Abschied – Milena Busquets „Auch das wird vergehen“

„Ich glaube, dass wir ein paar Dinge für immer verlieren. Ich glaube, sogar, dass wir mehr das sind, was wir verloren haben, als das, was wir besitzen.“

Nahezu jeder spürt die Furcht vor dem eigenen Tod sowie dem  Verlust eines geliebten Menschen. Wie wir mit dem unwiederbringlichen Ende umgehen, wird verschieden sein. Manchmal weigern wir uns, uns der Trauer zu stellen. Bis auch sie sich einstellt. Wenige Wochen nach dem Tod ihrer Mutter ist Blanca hin und hergerissen. Auf der einen Seite fühlt sie den Schmerz, auf der anderen Seite ist da das pure Leben mit Freundinnen, Männern und den beiden Söhnen. Der Sommersitz der Familie in dem beschaulichen Fischerdorf Cadaqués an der spanischen Mittelmeer-Küste verspricht Rückzug und Ablenkung zugleich.  „Abschied – Milena Busquets „Auch das wird vergehen““ weiterlesen

Auflösung – Olivier Adam „Klippen“

„Niemand weiß, was zwei Menschen miteinander verbindet, auch sie selbst wissen es oft nicht und kommen erst dahinter, wenn sie sich verlieren.“

Tragische Ereignisse kommen nicht immer auf leisen Sohlen daher. Manche kündigen sich an, erste Vorboten des Kommenden werden sichtbar. Nur erkennen möchte sie oftmals keiner. Der selbst gewählte Tod von Oliviers Mutter war konsequenter Abschluss ihrer Depression und Weltabgewandtheit. Nur wenige Tage zuvor war sie nach einer mehrmonatigen Behandlung aus der Psychiatrie entlassen worden. Der Ausflug nach Étretat in der französischen Normandie sollte ein Neubeginn für die Familie sein. Letztlich war es der Auftakt einer Reihe schmerzlicher Ereignisse, die das Leben von Olivier und seinem älteren Bruder Antoine für immer verändern sollen.  „Auflösung – Olivier Adam „Klippen““ weiterlesen

Unfassbar – David Garnett „Dame zu Fuchs“

„Wo eben noch seine Frau gewesen war, stand, mit leuchtend  rotem Fell, ein kleiner Fuchs.“

Wollen wir uns nicht ab und an in ein Tier verwandeln? Wenn uns Stress plagt in ein Faultier, wenn eine peinliche Situation droht in eine winzige Maus oder in der kalten Winterszeit in einen Delfin, der über die Wellen eines tropischen Meeres springt. Allerdings sollte es sicher sein, dass wir wieder zu einem Menschen werden. Denn das berührende Schicksal von Mr. und Mrs. Tebrick in dem Roman „Dame zu Fuchs“ von David Garnett zeigt uns die andere Seite der Verwandlung.  „Unfassbar – David Garnett „Dame zu Fuchs““ weiterlesen

Lebenslügen – Richard Yates „Cold Spring Harbor“

„In der Realität konnte einen alles auf Schritt und Tritt daran erinnern, dass das eigene Leben verknäuelt und gefährlich unvollständig war.“

Was haben wir nicht alle für Lebenspläne. Eine Weltumsegelung, den Doktor-Titel, Haus bauen, Baum pflanzen, Kind zeugen. Wir machen Ideen für unser Dasein auf Erden, als ob sie wie auf einer Liste nur nach und nach abgehakt werden müssen. Wir ahnen nicht, dass wir auf Hindernisse stoßen könnten, zu denen das Leben selbst gehört. In seinem Roman „Cold Spring Harbor“ erzählt der Amerikaner Richard Yates von Menschen, die Großes wollen, aber schlichtweg im Alltag versumpfen. „Lebenslügen – Richard Yates „Cold Spring Harbor““ weiterlesen

Freiheit – Gunnar Cynybulk „Das halbe Haus“

„Vater hat immer gesagt, alles hier bei uns ist eine einzige große Lüge, ein Scheißhaufen, der mit Häkeldeckchen aus Worten zugedeckt ist. Aber das stimmt nur halb. Es ist ein großer Mist, und zugleich ist es schön.“

Die einen preisen dieses Land, die anderen verfluchen es. Jeder hat seinen ganz eigenen Blick auf das Land DDR. Die Debatten über die „Zone“, wie der Osten vom Westen einst genannt wurde, sind noch längst nicht erschöpft; nicht zwischen den Generationen, nicht in Kunst und Kultur. Weiterhin werden Fotografien und Filme gezeigt, Bücher geschrieben. Im selben Jahr wie Lutz Seilers „Kruso“ erschien der Roman „Das halbe Haus“ von Gunnar Cynybulk. Der Autor des einen Buchs erhielt den Deutschen Buchpreis, der des anderen leider „nur“ wohlwollende Kritiken.  Doch beide Romane weisen Parallelen auf.  „Freiheit – Gunnar Cynybulk „Das halbe Haus““ weiterlesen

Warum? – Noah Hawley „Der Vater des Attentäters“

„Wenn wir leiden, Schmerzen oder Angst haben, wenden wir uns nach innen. Mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert, interessieren wir uns nicht mehr für die täglichen Dramen dieser Welt.“ 

Es ist eine Geschichte, die überall auf der Welt geschehen könnte und aktueller denn je ist. Die Medien berichten in aller Regelmäßigkeit über entsetzliche Amok-Läufe, Attentate und Gewaltausbrüche, in denen junge Menschen plötzlich zu Tätern werden und eine große Schuld auf sich nehmen. „Der Vater des Attentäters“ von Noah Hawley erzählt nicht nur eindrucksvoll von einer aus den Fugen geratenen Vater-Sohn-Beziehung. Der Roman geht der Frage nach, wie ein junger Mensch zu einem Mörder werden konnte. „Warum? – Noah Hawley „Der Vater des Attentäters““ weiterlesen