Bevölkerung bedroht wird, der Krieg beginnt, Ghettos entstehen.  Der Autor und Filmemacher Santiago Amigorena hat mit „Kein Ort ist fern genug“ ein erschütterndes und wichtiges Buch über die Shoah aus einer anderen Perspektive geschrieben – aus der der Überlebenden, die bereits vor dem Grauen Europa verlassen hatten, aber trotzdem von dem unfassbaren Verbrechen gezeichnet, ja unwiderruflich traumatisiert sind. „Santiago Amigorena – „Kein Ort ist fern genug““ weiterlesen

Ulrike Draesner – „Schwitters“

„Es gibt keinen Ort, der ein Zuhause ist. Man musste ein Zuhause immer erfinden.“

Wenn die Heimat das eigene Leben bedroht, wird die fremde Ferne zum rettenden Land. Doch Kurt will nicht gehen. Hier sind seine Heimat, seine Frau, seine Kunst. Doch sie reden auf ihn ein: Freunde, Kollegen, sogar Helma. In den ersten Tagen des Jahres 1937 setzt er seinen Zweifeln ein Ende. Der Mann, der Künstler, verlässt Frau und Haus und reist dem Sohn Ernst gen Norden hinterher. Es sollte eine Reise ohne Wiederkehr werden. Ulrike Draesner widmet sich in ihrem meisterhaften Roman Kurt Schwitters (1887 – 1948), dem eigenwilligen Künstler der Moderne und Mitbegründer der internationalen Dada-Bewegung, sowie seinen letzten elf Lebensjahren. Ein Buch, das weit mehr erzählt als von einem berühmten Mann, der die Kunst zur Lebensform erhoben hat.

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Joachim B. Schmidt – „Kalmann“

„Unter einem Eisbären ist es dunkel. Und es ist still.“ 

Kalmann trägt Cowboy-Hut, Sheriffstern und eine Pistole – und das im tiefsten Island, das zu den am dünnbesiedelsten Regionen auf der Welt zählt und trotz der allseits beliebten Kriminal-Literatur eine Kriminalitätsrate hat, über die sich andere Länder wohl freuen würden. Doch auch ein kleiner Ort wie Raufarhöfn braucht seinen Helden, einen Beschützer. Selbst wenn er nicht zu den hellsten Köpfen gehört und eher Grönland-Haie jagt als Verbrecher. In seinem neuesten Werk erzählt der Schweizer und auf Island lebende Schriftsteller Joachim B. Schmidt mit Humor, aber auch Melancholie von einem Außenseiter, der über seine Fähigkeiten hinauswächst und ungewollt viel Aufmerksamkeit erhält. „Joachim B. Schmidt – „Kalmann““ weiterlesen