Grauen – Edna O’Brien „Die kleinen roten Stühle“

„Sie sahen die Ruinen ausgebrannter Häuser, eine verwüstete Landschaft, verängstigte Familien auf dem Marsch (…).“

Er ist kein Heiler, er ist vielmehr das Grauen und das Böse in Person. Als Vladimir Dragan an einem Winterabend den kleinen Ort Cloonoila an der irischen Westküste erreicht, ahnt keiner der Einwohner, welchen Fremden sie für die kommenden Wochen und Monaten bei sich willkommen heißen. Sein Charisma, seine Eloquenz und auch sein Aussehen blenden sie. Keiner fragt nach seiner Vergangenheit. Die Frauen wickelt er um den Finger. Fidelma, einst Inhaberin eines Textilgeschäftes und Frau des Textilhändlers Jack, beginnt eine Affäre mit ihm. Ein Verhältnis, das sie später teuer zu stehen kommt: Denn Vladimir ist einer der meist gesuchten Kriegsverbrecher, der während der Belagerung Sarajewos sein Unwesen getrieben hat. Die Irin Edna O‘ Brien erzählt in ihrem meisterhaften Roman „Die kleinen roten Stühle“ auf beklemmende Art und Weise von Lug und Betrug sowie den entsetzlichen Folgen der Gewalt des Menschen gegenüber seinesgleichen.   „Grauen – Edna O’Brien „Die kleinen roten Stühle““ weiterlesen

Tierische Helden – Zwei Bücher für den Gabentisch

Sie sind überall, um uns herum. Sie laufen, sie kriechen, sie schwimmen, ja, sie fliegen auch. Sie haben ein Fell, Gefieder, Schuppen oder eine aalglatte Haut. Die Natur ist voller wundersamer tierischer Wesen, denen es vermutlich ohne uns Menschen besser gehen würde. Zwei Bücher möchte ich an dieser Stelle vorstellen, denen ich mich in den vergangenen Tagen mit Begeisterung gewidmet habe und die sich wunderbar als Geschenk eignen für all jene, die Freude an der Tierwelt haben, über sie noch immer staunen und gerne lesen.

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Drei Frauen – Svealena Kutschke „Stadt aus Rauch“

„Sie hatte gerade die Angst vor der Dunkelheit verloren, als sie lernte, dass es die Dunkelheit war, in der Menschen verschwanden.“

Lübeck – Hansestadt und Weltkulturerbe, an der Trave gelegen, bekannt für Marzipan und als Schauplatz des berühmten Thomas-Mann-Romans „Die Buddenbrooks“, erste Großstadt, die während des Zweiten Weltkriegs bei einer Flächenbombardierung der Alliierten Tod und Verwüstung erfuhr. Lübeck zählt für mich zu den charismatischsten Städten des Nordens, hat Geschichte und Geschichten geschrieben. Eine ist nun mit dem neuen Roman von Svealena Kutschke dazugekommen, der die wechselvolle Historie der Stadt mit jener einer Familie auf unnachahmliche Art und Weise verschmelzen lässt.  „Drei Frauen – Svealena Kutschke „Stadt aus Rauch““ weiterlesen

Zwei Welten – Elena Ferrante „Die Geschichte der getrennten Wege“

„Mein Etwas-Werden hatte sich in ihrem Fahrwasser vollzogen.“

Zweifellos: Die Neapolitanische Saga um die beiden Mädchen und späteren Frauen Elena und Lila ist ein literarisches Phänomen,  über das man noch in einigen Jahren reden wird. Und sicherlich werden die vier Bücher über deren Freundschaft über die Kindheit hinaus weiterhin gelesen werden. Da spielt es wohl kaum mehr eine Rolle, dass ein ehrgeiziger Journalist die wahre Identität hinter dem Pseudonym Elena Ferrante nach ausgiebiger Recherche herausgefunden hat. Im Mittelpunkt steht das Werk. Punkt! Das wird allzu sehr deutlich, als der nunmehr dritte Band sogleich nach seinem Erscheinen Rang eins der Spiegel-Bestsellerliste belegte, während die Erinnerung an die Schlagzeilen nahezu verblasst sind. Eine Erscheinung, für die ich persönlich Genugtuung empfinde, denn aller journalistischer Eifer in Ehren, ein schützendes Pseudonym sollte ein Pseudonym bleiben.  „Zwei Welten – Elena Ferrante „Die Geschichte der getrennten Wege““ weiterlesen

Lebensgemälde – Markus Orths „Max“

„Kunst ist keine Ewigkeitsreligion. Kunst ist das Fest des Augenblicks.“

Er nennt sich Loplop oder kurz nur Max. In sein bewegtes, wechselvolles wie reiches Leben hat sich das 20. Jahrhundert mit seinen goldenen und seinen dunkelsten Jahren sowie die Liebe zu und von sechs Frauen eingeschrieben. Max Ernst (1891 – 1976) zählt zu den großen Namen der modernen Kunst. Über den Maler, Bildhauer und führenden Vertreter der Dada-Bewegung hat Markus Orths nun einen Roman geschrieben, der Ernst sicherlich gut gefallen hätte. „Lebensgemälde – Markus Orths „Max““ weiterlesen

Der Zeit voraus – Klaus Cäsar Zehrer „Das Genie“

„Man hat nur die Wahl, an der Masse zugrunde zu gehen oder an der Einsamkeit.“

Bereits als Kleinkind im Alter von nur 18 Monaten liest er tagtäglich die Zeitung, mit vier Jahren bringt er sich Latein und Griechisch bei, weitere Sprachen folgen. Als Zehnjähriger stellt er Studenten der renommierten Harvard-Universität seine eigene Theorie der vierten Dimension vor. William James Sidis (1898 – 1944) war ein Wunderkind, der damit schon früh das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen hat, von der Presse bis zu seinem frühen Tod regelrecht verfolgt wurde. Nach dem dänischen Autor Morton Brask, der in seinem Roman „Das perfekte Leben des William Sidis“ (Nagel & Kimche) bereits den Amerikaner in den Mittelpunkt stellt, erzählt nun auch Klaus Cäsar Zehrer in seinem Debüt „Das Genie“ vom filmreifen Aufstieg und Fall des Wunderkindes.   „Der Zeit voraus – Klaus Cäsar Zehrer „Das Genie““ weiterlesen