Kristina Gorcheva-Newberry – „Das Leben vor uns“

„Dieses Land ist zu alt und zu störrisch“, sagte meine Großmutter immer (…).“

Sie sind jung, ihr Leben liegt noch vor ihnen. Sie wollen frei sein, die Welt sehen. Doch Anja und ihre Freundin Milka leben in Moskau. Der spätere Umbruch mit Beginn der Ära Gorbatschow und die Folgen von Perestroika und Glasnost liegen noch in gewisser Ferne. Als Leonid Breschnew, der Generalsekretär der KPdSU, 1982 stirbt, sind sie 14 Jahre alt. Kaum einer kommt heraus aus diesem riesigen totalitären Reich namens Sowjetunion. Mit ihrem Debüt „Das Leben vor uns“ schreibt die russisch-amerikanische Autorin Kristina Gorcheva-Newberry über eine Jugend im Kommunismus und ein Land, das seine Kinder frisst. „Kristina Gorcheva-Newberry – „Das Leben vor uns““ weiterlesen

Steffen Schroeder – Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor

„Die Welt ist ein Paradox. Und alles ist möglich.“

Sie gelten als die klügsten Köpfe, zählen zu den bekanntesten Wissenschaftlern ihrer Zeit. Ihre Söhne sind hingegen eingesperrt hinter dicken Mauern. Erwin Planck wird als Widerständler im Zuge des 20. Juli 1944 im Gefängnis Tegel inhaftiert. Eduard Einstein ist Patient der psychiatrischen Anstalt Burghölzli in Zürich. Mit seinem berührenden wie komplexen Roman „Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor“ erzählt der Autor und Schauspieler Steffen Schroeder von zwei berühmten Vätern und ihren besonderen Söhnen – und einer dunklen Zeit.

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Kristin Valla – „Das Haus über dem Fjord“

„Nur Papa sank, kam nie an die Oberfläche, hatte etwas in sich, das ihn schwer machte.“

Es sind nur wenige Sekunden, in denen die zehnjährige Elin ihren Vater und ihre beiden älteren Brüder Thomas und Vegard für immer verliert. Auf dem Weg zu einer Familienfeier kommen sie infolge eines Erdrutsches ums Leben. Das Mädchen und ihre Mutter sind an jenem Tag daheim geblieben. Mehr als 20 Jahre später und nach dem Tod der Mutter kommt die nunmehr erwachsene Elin einem streng gehüteten Geheimnis auf die Spur, das die gesamte Familiengeschichte nicht nur infrage stellt. In ihrem berührenden wie atmosphärischen Roman „Das Haus über dem Fjord“ erzählt die Norwegerin Kristin Valla von Trauer und Schmerz und welche Folgen die Geheimnisse der Eltern auf die nächste Generation haben können.

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Ling Ma – „New York Ghost“

„Wörter verschwanden oft als Erstes, wenn man fieberte.“

Kein Mensch in den himmelhohen Wolkenkratzern, keine Menschenmenge auf den breiten Straßen und den von flirrenden Werbeflächen umsäumten Plätzen. Kein Lärm, keine hektische Betriebsamkeit. New York – eine Geisterstadt. Vor drei Jahren hätten wir den Gedanken wohl als unmögliche Fantasie abgetan, als Traum, als literarische Dystopie angefüllt mit einer beängstigenden, aber unwirklichen Endzeitstimmung. Mit Corona und Lockdown auch in der Stadt, die niemals schläft, wurde dieser Gedanke jedoch real. Bereits zwei Jahre vor Beginn der Pandemie erschien mit „Severance“ das preisgekrönte Debüt von Ling Ma, das unter dem Titel „New York Ghost“ auch hierzulande für reichlich Begeisterung sorgte und von einem tödlichen Erreger erzählt. „Ling Ma – „New York Ghost““ weiterlesen

Miqui Otero – „Simón“

„Der Zufall bringt das Leben durcheinander, die Fiktion hingegen ordnet es.“ 

Simóns Zuhause ist das „Baraja“, die urige Kneipe seiner Eltern, von Tante und Onkel in Barcelona. Seine Familie sind auch die Gäste, die vom Leben gebeutelt sind und nicht mit ihren ureigenen Lebensweisheiten und schrägen Kommentaren sparen. Hier wächst der Junge auf. Sein bester Freund und zugleich Mentor ist der zehn Jahre ältere Rico, der mehr großer Bruder denn Cousin ist. Nach dem Trubel der Johannisnacht, in dem Simón und Rico gemeinsam um die Häuser ziehen, verschwindet der Ältere spurlos und lässt seinen jüngeren Cousin zurück, der in den kommenden Jahren lernen muss, dass das Leben andere Wege geht, als in seinen heißgeliebten Büchern beschrieben wird.

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Anna Bolavá – Der Duft der Dunkelheit

„Wenn das Kraut einer Art, die man sammelt, größer ist als man selbst, ist das ein bedeutendes Ereignis.“

Kamille und Königskerze, Hirtentäschel und Holunder, Schafgarbe und Schöllkraut: Wer den Debütroman der tschechischen Autorin Anna Bolavá liest, wird wie die Heldin und Ich-Erzählerin Anna zu einem Sammler oder einer Sammlerin. Man sammelt unweigerlich bei der Lektüre von „Der Duft der Dunkelheit“ Namen von Kräutern in einer Liste. Alle Heilpflanzen, die in diesem Buch genannt werden, gibt es tatsächlich, weist die Schriftstellerin zu Beginn ihres Werkes hin, für das sie 2016 mit dem wichtigsten Literaturpreis ihres Landes ausgezeichnet wurde.  „Anna Bolavá – Der Duft der Dunkelheit“ weiterlesen