Bilder – Attila Bartis „Das Ende“

„Im Grunde gibt es nichts, das dem Tode näher wäre als das Fotografieren.“

Wir versuchen, uns der Welt nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern zu nähern. Ein für uns bedeutenden Moment gilt es festzuhalten – mit dem Smartphone, der Kamera, dem Gedächtnis. Obwohl man sich sicherlich fragen kann und sollte, welche Beziehung die Fotografie und das Gedächtnis zueinander eingehen. András Szabad, Held und Ich-Erzähler in dem neuen Roman von Attila Bartis, ist Fotograf und zugleich Chronist seines eigenen Lebens, der von seinen vielen Leidenschaften, seinen Erlebnissen und seinen Schicksalsschlägen berichtet.  „Bilder – Attila Bartis „Das Ende““ weiterlesen

Backlist #2 – Davide Longo „Der aufrechte Mann“

„Man musste warten. Am Leben bleiben und warten.“

Nichts ist mehr, wie es war. Das Land versinkt in Chaos und Gewalt. Die Nationalgarde wird den Plünderungen nicht mehr Herr. Die Banken zahlen kein Geld mehr aus. Das Benzin wird knapp und unbezahlbar. Felder sind verwahrlost, Dörfer und ganze Städte verwaist. Der italienische preisgekrönte Autor Davide Longo erzählt in seinem Roman „Der aufrechte Mann“ von einem Land am Abgrund und einem Mann, der über sich hinauswächst, obwohl er kein Held sein wollte.  „Backlist #2 – Davide Longo „Der aufrechte Mann““ weiterlesen

Welt der Kunst – Hanno Millesi „Die vier Weltteile“

„Dachten die Kinder allen Ernstes, sie könnten das Krokodil von einem Konflikt mit der Tigerin abhalten.“

In ein Kunstmuseum geht der kunstinteressierte Besucher freiwillig, und er will die Ausstellung auch wieder verlassen, wann er will. Doch die vier Kinder Konrad, Emily, Iggy und Tessa sowie ihre beiden erwachsenen Begleiter, Wanda und der Ich-Erzähler, werden eingesperrt in ein Haus voller Kunst-Schätze. Im Eingangsbereich hat es einen Anschlag gegeben. Wie dieser schreckliche Vorfall die Besucher beeinflusst und noch viel mehr – das erzählt Hanno Millesi in seinem schmalen, aber thematisch reichen Roman „Die vier Weltteile“, in dem es vor allem um die große Kunst und ihre eindrückliche Wirkung auf junge wie ältere Betrachter geht.   „Welt der Kunst – Hanno Millesi „Die vier Weltteile““ weiterlesen

Allein? – Céline Minard „Das große Spiel“

„Die Elemente sind maßlos.“

Einsamkeit oder Gemeinschaft? Welcher Zustand, welche Lebensform entspricht mehr dem Wesen des Menschen? Empfinden wir es nicht als lästig, in überfüllten Supermärkten einkaufen zu gehen, in der U-Bahn zu stehen Rücken an Rücken, nur wenige Zentimeter als Komfortzone zwischen den nächsten „Nachbarn“ auf beiden Seiten  am Strand zu haben? Aber war Robinson nicht überglücklich, als er auf seinen, wenn auch ungleichen Vertrauen Freitag stieß? In dem neuen eindrücklichen Roman von Céline Minard „Das große Spiel“ sucht eine Frau die Abgeschiedenheit der Berge der Alpen auf.

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Verstrickt – Håkan Nesser „Der Fall Kallmann“

„(…), aber das ganze Leben ist eine ganze Aneinanderreihung unwahrscheinlicher Begebenheiten.“ 

Um es schon einmal vorwegzunehmen: Obwohl der Name Håkan Nesser auf dem Roman mit dem Titel „Der Fall Kallmann“ draufsteht, ist es kein typischer skandinavischer Krimi. Wer sich schon auf düstere Szenerien und die eine oder andere entsetzlich zugerichtete Leiche nebst einem eigenbrötlerischen Kommissar gefreut hat, sollte sich an anderer Stelle umsehen. Oder vielleicht doch weiter lesen!? Denn der berühmte wie geachtete schwedische Autor zeigt einmal mehr, dass er für Überraschungen gut ist, neue Wege beschreitet und aktuelle Themen literarisch umsetzt, ohne dass seine tiefgründigen wie psychologischen Romane an Spannung verlieren.  „Verstrickt – Håkan Nesser „Der Fall Kallmann““ weiterlesen

Getrennt – Gert Loschütz „Ein schönes Paar“

„Auch an wirklich hellen Tagen gibt es Stellen, die im Halbdunkel liegen.“

Die deutsche Teilung hat Familien entzweit, seelische Wunden gerissen, von denen Narben weiter existieren. Selbst nahezu 29 Jahre nach der friedlichen Revolution sind die Auswirkungen zu sehen und zu spüren. Gerade in diesen Tagen wird der Fall der Mauer in den Medien und in den sozialen Netzwerken wieder thematisiert, ist sie doch nun nach der Wende mittlerweile länger Geschichte, als dass sie existiert hat. Schon immer begleitet hat dieses Kapitel deutscher Geschichte die Literatur. Die Reihe der Titel ist mit der Zeit angewachsen und lang. Mit seinem aktuell erschienenen Werk „Ein schönes Paar“ kann sich nun auch Gert Loschütz einreihen. Doch sein Roman erscheint anders als die vielen anderen Bücher über dieses Thema.

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